Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Pastor <?> in <?> <>Anfang 1850>(Keilhau)


F. an Pastor <?> in <?> <>Anfang 1850>(Keilhau)
(BN 707a, Bl 60 1Bl 8° 1 S., undatiertes Entwurfsfragment. Unklar ist die Begrenzung des mit* gekennzeichneten Abschnitts. Datierungsvorschlag gemäß Briefliste)

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Mannesbewußtseyn u d[urc]h Mannesbewußtseyn, wie durch
das Mannesbewußtseyn eines guten Theologen u Pfarrers
Pastorshandlung gegegene [sc.: gegebene] Lebenswahrheit, welche
nothwendig in ihrer dieser Wahrheit u Wichtigkeit erkannt
gepflegt u verwirklicht werden sollte*
*die wenn sie erkannt u verwirklicht werden sollte u würde
das größte Heil über das g[an]ze Menschengeschlecht u zunächst über
und für uns Deutsche bringen würde.Solche Gedanken welche in der
Seele gesündesten freyesten Leben entstehen und sich aus derselben frey
unerwartet frey <machen> u ins Leben heraustreten gleichen mir dem
Dufte einer aufbrechenden Blume welche Neubelebung u Erqickung
für Viele bringt für Gesunde wie für Kranke, allein sie muss zu Ideen
erhob[en] zuerst Geistige u dann immer mehr lebens- u leibl Gestalt
u so endlich anschauliches Gegenständl Daseyn erhalten; das ist der
Weg welchen alles Große u Menschenbeglückende ja [geht.*]
Ja hochgeschätzter Herr Pastor es ist meine tiefste Über[-]
zeugung, der Genius der Menschheit hat jenen Gedanken in
ihnen [sc.: Ihnen] geweckt und Sie, Sie sollen ihn in sich zurück rufen
wieder zu denken u es so mögleich zu machen ihn auszuführen
Sie dazu aufzufordern ist der Zweck dieses Briefes. Dieser Gedanke
kommt mir vor wie die erste blühende aufgehen[de] Knospe Blum an einer blühknospenden reichen reich an Blumknospen [geschmückten]
Traude [sc.: Traube] Baumkrone er zeigt den andern Blüthen was sie thun sollten
um Früchte, reife Früchte des Lebens zu tragen[.]
Doch nun genug zu Einleitung in diesen Brief und zur Rechtfertigung meiner
Erscheinung bei Ihnen. Das Einfache und Wesen, die Bedeutung des Ganzen ist; Sie
hochgeacht[et]er Hochgeschätzter Herr Pastor Sie Ihnen die Sie Ihr jetziges Amt
u Beruf in seinem innersten Wesen äußerer Ausdehnung wie lebensvollen Wirkung
mit den Früchten seines Wirkens d[urc]h ein erfahrungsreiches Leben kennen Sie die Sie in ihrem [sc.: Ihrem] Innern d[urc]h das Wesen, die
tiefe Lebendigkeit Ihres Geistes von der hohen
Wichtigkeit von der wahren lebensvollen Bedeutung der Erziehung, der
Pädagogik in besonderer u einzeln[er] Beschränkung ganz d[urc]hdrungen sind, Sie haben ein
Urtheil in der Sache u von dieser für die Sache; darum möchte ich aber vor
Allem daß Sie die Erziehung, die Pädagogik, in ihrem ganz neuen Geiste nach seiner [sc.: ihrer]
pflegend u entwickelnderziehenden Seite hin kennen lernen, nach der Seite hin <wozu>
ich mich als nach meinem [sc.: meiner] Lehre im [Geist] des Schicksales des Menschengeschlechtes
einzig und allein das wiedererst[arkte Le]ben unseres Volkes erwarte[nd verwende].
Zu diesem Zwecke möchte ich Sie und ganz ernstlich im größten Interesse
der Sache, zum Wohle unserer Familien wie zum Wohle des ganzen Volkes wie des
g[an]zen Menschengeschlechtes auffordern - kommen Sie nach dem still<engen Haus>
Ihres [Freundes] so bald Sie nur können, wir wollen [bricht ab]