Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Johannes Stangenberger in Schalkau v. 29.10.1850 (Marienthal)


F. an Johannes Stangenberger in Schalkau v. 29.10.1850 (Marienthal)
(BN Anh. 43, Bl LC 117 - LC 137, Abschrift 10 B + 1 Bl 8° 41 S., Handschrift unbekannt. Der Abschreiber gibt als Vorlage das Original im Besitz eines Redakteurs Richard Lorenz, Coburg, an und merkt an, daß das Original eine "Wohl später angebrachte Numerierung: 18" trägt, eventuell gemeint: 18. Brief .- Aus einer Abschreibernotiz auf Bl LC 136b geht hervor, daß das Original 12 Seiten hat.)
(Verhältnis Originalzeile : Transkriptionszeile nicht 1 : 1)

Marienthal ohnweit Bad Liebenstein am 29 Oktbr 1850


Lieber Herr Stangenberger.

Zuförderst meinen Dank für Ihre baldige freundliche Beantwortung meiner Zeilen und für das viele Liebe was dieselbe enthält.- Was nun zunächst das Bild betrifft, so geht es mit den Bildern wie mit den Menschen: sie schauen uns gewöhnlich mit der Stimmung wieder an mit welcher wir sie ansehen; mein längeres Schweigen, welches Ihnen vielleicht als ein finsteres Zurückgezogenseyn in mir erschienen ist mag wohl dem Bilde bei Ihnen den gleichen Ausdruck gegeben haben, denn ich erinnere mich nicht dass ich, bei dem freilich öfteren Sitzen beim <Malen> eben /
[LC 117b]
in einer finsteren Stimmung, wohl mag es aber seyn in einer sehr in sich zurückgezogenen gewesen. Dass nun Ihr liebes Schwesterchen sich dennoch nicht gefürchtet hat das freundliche Grün der Hoffnung und besonders des Pflänzchens der Ausdauer um dasselbe zu ziehen, dafür soll sie auch den schönsten Dank und das kleine beiliegende Bildchen haben, in der Erwartung, dass es ihr auch wie Ihnen ein Wenig lieb sey.
Ihnen muss man aber noch besonders danken wie Sie den "herrlichen Goldrahmen" mit dem "Gewinde von Immergrün" in eine so dichterische Verbindung bringen.- Sie erwähnen des schönen Männerkranzes welcher Sie /
[LC 118]
umgiebt, und gedenken dabei dankbar unseres "Kell" - auch ich thue es zum Öftern; Aber vergessen wir dabei auch nicht, dass er sich eigentlich in sich selbst aufgerieben hat: "zum Laufen hilft nicht Schnellseyn"! und von der "That" - auch weiblich - gilt was Schiller von der Wirksamkeit der Frau sagt: - "Was die stille nicht wirkt, das wirkt die rauschende nie!" Lassen Sie uns theurer St. ja im und fürs Leben festhalten; Ruhe ist keine Unthätigkeit das beweist jede Nacht, wenn auch der Mensch äusserlich schläft; das beweist uns bald der Winter; ja je kräftiger, kälter dieser ist, desto besser geräth der Wein /
[LV 118b]
und das Obst rc.
Für die freundliche Erinnerung in Ihrem lieben Schalkau froh verlebter Tage, welche mir Ihr warmes Wort gebracht bin ich Ihnen und der gesammten achtbaren Gesellschaft gar sehr dankbar, denn es stärkt u. giebt Muth, wenn man in der Einsamkeit nach seinem besten Pflichtgefühl für das Wohl seiner lieben Mitmenschen und deren Geliebten, ihren Kindern arbeitet und sich dabei sagen kann: dass man in diesem Augenblicke in deren freundlichen Andenken fortlebt; darum nochmals all den lieben Schalkauern, die sich meiner gütig erinnern (Herrn Trockenbrod, Amtsverwalter Kost rc) meinen /
[LC 119]
schönsten Dank.
