Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Luise Levin in Bad Liebenstein v. 25.4.1850 (Hamburg)


F. an Luise Levin in Bad Liebenstein v. 25.4.1850 (Hamburg)
(BlM XXIV,57, Bl 146-147, Brieforiginal 1 B 8° 4 S.)

Hamburg, Hohe Bleichen No 19. Am 25' April 50


Meine theure, treue Luise.

Nur mit zwei Worten kann ich Dir danken für Dei-
nen liebevollen, gütigen und so innig erfreuenden
Brief vom 21n und ff; doch weiter meinem Gemüth
und Geiste Zeit zu gönnen mit Dir persönlich liebend
und traulich, unser selbstiges Leben zu verkehren
ist mir heut nicht gestattet nur über das Allge-
meine zu verkehren ist mir heut möglich.
Du schreibst mir nemlich in einem der jüngsten
Briefen von dem Bestreben des Herrn Pfarrer R. [sc.: Rückert]
zu Schweina daselbst einen Kindergarten auszufüh-
ren; da ich nun früher gehört habe daß Fr: Swen,
Schwiegertochter des Herrn Weiß in Schweina
viel vermag, so habe ich Hoffnung daß des He. Pf:
Bestrebungen gekrönt werden; indem nemlich ge-
dachte Frau Swen jüngst in Hamburg war, (vielleicht
noch hier ist) und durch Verhältnisse veranlaßt wurde erst
einen, den unsrigen, des Herrn Beit und dann ich
glaube auch die meisten andern zu besuchen, von de-
ren Leistungen und Ergebnissen wie ich höre, sie so ent-
zückt gewesen ist, daß sie für die Erziehung und
Ausführung von Kindergärten ganz begeistert wor-
den, so scheint es mir, daß He. Pf. R. zur Förderung
seines Wunsches, wohl in der und durch die Familie
Swen-Weiß Unterstützung finden könne. Es fragt
sich nun nur, ob es dem Herrn Pf. in und mit seinen
Bestrebung[en] Ernst gewesen und noch ist. Nach Deinem
oben gedachten Briefe nun, wo Du schon für den in
Aussicht stehenden K[inder]G[a]rten auf unsere Helene Ehlers
Rücksicht nimmst, scheint mir nun beides der Fall, /
[146R]
deshalb komme ich nun mit der bestimmten Bitte
zu Dir mir doch ja so bald als möglich zu schreiben
wie weit sich der Gedanke und dessen Ausführung
entwickelt hat; denn wie ich Dir geschrieben habe, so
kommt Helene [sc.: Ehlers] als Kindergärtnerin nach Cassel
alle übrigen anstellungsFähigen haben aber sämt[-]
lich ihre entsprechenden Plätze und nur noch eine
einzige ist übrig; allein wie ich glaube und ich mir
in mir die Sache zurecht lege für die Schweinaer Ver-
hältnisse sehr passende; wobei ich nemlich von den Grund[-]
und Hauptgedanken ausgehe, daß die Familie Swen-
Weiß
geneigt sey, das Werk wesentlich zu fördern und
zu unterstützen und zwar dadurch, daß sie der
Kindergärtnerin freie Station: also Wohnung, Kost pp
gäben die Gemeinde, oder die Geeinten aber den Ge-
halt, denn die [sc.: das] Fräulein Tony von Arnstein, welche
ich hier im Auge habe - eine Pflegetochter der Familie
Ehlers - hat zwei ganz wesentliche und ausgezeichne[-]
te Eigenschaften einer angenehmen Gesellschafterin
nemlich eine gute Stimme und geübte Gesangsfertig[-]
keit wie ein wackeres Clavierspiel, wodurch sie im
Stande sein würde als freundliche Gegengabe man[-]
che freundliche Stunde in der Familie Swen-Weiß her[-]
vor zurufen; dazu kommt, daß sie eine sehr umsichtige
und besonnene Kindergärtnerin ist, so daß sich eine
musterhafte Führung und Ausführung des K[in]d[er]G[ar]tens
von ihr erwarten läßt, woran natürlich wir u.
