Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Luise Frankenberg in Dresden v. 18.5.1850 (Marienthal)


F. an Luise Frankenberg in Dresden v. 18.5.1850 (Marienthal)
(BlM XX,1, Bl 8-9, Brieforiginal 1 B 8° 4 S.)

     Marienthal ohnweit Bad Liebenstein bei Eisenach am 15 Mai 1850.


Meine liebe treusinnige Luise.

Ich will nur gleich mit der Hauptsache beginnen. Meine Schuld
an Herrn Lehmann war mir seit Langem ein Herzensan-
liegen, allein ich konnte den Betrag zur Bezahlung derselben
nicht erschwingen; so oft ich es auch dachte, so contraire gieng es
mir wie man zu sagen pflegt, und gerad in den Tagen wo Ihnen
auch die Bezahlung Sorge macht, beschäftigte mich dieselbe ganz
besonders. Aber nun denken Sie sich nur wie wunderbar, seit
einigen Tagen wollte ich Ihren lieben theilnehmenden Brief beantworten
ob ich gleich noch nicht über mehr als die mir von Ihnen angetragenen
4 rth. verfügen konnte, und jetzt - da ich mich setzen und Ihnen
schreiben will erhalte ich einen Brief von Hamburg nach welchem
ich dort über fünf Louis d'or verfügen kann. Ich bitte Sie
also erstlich Ihrem gütigen Vorschlag u. Anerbieten gemäß dem
    Herrn Lehmann möglichst bald die gedachten 4 rth.
    abschläglich auszuzahlen, demselben aber auch
zweitens anzuzeigen und zu versichern, daß ich morgen nach
    Hamburg schreiben und ihm von dort noch 4 Louisd'or
    sogleich übersenden lassen werde.
Da ich dessen Wohnung in der Wildsdruffer Gasse nicht genau kenne,
so werde ich das Geld an Ihren Bruder Adolf adressiren lassen;
und ich ersuche denselben es dann sogleich an Herr[n] Lehmann aus-
zuzahlen. Sollte Adolf gerad etwas Geld disponibel liegenhaben
und dem Lehmann 10 oder mehr Thaler weiter auszahlen können
und wollen, so kann derselbe darauf rechnen, daß spätestens
binnen 9 Tagen das Geld wieder in seiner Hand ist. Das Geld
ist in Hamburg zu meiner Verfügung bereit, und wird abgesandt
von Frau Johanna Goldschmidt (:Verfasserin der Mutter Freuden
u. Leiden:) Gattin des Banquier Moritz Goldschmidt AlsterArkaden
No 11.- Da meine Papiere noch nicht hier sind, so weiß ich nicht bestimmt wie-
viel die Rechnung Herrn Lehmanns beträgt, ich glaube Rth. 40 < ? Gr.>
Sie wollen ihm abschl. bezahlen Rth. 4 -
die 5 Louisd'or wieder betrag[en] à 5 1/3 th. Rth. 33. 10 Sgr. 37. 10 Sgr.
Sonach würde derselbe noch 2-3 rth. von mir zu erhalten haben[.] /
[8R]
Diese darf ich wohl an den Lehrer Herrn Hiehle anweisen damit
derselbe diese Kleinigkeit auf unsere Rechnung abschläglich an
Herrn Lehmann bezahle, damit derselbe somit mit seiner
ganzen Forderung die er an mich hat befriedigt werde. In bei-
liegenden Zeilen will ich herrn [sc.: Herrn] Hiehle darum bitten, wollen Sie
nun die Güte haben und Herrn Lehmann, nach seiner an mich einge-
sandten Rechnung, bestimmen lassen, wie viel er außer den
umstehend berechneten Rth. 37 10 Sgr. noch von mir bekommt
ich werde Herrn Hiehle bitten diesen Betrag auf meine Rechnung für
mich zu berichtigen.
Dem guten lieben Lehmann sagen Sie viel Theilnehmendes
und Entschuldigendes von meiner Seite. Bei einer der näch-
sten Bestellungen werde ich die Zahlung vorher in Dresden
anweisen d.h. niederlegen, damit weder Herr Lehmann noch
ich wieder in solche Verlegenheit komme[n].- Ich hatte freilich auf
den Eingang dieser Summe in Dresden, noch von meinem Cursus
her gerechnet, welcher aber, obgleich versprochen nicht erfolgte,
so bin ich - vielleicht auch als Wirkung der Mai Vorfälle in die von
Ihnen erkannte Verlegenheit gekommen.-
Übrigens haben Sie recht: Durch meine neue Ansiedlung in
Liebenstein u. Marienthal - durch die neu begonnenen litera-
rischen Unternehmungen - durch einige andere fehlgeschlagene
pecuniäre Pläne und Erwartungen - durch die unvermeidlichen
Reisen zur endlichen Feststellung und Forderung des Ganzen nach
Außen hin - alles dieß hat die ökonomischen Forderungen und die
pecuniären Verpflichtungen von meiner Seite so vermehrt, daß
theilnehmende und eingehende Frauen - wie Frau v. Mahrenholz
in Berlin - Frau Johanna Ehlers in Hamburg - und Fr: Ottilie
Schmieder
in Dresden u.s.w. die Nothwendigkeit erkannt haben
ökonomisch und pecuniär förderlich für das Ganze, zur gewissen-
haften Ausführung desselben zu wirken. Sie kennen doch ganz
