Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Elise Fröbel in Keilhau v. 23.12.1850 (Marienthal)


F. an Elise Fröbel in Keilhau v. 23.12.1850 (Marienthal)
(Reinschrift Gumperda, nicht nachweisbar, ed. Nohl 1931/32, 482-483; mit Bild der Bildungsanstalt Marienthal)

Am Vorabend des heiligen Christfestes 1850.


Liebe Elise.

Deine einfache und freundliche Einladung zu dem höchsten und schön-
sten Deiner Lebensfeste hätte mich nun wohl bestimmen können derselben
zu folgen, wenn ich nicht mit zu festen Banden, nicht nur an mein Haus,
sondern sogar an mein Zimmer gefesselt wäre; es lastet eine solche
Summe von Arbeiten auf mir seit besonders Herr Renner eine selbständige
Buchhandlung in Meiningen gekauft hat, daß ich meine Christfest Freizeit
dazu benutzen muß noch im alten Jahre einen Theil derselben zu voll-
bringen.
Daß Deine geschlossene Lebensverbindung Dich glücklich macht, erfreut
auch mich herzlich; möge dieß Glück Dich ungetrübt und ununterbrochen
durch Dein ganzes Leben begleiten; doch, wer glücklich macht, zu dem
wendet sich auch das Glück zurück, und daß so Deine Liebe das Glück
Schaffners macht, hat mir derselbe ja selbst in seinem Briefe aus-
gesprochen. -
Wäre es nicht Winter, so würde ich Euch bitten einen Theil der
Blüthenzeit Eurer Ehe bei uns in dem freundlichen Marienthal zuzu-
bringen; zwar ist es im Winter bei den heiteren Tagen mit den bedufteten
Hainen, Bäumen und Gebüsch in der Nähe und mit seinem klaren Blick
auf die fernen blauen Berge auch sehr schön, doch schöner noch ist es
bei uns im blühenden Frühling und fruchtenden Sommer, und so dürfen
wir vielleicht hoffen Euch in einer dieser schönen Jahreszeiten bei uns
willkommen zu heißen.
Wer die nächsten Umgebungen in seiner feenhaften Schönheit am
Mittag in der Unterwelt und am Abend auf der Oberwelt sehen will, der
muß dazu den 11. Aug. wählen, dem großen Marientag und dem Brunnen-
feste Liebensteins; jedoch Pfingsten ist unser Marienthal und seine Um-
gebung zwar nicht durch Menschenkunst aber um so mehr von der un-
erreichbaren Kunst der Natur verschönt und so mögt Ihr wählen.
Zum geringen Zeichen meiner herzlichen Theilnahme an Eurem Eini-
gungsfeste mögest Du gütig die kleine beifolgende Gabe nehmen und
mögen die Blumen derselben für Dich ein Vergißmeinnicht seyn.
Deinen von Dir so hochgeachteten als warm geliebten Schaffner meinen
aufrichtigen und herzlichen Freundesgruß und Euch beiden die Ver-
sicherung, daß ich am Tage Eurer Lebens-Einigung Eurer seegnend ge-
denken werde. /
[483]
Luise erwidert in inniger Theilnahme Deinen schwesterlichen Gruß, wel-
chen sie als treusorgende Pflegerin und Verschönerin des Lebens so sehr
verdient.
Allen denen welchen im Kreise Deiner Umgebung mein Gruß lieb
ist bitte ich denselben zu sagen.
In Achtung, Liebe und Treue Dein aufrichtiger Oheim
Friedrich Fröbel.