Auch Ihnen noch besonders meinen Dank, dass Sie sogleich die Gelegenheit ergriffen den Kindergarten, und so dem jungen Nachwuchs einer achtbaren Bürgerschaft und so durch die Kindereintracht, der Volkseintracht d.h. der deutschen Einigung das Wort zu reden; doch warum Ihnen meinen geringen und schwachen Dank sagen, die Sache dank[t] besser - grösser bleibender. Aber ein Wort muss ich mir noch erlauben welches s Sie gelegentlich benutzen können. Bei Gelegenheit Ihrer Vertretung der Kindergärten sagen Sie: - "die Nothwendigkeit und den Nutzen einer solchen Anstalt, konnte Jeder ermessen; /
[LC 119b]
aber woher Geld nehmen, das war der Anstoss!" Da gestatten Sie mir nun Ihnen zu erzählen was ich den Hamburgern sagte: Vor beinahe 10 Jahren, kurz, vor dem Brande in Hamburg erhoben sich schon dort Stimmen für Kindergärten; aber Hamburg hatte kein Geld dazu. Da kam der Brand; er wäre nicht so gekommen wenn man, wenn die rohe Masse statt ihre Begierde in Brandwein rc zu löschen und sich so der Besonnenheit zu berauben das Feuer mit Wasser gelöscht hätte. Nun mussten die Hamburger Geld zum Aufbau haben, und was sie nicht hatten und nicht bekamen mussten sie borgen, und ich will nicht sagen wie /
[LV 120]
viel Hunderttausende sie noch schuldig sind; - und nun hatten sie denn noch weniger Geld zu Kindergärten und vernünftige Kinderpfleganstalten auszuführen: ob es gleich nach altem deutschen Sprichwort heisst: jung gewohnt alt gethan, - und was ein Häckchen werden soll krümme bei Zeiten, und wie all die alten Kernsprüchen [sc.: Kernsprüche] aus der guten alten Zeit über frühe vernünftige Kindererziehung heissen z.B. "was kann man Kindern als ein besseres Erbe mitgeben oder hinterlassen als eine gute Erziehung." Da wollten die Preussen durch Hamburg hindurch ziehen, aber Unbesonnenheit oder was <sonst neckte> sie. Selbstsucht Eigensucht stellte /
[LC 120b]
vielleicht ein Vergrösserungsglas davor und man sah bösen Willen und weiss ich was noch und den Preussen gefiel es in Hamburg und sie sind heut noch dort. Und die Hamburger müssen Geld haben die Zinsen und Rückstände vom Brande her zu bezahlen und Geld das fremde Militär zu bezahlen. Da kam ein Ma alter einfacher, aber erfahrener Mann und sagte zu ganz schlichten, einfachen aber auch erfahrenen Männern: - "nacht [sc.: macht] dass eure Kinder - eure Jugend - selbst das schon herangewachsene Alter seine Begierden und Leidenschaften zähme, macht dass sie frühe anfangen besonnen zu werden, sonst wird Eure Stadt aufhören /
[LC 121]
ein freie Stadt zu seyn, ihr werdet aufhören freie Bürger zu seyn, allein Eure Spaarkästen werden auch immer freier von Pfennigen (oder die Hamburger sagen Schillingen) der Noth werden; das alles dünkte nun auch den erfahrenen schlichten Bürgern Hamburgs wahr und sie meinten sie wollten lieber alle Woche einen Schilling in den Verstandeskasten ihrer Kinder als in den unsichern Goldkasten legen, und statt denselben in die dunkle aber unsichere Kammer der Aufbewahrung jenen lieber in die helle sichere Kammer des Herzens stellen. Genug sie veranstalten wöchentliche Schillings (ohn- /
[LC 121b]
