Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Carl Rohrbach in Berlin v. 8.4./9.4.1850 (Hamburg)


F. an Carl Rohrbach in Berlin v. 8.4./9.4.1850 (Hamburg)
(KN 57,11, Brieforiginal 1 Bl 8° 2 S.)

Hamburg hohe Bleichen No 19. Am 8 April 1850.


Werthgeschätzter, lieber Freund.

Ich habe Ihnen zwar eigentlich nur zwei Worte zu schreiben
allein ich will es doch thun um irgend einem Mißverständ[-]
nisse vorzubeugen. Ich wurde veranlaßt heut zweimal
Ihren Entwurf der Grundbestimmungen, zunächst Ihres
Berliner Frauen- und Jungfrauenvereins zur Förderung
einer Musteranstalt für Kindergartenbildung, abzuschreiben[.]
Während dem ruhigen Abschreiben Ihrer Grundbestimmungen, habe
ich mich nun auch mit deren ganzen Fassung, wie mit den einzelnen
Ausdrücken derselben befreundet. Ich kann nemlich schlechterdings
kein Wort in irgend einer ernsten Angelegenheit gebrauchen, dessen
Sinn und besonders innere Bedeutung mir nicht auf meine Weise
u. von meiner Sprach- An- und Einsicht aus ganz klar ist. So z.B.
traten mir nun auch die Worte: Verein, verloben, verlieben usw
in ihrem so vielfach mir leeren nichtigen Gebrauch entgegen, so
daß ich auch ganz so ihre Bedeutung nahm.- Da machten mich
aber die Wörter: Verstand, verstehen, das Verständniß;
Vernunft, vernehmen u. vernünftig darauf aufmerksam, daß
das Wortglied ver nicht nur äußere, sondern seiner wahren
Bedeutung nach, eben eine Beziehung auf das Innere, aus dem Innern,
gleichsam aus dem Leben hervor, habe, so also auch bei verlieben
verloben, vereinen, darinn gerad bei dem letzteren eine "Einigung"
aus dem Innern und durch das Innere bedingt.
Nun bin ich, wie über die Bedeutung, so über den Gebrauch des
Wortes "Verein" beruhigt, somit auch vollständig mit Ihrer Anwen-
dung desselben. Ebenso auch über das Wort "Verpflichtung" d.i.
= der nothwendigen und unerläßlichen Pflege einer Sache und
innern Gründen. So nun hat die ganze Fassung der Grundbestimmungen
auch für andere Orte, selbst für das Land z.B. die Umgegend eines
Dorfes
ihre Anwendung, was mich gar sehr wegen der Einheit freut. /
[1R]
Wesentlich aber halte ich es noch, daß, so wie unter Mo[n]at
Tag und Jahr am Schluß das ganze steht, daß so auch das
Comité mit seinem Personale ganz unterzeichnet sey; es
giebt dieß dem Ganzen einen ganz besonderen Halt und Bedeutung,
und man muß das Ganze nicht nur wollen, sondern auch thun[.]
- Ich freue mich nun recht bald Ih eine Anzahl Ihrer Grund[-]
bestimmungen zum Gebrauche und Versendung zu erhalten; je-
doch muß die eigentliche Verbreitung der Vereine wirklich
von Person zu Person mindestens brieflich vom Freund zum
Freunde von der Freundin zur Freundin zur Freundin geschehen[.]
- Eben fällt mir ein, daß es ein rechter Mangel bei dem v.
M-schen Aufrufe ist, daß sie nicht ihren Namen genannt hat,
Namen gelten jetzt alles mit offenem Visir muß alles aus
gekämpft werden; die Idee, der Gedanke macht es freilich am
Ende und beide dringen am Ende durch, wer aber scheut als Ver[-]
treter einer Sache, Idee, Gedankens seinen Namen zu nennen,
der wirft ein schiefes Licht auf sein Gesagtes, auf sich selbst und
auf die Sache. Wer als Vertreter einer Sache seinen Namen nicht
nennt, der sieht aus als wollte er, könnte und dürfte aber nicht.
Erst vertritt wohl die Person den Gedanken, den Geist, dann aber
vertritt auch wieder der Gedanke, der Geist die Person und
beide dann geeint - die That, so giebt es zuletzt eben Thaten
und That, was wir eben bedürfen[.]
I.Frd.Fr.Fr.

Dienstag den 9' April Mittags 9 Uhr.
So eben bekomme ich No 9 & 10 aus der Verlagshandlung. Sie
werden es hoffentl. nun auch bald bekommen[.]
In No 9 finden Sie Ihren 2' Beitrag. In No 12 denke ich
wird der 3e kommen.
Senden Sie mir nur bald eine Anzahl Ihrer Grundbestimmungen, dann
NB!!! 10 den Ausschnitt aus einer Zeitung worin die Anzeige meines Blbg-
Cursus. Haben Sie dann den v. M-schen Aufrufe so können Sie auch ei[ni]ge beilegen[.]
Vielleicht kann Diesterweg alles dieß mitbringen.