uns allen gelegen seyn muß, ebenso würden auch
wir, wo wir, in Marienthal bei größeren Auf-
führungen es bedürfen würden, in ihr stets eine sehr
brave Hülfe haben. Übrigens würden wir so in dop-
pelter Beziehung mit der Familie Ehlers in Beziehung /
[147]
bleiben, ja durch sie mit Hamburg und den Frauen Ham[-]
burgs was auch sein Gutes hat.
Also m. l. L. nimm die Sache sogleich ernstlich in Dir
zur Berathung und außer Dir in Ausführung; denn
ich möchte gar zu gern ehe ich Hamburg verlasse über
diesen Gegenstand das hören, was sich möglicher Weise
darüber bestimmen läßt.
Ich wollte nemlich eigentlich den 2en Mai von hier ab-
reisen; nun aber ist der Vorstand des 1n BürgerKindergartens
thätig damit beschäftigt einen zweiten BürgerKindergarten hier
ins Leben zu rufen. Dieß nun zu erreichen soll Sonntags
am 5 Mai mit den Kindern des 1n Bürgerkindergartens
(:Kindergärtnerin Anna Hess[e]:) ein Spielfest gegeben
werden; ich bin nun dringend ersucht worden bei Aus[-]
führung desselben noch hier zu bleiben, wie auch Diester[-]
weg
, welcher seit den 21st hier ist; - da mir nun die
Bürgerkindergärten vor allem am Herzen liegen u.
ich Hamburg und den 1en Hmbrgr Brgrkdrgrt [sc.: Hamburger Bürgerkindergarten] für den
Keimpunkt der deutschen Bürgerk[in]d[er]g[ä]rt[en] halte, so durfte
ich mich der Erfüllung des Wunsches nicht entziehen; ist
es mir nun möglich, so werde ich sogleich am 5 Mai hier
abreise[n], spätestens am 6en, werde den 7n in Bergedorf
bleiben, am 8en bis Wittenberge, an der Elbe gehen; am
9en bis Merseburg wo ich Frl. Bercht und Anna Helm
zwei Schülerinnen zu finden gedenke; am 10en denke ich
bis Eisenach zu reisen und am 11' in Liebenstein einzutreffen[.]
Es ist furchtbar spät; allein ich kann mich hier nicht los-
eisen und Bergedorf wie Merseburg muß ich jedem
wenigstens 1 Nacht schenken. Damit ich Deinen Brief
also am 4en erhielte müßte spätestens Dein Brief
am 2en Mai früh von Liebenstein abgehen; denn ich emp-
fange Eure Briefe gewöhnlich am 4' Tag.- /
[147R]
Möchten nun nur Eure Absendungen d.h. der <Aufe:> [sc.: Aufsätze]
der Fr v. M. und die Wochenschrift bald eintreffen;
sonst kann ich auch nicht ein Joda [sc.: Jota] mehr für die Sache
thun; es ist im höchsten Grad traurig daß Manfred es
nicht hat möglich machen können, daß jede Woche regel[-]
mäßig ein Blatt erschienen ist; es begreift dieß Nie[-]
mand, wie auch ich nicht; da in allen ZeitschriftsExpe-
ditionen diese Pünktlichkeit herrscht und jede Druckerei
welche den Druck einer Zeitschrift übernimmt, auch diese
Verpflichtung nicht nur eingeht; sondern auch erfüllt.
- Noch zwei Briefe habe ich zu schreiben und es ist
schon weit über Mitternacht.
- Für den Cursus haben sich so viel mir bekannt gemel-
det[:]
1) Frl. Emilie Weil aus Schweinfurt
2., Em[m]a Bothmann aus Fulda     und ist der
3. Frl. Bercht aus Torgau      Eintritt
4. " Anna Helm aus Merseburg      dieser
5. " Marie Zürn aus Rudolstadt.      bestimmt.
6. Frau Storch aus Gotha mit
7. ihrer Pflegetochter.
Hat Emma Bothmann jüngst nicht an Dich geschrieben
wegen einer Schützlingin des alten Sattler? - sie
erwähnte in früherem Briefe, daß sie das Mädchen
einige Wochen prüfen sollte; ist dieß geschehen?-
Gute Nacht.
DFrd.Fr.Fr.