gefähr 3 Kreuzer-) Sammlung[en] und wer keine Kinder oder schon erwachsene hatte der zahlte auch wohl drei zweimal einen Schilling, ja manche dreimal einen Schilling und siehe da, weil sich überdiess viele der achtbarsten Bürger erboten Sammel-, d.h. Unterzeichnungsbögen bei ihren Bekannten zu verbreiten auch für Einzahlung der unterzeichneten Schillinge (= 3 Xr.) Sorge zu tragen, so kam, man sollte es nicht glauben so viel durch einzelne freilich oft auch multiplizierte Schillinge - d.h. durch die Schillingssammlung so viel zusammen dass mit Frühlings Anfang auch der erste Bürgerkinder- /
[LC 122]
garten eröffnet werden konnte. Der Bildungsverein gab in den betreffenden Stunden, wo er denselben nicht benutzte seinen geräumigen Saal für das erste Halbjahr unentgeldlich zur Benutzung genug der erste Bürgerkindergarten in Hamburg bestand neben fünf Kindergärten welche Privatunternehmungen waren. Vater Diesterweg hatte durch ein paar zur rechten Zeit in einem öffentlichen Blatte gesprochene Worte - (Ich lege solche für meine lieben Schalkauer hier bei) - auch die Sache in Hamburg wesentlich mit gefördert. Was der alte Mann bei Eröffnung dieses ersten deutschen Bürger- /
[LC 122b]
kindergarten sprach ist in Friedr: Frbls Wochenschrift No [* Lücke *] [sc.: 12] zu lesen. Vielleicht finden Sie es gerathen es gelegentlich einmal Ihren lieben Gesellschaftsgenossen vorzulesen. Möchte sich das darin ausgesprochene Wort (irre ich nicht) dass Hamburgs Bürgerkindergarten in dem übrigen lieben Deutschland noch mehr Bürg[er]kindergarten hervorrufen mögen zuerst in dem wackern Schalkau bestätigen.-
Genug der erste deutsche Bürgerkindergarten stand mit 60 Kindern da (denn auch eine Unterkindergärtnerin konnte angestellt werden)[.] Aber noch viele Eltern hatten ihre Kinder gemeldet welche aber nicht /
[LC 123]
mehr in diesem Kindergarten aufgenommen werden konnten.
Da traten noch mehr Schillingsgeber und Schillings(geber)sammler hinzu - (Von keiner Behörde wurde das Geringste gezahlt, nichts aus Wohlthätigkeits Cassen oder Stiftungen genommen und mit Sommers Anfang konnte der 2e Bürgerkindergarten in Hamburg eröffnet werden, wieder mit 60 Kindern, denn der erste hatte sich bewährt.- Und - was schreibt man mir jetzt mit Herbstes Anfang ist der 3[.] Bürgerkindergarten in Hamburg gegründet, hier die Antwort: "Woher Geld nehmen?["] - Der Deutsche giebt nicht gern für eine gute Sache eher Geld /
[LC 123b]
her, bis es ihm zuerst mit Zwang dafür abgedrungen wird d.h. bis ihm in der angeregten Sache das Messer an der Kehle steht, dann aber hat er Geld und mehr Geld als es bedarf, wie die Thatsache in Hamburg zeigt: Jetzt haben Sie [sc.: sie] nicht nur Geld ihre Zinsen und Schulden zu bezahlen - sie müssen auch Geld haben die Preussen zu haben - und haben nun dennoch auch Geld noch 3 Bürgerkindergärten, ja ich hoffe in einigen Jahren auch noch den 6en Bürgerkindergarten zu sehen. Ja sie haben selbst noch Geld Schleswig-Holstein zu unterstützen.- Soll uns denn aber immer nur die Noth zum Thun des Rechten und Guten, /
[LV 124]
