Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Luise Levin in Bad Liebenstein v. 2.4./3.4.1850 (Hamburg)


F. an Luise Levin in Bad Liebenstein v. 2.4./3.4.1850 (Hamburg)
(BlM XXIV,46, Bl 116-117, Brieforiginal 1 B 8° 2 S. + Adr. Aufgrund der Adressierung und dem Briefeingang lag der Brief offenbar einem nicht erhaltenen Brief an Manfred Renner zur Weitergabe bei.)

Hamburg, hohe Bleichen No 19. Am 2' April 1850.


Meine theure und treue Luise.

Ich habe Manfred [Renner] unumwunden geschrieben daß ich fast seit
Monaten zum Theil recht ernstlich krank an Geist und Körper
war; doch nun jetzt ist es beinahe ganz vorüber, ich fühle mich
wieder kräftig am Geist, wenn auch noch etwas schwach am
Körper. Zu meiner Erholung ging ich am grünen Donnerstag
nach Bergedorf und blieb bis gestern, bis den 2en Festtag Nach[-]
mittags daselbst. Doch habe ich mich durch die Ruhe und durch die
sorgsame Pflege unseres treuen Malchen[s] wieder recht erholt;
heut Abend habe ich von ½8-9 wieder Vortrag allein, wegen
Vorzeigung der vielen Sachen hier in meinem Hause gehabt.-
Wegen Salzungen und Meiningen habe ich Manfred geschrie[-]
ben Du kannst es dort lesen. Ich bin nemlich durch mein wirkli[-]
ches Krankseyn und das Zusammendrängen vieler störenden Um-
stände verhindert worden mich früher an das FinanzMinisteri-
um zu wenden. Ich hoffe es soll mir nicht schaden; ich habe den He
Diacon: Müller gebeten bei dem Ministerium, mindestens
Staatsrath Hoßfeld mein Vorsprecher zu seyn; Du wirst
bei Manfred lesen was ich dort auch in Beziehung auf Dich schreibe.
Prüfet. Meine Meinung ist keine Vorschrift.
Manfred habe ich 4 Louisd'or gesandt, mehr kann ich im
Augenblick nicht entbehren.
Meine Reise nach Bergedorf hatte außer meiner Erholung
noch den besonderen Zweck dort mit unsern Middendorff zu[-]
sammen zutreffen um einmal das Leben recht von Grund aus
und nach allen Beziehungen hin gemeinsam zu berathen; allein
an Statt Middendorffen erhielt ich einen Brief; das [sc.:daß] ernstes
Krankseyn ihn ans Bett fessle und ihm so eine persönliche /
[116R]
Zusammenkunft mit mir in Bergedorf unmöglich sey.
Du siehst aus diesem meinen Handeln wieder meine geliebte
Luise, wie ich Alles und Jedes, selbst mit innerm Opfer thue
um das Leben auch außer mir und um mich zu einen;
allein Alles, Alles führt mich immer wieder einzig auf mich
und uns zurück, wir drei, so scheint unsere Lebensaufgabe
ich Du und M. wir sollen jetzt gemeinsam das Leben er- und
durchkämpfen. Merkwürdig, so vereinzelt ich persönlich stehe,
so macht die Verbreitung der Idee täglich Fortschritt - hier
in Hamburg - in Berlin - in Dresden - in Nordhausen - am
Rhein oder vielmehr an der Ruhr in Westphalen; auch in Weimar
wird von dem alten Buchhändler und Commissionsrath Hoffmann
wacker gearbeitet.- So meldete ich Dir früher schon in Merse[-]
burg
, auch in Breslau u.s.w. Für diesen Sommer ist uns
vielfach Besuch, d.h. dem Bade Liebenstein in Beziehung auf uns
zugesagt. Du seufzest und Dir wird dabei Angst, nun sey mir
ruhig - forsche nur mit mir das Richtige zu erkennen das Rechte
zu thun. Nur die Zeit wahrgenommen und unsere Kraft gebraucht
dann der Lebenseinigung - dem Weltstreben, dem Menschheits[-]
und Völkerstreben nach Lebenseinigung - allseitiger, durch-
greifender Lebenseinigung
- oder was ganz gleich ist Gott
vertraut.
Schon ist 12 Uhr vorbei der 3 April ist eingetreten, ich muß
für heute schließen. Grüße an alle und pflege treu wie bisher
das Leben in Liebenstein resp. Marienthal als sollten wir
dort für immer einziehen, nun ich möchte es auch. Grüße
besonders Deine Schülerinnen und Deine Kinder; es ist rührend
wie die Kinder an Dir hängen; Du bist eine wahre KindergartenMut-
ter
. Gott segne Dich; Du wirst zum Seegen Vieler wirken
Lebe wohl D.Frd.Fr.Fr. /
[117]
[leer] /
[117R]
[Adresse:]
Fräulein Luise Levin
Liebenstein