Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Ludwig Storch in Gotha v. 2.11.1850 (Marienthal)


F. an Ludwig Storch in Gotha v. 2.11.1850 (Marienthal)
(BlM XX,1, Bl 18-19, Brieforiginal/Fragment 1 B 8° 2 S. „Emmi“ ist Emmi Wolfgang, Pflegetochter von Frau Dr. Storch, bei F. ausgebildet und dann 1851 Leiterin des Kindergartens in Nordhausen, s. F. an Diesterweg v.9./10.1.51, 98V)

Marienthal ohnweit Bad Liebenstein b. Eisenach 2/XI 1850.


Mein lieber, geschätzter Freund.

Gern hätte ich Ihre werthe Zuschrift vom 24. d. v. M. bei
Abgang unserer Emmi und sogleich durch dieselbe beant-
wortet, allein es war mir in diesen Tagen und besonders am
letzten vor deren Abgang des Geschreibsel[s] ein wenig zu viel.
Drei Zeugnisse, 4 bis 6 zum Theil ausführliche Briefe, dann
noch eine Menge persönliche Besprechungen. Nein, da ging es
nicht mehr, und die Post bietet ja noch immer ihre, freilich im Win-
ter nicht allzu schnelle Vermittelung. Emmi ist bei Empfang
dieses Briefes nun schon einige Tage wieder bei Ihnen. Möge
ihre genommene Entwickelung Ihnen Freude machen und Ihnen
so die Sorge und Opfer welche deren Ausbildung Ihnen beider[-]
seits kostet in etwas vergüten.
Doch Ihre Fürsorge für dieselbe rastet nicht und Ihr jüngster
Brief spricht mit dieselbe und zugleich mit Sorge aus. Diese
Sorge vermehrt sich Ihnen indem Sie auf Ihr eigenes Geschick
und die Erfolglosigkeit Ihrer Bemühungen in den letzteren
Wochen und Monaten blicken. Erlaube[n] Sie, daß wir gemein-
sam Ihren Brief nochmals durchgehen: Petermann ist <abgen>
wer kann und wird mit Jemand der in solchen Orts- und Berufs-
Verhältnissen steht in Concurrenz treten. Balthser; [sc.: Baltzer] die Men-
schen stecken bis über die Ohren in Geschäften Pösche schreibt mir
noch besonders von Balthser sogar in den Acten; wo wäre
da ein Räumchen sich der Kinder und dieser als jetzt des Lebens[-]
wichtigen zu erinnern. Was man will das geschähe, das
muß man unmittelbar selbst thun, bewirken; die sich darbie[-]
tenden Umstände benutzen.- "Kindergarten Kinderpossen ["] rc
rc. rc. Mein theurer Freund, lassen Sie sich jetzt diese Rede immer
ausbreiten wie der Schnee oben in Norwegen, unter welchem
üppig das Gras grünt und wächst. Möchte doch noch recht lang
so die Diplomatie denken, damit Kinderglück, Familienwohl
sich immermehr still, recht still begründe u. das thut es, nur[.] /
[18R]
Was Meyer in Hildburghausen sagt ist gewiß, was
er von den Schullehrern spricht ist wahr; aber es ist gut
daß es so ist, sonst würde man denken, man brauche der
Kindergärten nicht; doch jetzt schon beginnt das Schul-
meisterreich auch in sich selbst darüber uneinig [zu] werden
und das ist gut. All dieses Haders, Schimpfen und Lustig[-]
machens ungeachtet entwickeln sich an pflegender Frauen[-]
hand besonders und unter sichtbar schneeig-ruhiger
Decke die Kindergärten fort, denken Sie sich am östlichen
Ende wo Deutschland ans E eisige Rußland grenzt im fernen
Elbingen schaaren sich die Frauen zusammen um demnächstens
einen Kindergarten auszuführen, und sogar in Wien suchen die
Kindergärten unter Waffengeklirr und Kriegsgeschrei Wur-
zel zu fassen und Raum zu gewinnen. Und dennoch sage
ich wenn ich lese was Sie von Mainz - und <Düllen> - Frankf
u. Schneider, Bremen und - <Dielon> sogar berichten: - lassen
wir zunächst diese großen Städte; dann auch von dem klei-
nen Marburg, wer mag seit der fremden Truppen-Be-
setzung davon etwas hoffen, sonst hätte ich durch einen ge-
wissen Lehrer Pösche, eben den, welcher mir die Nachricht
von Marburg schrieb wohl einen Weg dafür gewußt;
vielleicht, dieß fällt mir so eben ein, auch von Cassel, aus.
- Dieß alles nun, wie es Ihnen vorliegt bestimmt Sie ver-
stimmt und traurig auszusprechen: - [Text bricht ab] /
[19VR]
[leer]