selbst erst zum Thun des Nützlichen zwingen.- Das ist unser deutscher Krebsschaden - (ich will kein stärkeres Wort gebrauchen, obgleich ich es rechtfertigen könnte -) dass wir selbst zu unserm Besten gezwungen werden immer nur durch Schaden aber nie durch Nachdenken und Vernunft, ja nicht einmal durch Verstand klug werden. Dass es keines Hamburgs bedarf um Geld zu haben, wenn man sich nur sagt man muss es haben, das sagen mir zwei Städte meines Gesichtskreises, die erste die ich nicht erwa nennen mag denn ich liebe Persönlichkeiten nicht, hat auch auf die, seit länger als einem /
[LC 124b]
Jahre an sie ergangene Aufforderung zur Errichtung eines Kindergarten, immer die Antwort des Geldmangels - und jetzt wo die Noth Holsteins fast zwingt, sind in der Kürze zweimal namhafte Summen von dort dahin abgegangen. Ich freue mich dessen und wünschte die Summen wäre es möglich auch für diesen Zweck noch verdoppelt; doch meine ich ist dadurch das Hemmniss des Geldmangels beseit[i]gt, denn wahrlich die geistigen Forderungen früher entsprechender Kindererziehung sind nicht nur nicht geringer als jene, sondern deren Erfüllung können sogar neben einander bestehen. /
[LC 125]
Und, dass es keinesweges eines Hamburgs bedarf um den oben angeregten Gedanken auszuführen, davon giebt die das doch eben auch nicht so bedeutende Stadt Schmalkalden einen schlagenden Beweis, welche am 1en dieses Monats blos einfach durch die Unterzeichnung zuerst 60 namhafter Bürger einen Vereinskindergarten ausgeführt hat, wovon 30 Kinder Vormitmittags [sc.: Vormittags] und 30 Kinder Nachmittags kommen. Sie haben durch das Ganze gesichert 1) den Unterhalt der Kindergärtnerin 2) deren Baar[-] und Jahrgehalt 3) eine schöne 2 Stubige Wohnung für den Kindergarten, nebst einen [sc.: einem] schönen freien Raum zum Spielen im /
[LC 125b]
freien und zu belehrender rc Garten beschäftigung. Man hat Ihnen lieber Stangenberger in Wernshausen von deren Eröffnung erzählt. Das war ein schönes Fest. Sie hätten sollen dabei seyn, Ihr Herz und Sinn würde sich gefreut haben. Und jetzt, jetzt arbeitet man schon alles Ernstes daran mit Beginn des neuen Jahres dort auch einen allgemeinen Bürgerkindergarten auszuführen. Die sogenannten blinden Hessen gehen uns mit sehenden Augen voraus, und wahrlich die warmen Franken sollen mit ihren klaren Augen nicht zurück bleiben.
Und wie ist das in Schmalkalden gekommen? - hören Sie Sie sind dabei interessirt: /
[LC 126]
- die Schmalkaldner Schullehrer halten mit den Landschullehrern eine Kreissynöde [sc.: Kreissynode] in Herges Anwaldenburg (Sie kennen den schön gelegenen Ort vor dem Drusenthal und auch den schön gelegenen Gasthof in welchem Sie sich gewiss auf Ihrer jüngsten Reise erfrischt haben)[.] Von dem Ausschuss derselben erhoffe ich nun eine freundliche Einladung zur Theilnahme. Sie wissen ich liebe und pflege solche Vereine und so gieng ich hin. Natürlich, wo mein Körper ist muss auch mein Kopf und mein Herz seyn. Den Körper hatte man gut bedacht [* Lücke *] nun meinte man könne auch der Köpf [sc.: Kopf] /
[LC 126b]
