Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Luise Levin in Bad Liebenstein v. 15.4.1850 (Hamburg)


F. an Luise Levin in Bad Liebenstein v. 15.4.1850 (Hamburg)
(BlM XXIV,52, Bl 131-132, Brieforiginal 1 B 8° 2 S. Das erste Blatt des Bogens hat eine Rahmenverzierung.)

Hamburg.           Am 15 Apr 50.


Meine theure Luise.

Wie habe ich mich heut früh gefreut, wie mit mei-
nem leiblichen munter werden, zugleich auch die
Wünsche für Dein Wohl in meiner Seele erwach[-]
ten und im Gebet für Dich zu unser[m] aller lieben[-]
den Vater empor stiegen, ihrer Erfüllung gewiß.
Wie so der Tag früh innerlich eine festliche Stimmung
erhielt, so erhielt er auch am Tage einen solchen
Ausdruck. Rosalie Reinhard nemlich, welche
wie Du weißt jetzt hier ist, war nemlich
diesen Mittag mein Gast, und so konnte ich mit
einer wirklich theilnehmenden Seele auf Dein
Wohl die Gläser klingen lassen. Auch konnten
wir uns sagen wie auch heut in der Familie
von Cossel Deiner, und Deines seegensreichen
Wirkens in derselben dankbar gedacht wer[-]
de.
Zugleich hatte ich heut früh, gleichsam zur
Feyer Deines Geburtsfestes noch eine andere /
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reine Freude, nemlich einer meiner sehr lieben, sinnigen
und achtsamen Schülerinn[en], der 18jährigen Josephine Kriek
welche vor wenigen Tagen ihre letzte irdische Stütze und
Verwandte verloren hatte, die freudi[ge] Bothschaft zu
verkündigen, daß sie in einer sehr achtbaren Familie
Gehülfin einer sehr liebenswerthen und sinnigen Mutter
in der Erziehung ihrer noch ganz jungen Kinder und zu[-]
gleich Kindergärtnerin für eine kleine Anzahl Land-
kinder werden solle. Die herzinnige dankbare Freu[-]
de dieses wie persönlich ganz verlassenen, wie völlig mit[-]
tellosen Mädchen[s] kannst Du Dir wohl denken. Es war
und ist mir dieß zu einer würdigen Feyer Deines Le-
bensfestes eine recht liebe, schöne Gabe.
Rosalie Reinhard sendet Dir noch ganz besonders ihre
herzinnigen Grüße; S sie habe Dir hier in Hamburg, da es
ihr in Kiel wo sie seit einigen Wochen lebt, nicht mög-
lich geworden sei, schreiben wollen, aber auch hier sey
ihr die Zeit so geschwunden, daß sie nicht dazu habe kommen
können.- Gestern Nachmittags waren wir zur Vor[-]
feier Deines Festes sehr fröhlich bei He. Hoffmann zusammen
der 15e ist so eben zu Ende, mögest Du ihn ebenso freudig
verlebt haben, dieß der Seelenwunsch Deines
FriedrichFröbel /
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