Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Lisetta Kirchner in Oberndorf b.Nürnberg v. <20./22.>10.1850 (Marienthal)


F. an Lisetta Kirchner in Oberndorf b.Nürnberg v. <20./22.>10.1850 (Marienthal)
(BN 511, Bl 1-2, undat. Entwurf 1 B 4° 1 S. auf Anfrageschreiben L. Kirchners v.18.10.1850. Kirchners Brief auf 1-1R Mitte, 2 R F.s Adresse. F.s Entwurf auf 1RMitte-2V, auf 1V Notiz F.s: „Beantwortet und an Frl Bothmann in Schweinfurt zur gef. Besorgung gesandt.“ Auf 2V befindet sich der Entwurf der Anzeige für den Winterkurs 1850/51, auf 2R eine Teilnehmerliste mit 18 Namen v.Oktober 1850. F.s Antwort ist sicherlich rasch nach Briefeingang, also etwa in der Zeit vom 20./22.10. geschrieben worden.)

Auf Ihre vertrauende Zuschrift, welche mich um der Gründe willen welche
Sie zu Ihrem Entschlusse bestimmt mit Achtung für Sie erfüllt, erwiedere ich Ihnen erstl
daß der Anfang des Cursus den verschiedenen daran Theilnehmenden für die Mitte des Novbr angesetzt
ist da nun dieser aber an das Ende der einer Woche fällt, so ist es wohl mögl daß der eigentl
gesammt[e] Unterricht erst am Montag am 18 Novbr. beginnt und es wäre dann wohl gut daß
Sie dann, wenn Sie Ihrem Vorsatz dtreu bleiben auch hier wären; denn es bringt den
Theilnehmenden immer einen nicht ganz wieder aufzuholenden Nachtheil, wenn sie nicht gleich
beim Beginn des Unterrichts gegenwärtig sind. Es ist natürl daß derselbe immer
mit einer gewissen Sammlung, Wärme u besondern Berücksichtigung der Zuhörenden beginnt, welches
alles mehr zurücktritt, wenn das Dagewesene nur Erzählungsweise mitgetheilt wird[.]
Können Sie es also mögl. machen so thun Sie im Fall des Festhaltens Ihres Entschlusses über[-]
wi[e]gend am besten wenn Sie gleich mit den Übrigen eintreten, Sie werden da sogl mit der
vollen Kraft u Liebe das Ganze und in das Ganze aufgenommen, was einem späten <vorangeh[enden]>
Eintritt immer mangelt; jedoch muß man sich freilich fügen wo nicht zu beseitigende Hemmnisse sind; und
so ist auch dieß Ihrem Urtheil frey gelassen.
Da ich /
[2]
vor allem die Äußern Bedingungen damit Sie vielleicht darnach zuerst bestimmen ob im Fall daß davon das Festhalten Ihres Entschlusses abhängen sollte
Sie Ihren Entschluß festhalten wollen.
1. Wie bekannt macht beträgt das Gesammte Bildungsgeld jährlfür das gze Jahr 220 Rth prC.
für Wohn Unterkunft , Wohnung, Kost, Licht, Heizung, Unterricht und für das Waschen
der gewöhnl einfachen Leib- Hand- u Bettwäsche auf das G[anz]e Jahr 220 [Rth]prCt in viertelj Vorausbezahlung
die Putz[-] u Kleiderwäsche jedoch ungerechnet
wird es dagegen vorgezogen auch die Persönl[ich]e Leib[-] Hand[-] u Bettwäsche selbst
zu besorgen so werden dafür 10 Rth für das Jahr zurück gerechnet u <->
2) Außerdem bringt jede wird entweder von den Theilnehmenden ein Bett nebst 2 bis 3malige Bettbezüge mitgebracht oder dafür vierteljährl eine billige Vergütung berechnet. (Die Bettstelle liefert die Anstalt.) Dann noch 3-6 Stück Tellertücher nebst einem Tischbesteck
3) Schreib[-] u Zeichenmat[eria]l u andere nöthige Bildungsmittel werden natürl besonders berechnet.

Anzeige
Mit dem 18‘ künftigen Monats November beginnt abermals neu
der sechsmonatl <bis> einjähriger Cursus zur Ausbildung für Erzieherinnen u Kinder-
gärtnerinnen in der Unterzeichneten Anstalt, welche dagegen
die nach dem Antheil und <wer wünscht> auf portofr[eie] Anfrage gerne das Weitere mittheilt
Bildungsanstalt für allseitige Lebenseinigung zu
Marienthal ohnweit Bad Liebenstein im Meiningschen.
[2R]
[Liste]
Monat Oktober 1850.
Frl Lisette Kirchner aus Oberndorf
Rector Lommer in Salzungen
HE. Schel[l]horn Meiningen
Frl. Schel[l]horn Meiningen
Oberamtmann Bercht Annaburg
Frl Emilie (Anna) Bercht Annaburg
Frau von Mahrenholz
HE Zürn Rudolstadt
Frl Muther Coburg
Frau Seidel Mihla
Herzogin Ida
Hermine Diesterweg
Frau <Funger> geb. Hogner Gera
Maler Strauch in Dresden
Robert Schaal
Frl. Sattler Schweinfurt
Fr: Saftmann
Auguste Scheibe