sich lösen und von den Kindergärten, Spielen rc, rc, was zum Besten geben; diess that er, denn da lässt er sich nicht eben lang bitten und spielt nicht den spröden. Aber bei mir sind nun aber Herz und Kopf Rumpfgenossen, und so sprach denn das Herz auch mit und besonders zu den Schmalkaldner Lehrern, und denen gieng es denn, wie mich der Augenschein lehrte, auch zu Kopf und Herzen und was ich sprach nahm Wohnung in dem wohl besorgten Körper und so schied ich und schieden wir froh - doch ich - ohne Erwartung eines Erfolgs, aber ich hatte mich geteuscht bei dem Herrn Cantor Straube war in einem /
[LC 127]
stattlich gesunden Körper ein kleines Saamenkörnchen in ein gesundes warmes Herz und in einen verständigen klaren Kopf mit vernünftiger Lebensansicht gefallen und nach, ich glaube zwei, genug einigen Monaten, während welchen mir wenige Zeit geblieben war weiter des frohen Tages unter den wackern und strebenden Lehrern zu gedenken, < ? > bekomme ich unerwartet von dem an Körper und Willen gleich kräftigen Straube einen Brief, worin er mir schreibt, das in Herges Gesprochene habe wie ein Magnet in Schmalkalden gewirkt, z alles sey zur Ausführung eines Kindergartens in Bereitung nur das Wie? - /
[LC 127b]
der Kostenanschlag und eine Kindergärtnerin fehle - Wenn ich dieses Dreifache sendete sollte sogleich der Kindergarten ins Leben treten. Siehe da, alles ordnete sich und am 1en dieses Monats war, wie ich Ihnen berichtete Nachmittags die Eröffnung des Kindergartens, und - wie Ihnen ein gesprächicher [sc.: gesprächiger] Mund in Wernshausen erzählt sass[en] wir bis lange nach Mitternacht beim frohen Mahle wo ein dankender Toast des Cantor Straube's thätigen Eifer rühmte, welcher [sich] still vergnügt seines gelungenen Werkes freute.
Doch bei dem Worte Cantor gleich noch eine schöne Geschichte, wobei Sie wieder /
[LC 128]
betheiligt sind, denn Cantor u Organist sind ja wie die beiden Chinesen, welche sich vor einigen Jahren sehen liessen, Zwillingsbrüder, ich meine was einer that musste auch der andere thun. Hören Sie. Vor zwei Jahren war, wie Sie wissen der Lehrer- und Erziehertag in Eisenach auch ich war wieder wie mit gesundem Leibe so mit ganzer Seele dort, ich mag darum auch so wie in Herges gesprochen, aber wie konnte ich wissen wer alles diess gehört hatte, da schreibt mir nun diesen Sommer wieder ein Cantor - Cantor Dietrich aus Göttingen - Er habe in Eisenach gehört was ich gesprochen, er habe es aber als Zuhörender nicht vergessen /
[LC 128b]
was ich gesagt, wie er fürchten müssen dass ich ihn als Zuhörer vergessen habe, sondern er habe dessen viel gedacht und jetzt wäre auch A alles, sey es auch nur zu einen einem kleinen Anfang für einen Kindergarten bereit, aber die Kindergärtnerin fehle u.s.w. Aber es wurde auch hierzu Rath und eben schreibt er mir den 5en Novbr. solle der K.G. eröffnet werden, die Kinderdergärtnerin [sc.: Kindergärtnerin] s möge den Sonntag vorher eintreffen u.s.w. Sie sehen hier was ein Cantor vermag der höchsten[s] 5-6 Fss [sc.: Fuss] hoch ist und nur ein Register ziehen, was sagen s Sie nun dass sein Zwillingsbruder der Organist wird leisten können welcher über sein /
[LC 129]
Organon von 16. bis 32 Registern mit unter von 5 mal 6 Fuss (wie alles in meinem Geburtsorte) gebieten kann. Sagen Sie! was werde ich nun einmal von dem Herrn Organist Stangenberger in Beziehung auf Schalkau - Eisfeld und Sonneberg zu berichten haben.