gewiß den Verein für Fr. Fr. ErziehungsBestrebungen. Nun
der in Berlin hat schon zu einigem Resultat geführt; und die eine Frucht
der Hamburger Bemühungen mein Unternehmen zu fördern, sind
die 5 Ld'or. welche ich daselbst an Herrn Lehmann anweisen kann.- /
[9]
Daß es Mangel an Geldmitteln war, warum ich Ihre wiederkehren-
den Forderungen von Spielmitteln nicht befriedigen konnte, ist ge-
gründet, allein man kann es auch Niemanden sagen wie es Einem
ergeht. So z.B. anstatt zwei bis drittehalb Hundert Thalern
welche ich jetzt erwartete und zu erwarten hatte - und wodurch
ich die Fabrikation meiner Spielmittel u.s.w. recht in Schwung
bringen wollte sind 32-33 rth. baar eingegangen, was läßt sich
damit machen?- Könnten Sie nun freilich mit dahin wirken
daß der Verein zur Förderung der hiesigen Bestrebungen nach
nach dessen Bestimmungen eine erfolgreiche Wirkung habe, so
würden Sie ganz wesentlich zur vollkommenen Ausführung der-
selben und somit auch zur schnellen und besten Fertigung wie
hinlänglichen Ablieferung von Spielmitteln mit beitragen.
Wie gesagt, kann und könnte Dresden wie auch Leipzig z.B. durch
Dr. Lohse, - Henriette Dahlenkamp - Frau Harkort - Fr De Liagre
u.a. mit dahin wirken, so würden sie sich in der Geschichte der
Begründung einer zeitgemäßen frühen Kindheitpflege und Erziehung
einen wesentlichen Platz sichern. So viel ist jedoch von mir
aus gewiß, ich werde alles Mögliche auffinden das Mate-
riale in hinlänglicher Menge und bester Güte herstellen und
auch Ihnen dann sogleich zu kommen zu lassen, denn von
allen Seiten ist die Forderung dazu. Für Ihre Mittheilungen
von der kleinen Rosa Nieritz danke ich und bitte um die
Fortsetzung von Ähnlichem.
Die Zahl meiner Schülerinnen ist jetzt 7 - aus Osterode -
Annaburg - Fulda - Rudolstadt - Gotha - und 2 aus Liebenstein
es ist ein schöner Kreis jedoch erwarte ich noch mehrere.
Luise Levin grüßt Sie herzlich[.] Sie hat alles sehr wohnlich
in unserm freundlichen Marienthal eingerichtet, sodaß
wir uns sehr heimisch fühlen. Ich wünschte gar sehr S die
treue Namensschwester der treuen Luise könnten auf
einige Zeit unsern Aufenthalt theilen, es würde zu Ihrem Wohle
seyn. Grüßen Sie alle Bekannte u. Theilnehmenden; na-
mentlich Frl. Marschner u. Ihren Bruder Schwägerin, u Thekla v. G. rc.
Von Fr[.] Bernh: Herold muß ich Ihnen doch sagen, daß diese mit /
ganz vorzüglichem Glück und Anerke[nnu]ng in Gotha wirkt,
sie hat jetzt 45-50 Kinder.
Frl. Luise Hertlein, die Wienerin, ist bei Frau Doris
Lütkens
an Allwinen Middendorffs Stelle - Emilie
Stieler
wirkt mit öffentlicher Anerkennung im 4en Beitschen
Kindergarten - Anna Hesse ist vorläufig Kindergärtne-
rin am 1en Hamburger BürgerKindergarten bis daselbst Ida
Seele
eintritt: dann wird sie am 2en Hamburger Bürger-
kindergarten als Kindergärtnerin angestellt werden.-
Emma Habicht wirkt mit außerordentlicher Anerkennung in Ru-
dolstadt, wo sie an die Stelle von Emilien Stieler eingetreten
ist; sie hat glaub ich auch gegen 50 Kinder. Christiane
Erdmann
ist bei Herrn Heinrich Hoffmann auf dem Griebel-
hof (einer Vorstadt von Hamburg) sie ist von vielen in Ham-
burg ein Liebling.- Amalie Krüger ist an dem Kindergarten
der Hochschule Karl Fröbels angestellt, sie hat glaub ich
16 Kinder.- Allwine Middendorff ist zu Haus.- Henriette
Breymann
ist zu Haus und ist, wie Sie wissen werden
mit Marius Bendsen verlobt, welcher jetzt in Jena
Medizin studirt.- Herr Krell hat eine Schullehrer
Stelle ob er aber noch ledig - verlobt - oder schon Mann [sc.: Ehemann]
ist weiß ich nicht.-
So dünkt mich hätte ich Ihnen nun von allen meinen Schü-
lern und Schülerinnen, welche wir gemeinsam kennen Nach-
richt gegeben. Theilen Sie davon an die Dresdner Freunde
mit, was dieselben interessirt. Doch von noch einer von
Rosalien Reinhard muß ich Ihnen sagen, daß dieselbe auch in
und mit ihrer Wirksamkeit in Rendsburg, an Luisen Levins
Stelle, sehr zufrieden ist.
Leben Sie recht wohl. Wenn die Rechnung mit Herrn Leh-
mann abgemacht ist, so bitte ich schreiben Sie mir es.-
Ihr aufrichtiger und dankender
         Freund FriedrichFröbel.

Auch die Frl. Mattfeld
wirkt mit einer kleinen
Schaar im Kindergarten
ihres Schwagers des Cand. Ernst[.]