Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an August Wilhelm Müller in Bad Liebenstein v. 13.10.1850 (Marienthal)


F. an August Wilhelm Müller in Bad Liebenstein v. 13.10.1850 (Marienthal)
(SBB, jetzt UB Kraków, Varnhagen-Sammlung, 62, Brieforiginal 1 B 8°1 S.+Adresse.)

Marienthal, Sonntags am 13 Okbr Morgens 7 Uhr.


Hochgeehrtester Herr und Freund

Es hat mir gar sehr leid gethan, daß ich gestern Abend
einer freundlichen Einladung nicht folgen konnte; es thut
mir im Augenblick dieß noch sehr leid und dieß um so mehr
als ich jetzt höre, wie so sehr gut, ja nöthig es gewesen wäre.
Doch zur Sache.
Es ist mir der Ihnen mehrseitig ausgesprochene Wunsch be-
kannt in der Gemeinde Liebenstein durch eine religiöse
Betrachtung, kurz und ohne Umschweif in einer Predigt die
erste frühe angemessene, ja geforderte Kindheitpflege so
wohl im Einzelnen, als in der Familie, als in der Gesammtheit
nahe zu bringen, um die Gemeinde zur Ausführung einer
dieß letztere bewirkenden Anstalt [zu veranlassen] ich die Stadt nennt solche Kindergärten
indem sie den in den Anstalten herrschen sollenden pflegenden
Geist ausgedrückt findet. Gegen diese ganze Anordnung
der Theilnahme läßt sich nichts sagen; im Gegentheil finde
ich es angemessen indem alles wahrhaft Gute in dem Reli-
giösen, am Ende in der Religion seinen Grund haben muß,
auch glaube ich darum, daß wohl der Gegenstand auf der
Canzel behandelt werden kann - als eine in der Zeit sich all-
gemein aussprechende christliche Forderung - nur glaube
ich, daß es dabei keiner Nennung irgend eines Namens
dessen bedarf welcher zufällig diesen Zeitgedanken zur allge-
meinen Besprechung brachte, also am allerwenigsten um
es unumwunden auszusprechen, den meinigen. Ich glaube
im Gegentheil, daß daß [sc.: das] der Sache, die mehrfach als gut
erkannt wird, in der Ausführung mehr Schaden Hemmnisse
als Vortheil und Gewinn bringen würde, um so mehr als
diese Ausführung in Liebenstein gewiß auch mit Gegnern
zu kämpfen hat. Ich bitte Sie, hochgeehrtester Herr und Freund
gar sehr dieß zu beachten, indem die Sache, als eine christliche
ja keines untergeordneten Namens bedarf um in seiner [sc.:ihrer] Wahr[-]
heit u Wichtigkeit zu erscheinen.     Sehr freue ich mich Sie heut zu sehen
Ihr Friedrich Fröbel /
[2R]
Sr Hochwürden
dem Herr Diaiconus Müller,
d.Z.
in
Liebenstein
d[urch] Güte] des
Freundes