Ja sehen Sie lieber Stangenberger wir müssen machen, dass wir das ganze Meininger Land zu einem Erziehungslande machen, zu einem grossen Erziehungsgarten mit vielen blühenden Kindergärten. Schon ist bestimmt dass Liebenstein vielleicht schon im Laufe des Winters seinen Kindergarten haben soll. Eine Verloosung hat uns 77 Reichsthaler 10 Sgr ge- /
[LC 129b]
bracht; die Hoheit Fr Herzogin Ida zu Sachsen Weimar hat 50 Reichsthaler dazu niedergelegt. <er> Die reg: Fr. Herzogin, wie sie ich glaube 30 Gewinne zur Verloosung gegeben hat wird auch noch ein nahmhaftes spenden; ebenso auch was sonst Materielles betrifft [wird] der Herzog sich thätig beweisen. Nächstes Jahr wollen wir wieder eine Verlosung aber vielleicht eine mehrmalen grössere in BadLiebenstein veranstalten so hoffe ich wollen wir BadLiebenstein in Verbindung mit Marienthal mit einem deutschen Musterkindergarten schmücken. Auch Salzungen regt sich. Koch und Meurer haben amtlich vom Stadtrath /
[LC 130]
den Auftrag eine Denkschrift mit Plan wegen Errichtung eines Kindergartens in Salzungen bei demselben einzureichen. Wie in Salzungen die beiden genannten Lehrer, so ist in Steinbach bei BadLiebenstein ein Lehrer Motschmann sehr thätig. Weigands Bestrebungen in Nordschütz bei Camburg können Sie auch sehen Sie so denke ich soll das Meininger Land ein Meien- [sc.: Maien-] d.i. Frühlingsland für deutsche Volkserziehung werden; dann künftiges Jahr einen Erzieher- und Lehrertag nächst Liebenstein vielleicht in Schmalkalden. Vom Meini[n]ger geht es ins Coburger, von da ins Goth[a]sche und Weimarsche Land, vielleicht /
[LC 130b]
haben bis dahin die Schwarzburger Lehrer auch ausgeschlafen - im Preussischen regt es sich in Gera auch schon u.s.w[.] u.s.w. so bekommen wir in unsern [sc.: unserm] Mitteldeutschland zu beiden Seiten und Enden unseres schönen Thüringer- d.h. Hochwaldes ein hervorleuchtendes deutsches Erziehungsland; vergessen Sie nur als praktischer Schulmeister nicht 2 mal 1 ist zwei Zwei! schauen Sie nur wie viel, den[n] 2 mal 2 ist ja 4; und 2 mal 4 ist schon 8; und 2 mal 8 ist schon 16; und 2 mal 16 ist 32, und 2 mal 32 ist 64 - ei wie das nun steigt. Nur erst Eins und wieder Eins, dann kommt auf 2 mal 2 und so w. u.s.w. Für Liebenstein wird auch /
[LC 131]
eine Meiningerin (was mich sehr freut) ausgebildet werden; die älteste 22 Jahre zählende Tochter des Herrn Hofmaler Schellhorn. Künftiges Frühjahr wird die jetzt 16 jährige Tochter des Herrn Rector Lemmer in Salzungen als Schülerin für Kindergärtnerei eintreten. Dass in diesem verflossenen Sommerhalbjahr eine der mittleren Töchter des Director Diesterweg meine Schülerin war wie schon im vorigen Jahre, das wissen Sie wohl schon. Auch die Pflegetochter des bekannten Volksdichters Ludwig Storch in Gotha, war und ist noch jetzt meine Schülerinn[.] Sie sehen die Töchter aus den gebildetsten /
[LC 131b]
Ständen widmen sich jetzt der Kindergärtnerei aber auch gesunde kraftvolle nach einer würdevollen Wirksamkeit strebende Landmachen [sc.: Landmädchen]. Von beider Art werden Schülerinnen auch meines nächsten Winterbildungscursus seyn.
So nimmt neuerdings auch Nürnberg sehr regen Antheil an meinen Bestrebungen. Ein Kindergarten, welchen eine meiner Schülerinnen vom Sommercursus vorigen Jahres leiten wird, wird gestern in Nürnberg eröffnet worden seyn, und zu nachkommenden Wintercursus sind mir zwei Schülerinnen - beide schon Lehrerinnen aus Nürnberg angekündigt. Also Meiningen, Coburg Franken Baiern (Nürnberg) welch ein herrlicher /
[LC 132]
deutscher Erziehungsgarten.
Wenn Ihre Herrn Collegen noch schlafen wollen sagen Sie gute Nacht - aber nun wenden Sie sich an die Väter die Mütter, die Ortsvorsteher, zeigen diesen was Noth thut; dann werden Ihre Herrn Collegen, wenn sie sehen dass man ihre Wirksamkeit, ihre erziehende, nicht blos lehrende, anerkennt auch wieder mit frischer Kraft zu neuen [sc.: neuem] Thun erwachen.
- Werden Sie nun wohl noch fragen warum ich wegen des angeregten Gegenstandes gar kein Ende finden konnte? Um Ihnen vielen Stoff zur Durchführung Ihrer mir mitgetheilten schönen Pläne zu geben. /
[LC 132b]
Ja Concerte, dabei lässt sich etwas thun, und durch die Kinder durch Darlegung der in den Kindern schlummernden Kräfte, das erwärmt die alten Eltern Herzen, dann geschmiedet wenn das Eisen warm ist - gleich eine Unterzeichnung zu einem Kindergarten bei der Hand. Ich werde ein paar gedruckte Worte beilegen; diese lassen Sie wieder von Ihrer l. Schwester, sey es auch mit grünen Fichtenzweigen beg bekränzen damit der Sinn der Worte gleich sichtbar sey. Weil ich schon so viel von Kindergärten berichtete, will ich doch auch noch hinzufügen 1) Im Mei [sc.: Mai] wurde ein Kindergarten in Cassel errichtet. Kindergärtnerin aus Hamburg /
[LC 133]
2) im Juni abermals ein Kindergarten in Breslau; Kindergärtnerin aus Hamburg. 3) im Septbr ein Kindergarten in Merseburg. Kindergärtnerin aus Leipzig. Diese müssen nun für diess Jahr zu den oben erwähnten gezählt werden.
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Ihr liturgisches Unternehmen hat meinen Beifall nur gehen Sie nicht zu schnell, damit Sie nicht in einigen Jahren schon vieles zurückzunehmen genöthigt sind. Denn hier geht ein grosser reinigender Geist durch die Zeit.
Haben Sie auch in den jüngsten Nummern des Frankfurter J[o]urnales nemlich in den Anzeigen ich glaube von [sc.: vom] 20 bis 27 Octbr von dem Verein zu[r] Hebung /
[LC 133b]
des Kirchengesanges gelesen?- Nun Sie müssen die Blätter durchsuchen, der Name des Aufrufenden ist mir entfallen, der Ort war Darmstadt.
Sie sehen dass man immermehr von Aussen nach Innen strebt um dann das rein und gediegen Menschliche wieder als gesundes Gewächs aus dem Innern hervorwachsen zu machen.
Nur ruhiges Erfassen und Klären der Gemüthswelt.-
Ihr Zusammenwirken mit Jacob hat meinen ganz besondern Beifall, so wie ihr Plan in geschlossenen Reihen zu wirken[.] Der Geist der Kindergärten - d.h. der Geist der entwickelnd-erziehenden Menschenbildung - d.i. der Geist unserer Volks[-] /
[LC 134]
und Nationalerziehung - d.i. der Geist der Erziehung welche die jetzige Zeitstufe der Menschenbildung fordert - d.h[.] der Geist der Menschheitserziehung zu allseitiger Lebenseinigung d.i[.] zu Selbst- Natur- Gott- und Menschheitseinigung, dieser einigende Geist muss auch die Geister d.i[.] die strebenden Menscheneinigung Menschen einigen. Geistes Einigung ist die wir bedürfen dann folgt auch Lebens- und Thateinigung. So wünschte ich Sie würden mit Wichard Lange, dem Redacteur meiner Wochenschrift bekannt. Ich mache Sie auf die Mittheilung seiner erziehlichen Vorträge namentlich auf Nr II aufmerksam. Dann wünschte ich noch, dass Sie einen /
[LC 134b]
gewissen Lehrer Pösche in Nordhausen kennen lernten; er schreibt jetzt eine Preisschrift wie der Volksunterricht zu beleben besonders dem Herzen und Gemüth nahe zu bringen sey. Er war zu diesem Zweck einige Wochen diesen Sommer bei mir. Die K.G. werden in dieser Schrift ein wesentlicher Gegenstand der Betrachtung werden, es ist ein junger lebensfrischer Mann in Ihrem Alter. Weiter wünschte ich, dass Sie einen Carl Rohrbach in Berlin kennten wenigstens bald kennen lernten, Sie werden mehrere Aufsätze von ihm in meiner Wochenschrift finden es ist ein jugendlich feuriger Mann. So werden Sie /
[LC 135]
ich glaube in Nr. 20 & 21 einen Aufsatz von einem gewissen Theodor Hielscher ebenfalls in Berlin finden der Ihnen hoffe ich auch zusagen wird. Nun Diesterweg ist ein gewaltiger Vorkämpfer. Sie haben doch auf sein Jahrbuch unterzeichnet? - Er wird darinn Wanderer [sc.: Wander] und Fr Fröbel einander gegen überstellen. Nun Sie kennen seine desfallsige Anzeige können S solche auch in der Wochenschrift lesen. Sie sehen es schaaren sich schon m Manche zusammen; werden wir nun kommendes Jahr tagen, so werden Sie sich hoffentlich alle persönlich kennen, sich lieben und achten lernen. /
[LC 135b]
Middendorff war bis zum 18.8br 5 Wochen bei mir. Die Wochenschrift erhalten Sie hier so weit solche heraus ist. Suchen Sie selbige doch für die Eisfelder Conferenzen anzuschaffen. Ich werde dafür sorgen, dass Sie die Fortsetzung erhalten. Sie ist eigentlich durch jedes Postamt und jede Buchhandlung zu erhalten.
Spielliedchen sollen Sie auch erhalten, nur habe ich heut nicht Zeit solche zu sammen zu suchen.
Jacob[s] "spielende Jugend["] kenne ich nicht senden Sie es mir.
Auch will ich ihm Titel von Spielbüchern senden nur heut nicht; ich kenne aber selbst /
[LC 136]
wenige da ich wenig frende [sc.: fremde] Spiele benutzen kann sondern ich sie aus meinen Spielkreisen hervorwachsen lassen muss.
Demnächstens werden die Spiele meines Altensteiner Spielfestes mit Andeutung ihres Geistes gedruckt, diese will ich dann Jacob senden; auch in meiner Wochenschrift stehen, wie s Sie finden werden mehre[re], welche meine Kinder sämtlich spielen. Machen Sie ihm [sc.: ihn] doch auf die Wochenschrift aufmerksam; er kann solche über Leipzig durch den Buchhandel - (Unser Commissionair ist Gothard & Russland) - oder durch die Post beziehen.
Nun ich freue mich auf die mir von Ihnen versprochene /
[LC 136b]
Sendung von Drucksachen.
Was macht den[n] Krell in Mengersgereuth?-
Grüssen Sie mir nochmals all die lieben Schalkauer und wenn einer oder eine von ihnen in das Meini[n]ger Unterland käme so sollen sie mich doch besuchen. Jeder der mir einen Gruss von Schalkau bringt, wird mir stets willkommen seyn.
Sollte es Einem oder dem Andern von den Fünfen, welche mein Bild besitzen Freude machen auch ein Bildchen von dem Hause zu haben worin ich wohne, so lege ich für Sie zum Vertheilen hier 5 Exemplare bei. Mit aufrichtiger Liebe         I. Frd. Fr. Fr. /
[LC 137]
Finden Sie in diesem Briefe Etwas von dem Sie glauben, dass es Jacob lieb sey, lassen Sie es ihm doch abschreiben.