Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Luise Hertlein in Hamburg v. 10.9.1850/13.1.1851 (Marienthal)


F. an Luise Hertlein in Hamburg v. 10.9.1850/13.1.1851 (Marienthal)
(BlM XXVII,1,4; Brieforiginal 1 B 8° 3½ S., Nachschrift F.s von 1850/51 6VR im Brief Luise Levins v. 29.7./20.8.1850)

Marienthal den 29sten Juli 1850


Meine liebe Luise

Fast ist der schöne Sonntagmorgen schon zu Ende, aber dennoch
will ich einige Augenblicke davon wahrnehmen und zu Ihnen,
liebe Luise, eilen, um einmal wenigstens den Anfang zu machen,
Sie mit unserm jetzigen Leben wieder bekannt zu machen.
Gern hätte ich ein Gleiches in Ihrem lieben Brief gefunden,
Ihr Leben wie Ihre lieben Hausgenossinnen interessirte mich
sehr, ich fand auch schon einmal eine sehr freundliche Aufnahme
bei Madame Lütkens und dadurch Vertrauen zu deren Bruder
und Schwägerin, was sich nach her so schön bestätigte.
Bitte grüßen Sie alle Ihre lieben Damen recht freundlich von
mir, besonders auch <Frau Junel>. Und wenn Sie mir wieder
schreiben, bitte dann erzählen Sie mir von Ihrem eignen Leben
und Ihren Kindergarten. - Jetzt fühle ich selbst wie
schwer dieß oft ist auch ich kann selten von meinem eignen
Leben und Treiben reden und will es auch jetzt nur in so weit
dieß sich aufs allgemeine Leben hier im Hause bezieht.

d. 20sten August wie lange ist es nun schon seit jenen Sonntag
Morgen welcher wohl ruhig begann, aber <mir> mein
Leben jetzt immer bald wieder gestört wurde. Seit dem
war wieder ein Brief von Ihnen hier, wie sehr freue ich
mich immer wenn ich etwas von Ihnen lese Gottlob Sie
sind noch immer die alte ruhig beachtende kräftige Seele,
wie ist das eine Wohlthat für Sie selbst und Ihre Umgebung,
auch ich muß nach und nach ruhiger werden, ohnedem wäre mein
Leben zu unbehaglich. Ich möchte, Sie, liebe Luise, wären jetzt
mit hier in Marienthal, wir haben manches viel angenehm[er]
als in Liebenstein, besonders die Ihnen ja auch bekannte
freundliche Wohnung ist uns viel werth. Herrn Fröbels /
[5R]
Zimmer hat die schönste Aussicht, wenn Sie sich noch an das Eckzimmer
rechts erinnern, von hier bietet sich ein so lieblicher Blick auf
grüne Wiesen, von der einen Seite mit hohen Pappeln und den
Wäldchen begränzt, auf der anderen der schlängelnde Bach
unter lieblichen Gesträuch und in der Ferne die Vorberge des
<Win>gebirges; hier hoffe ich wird sich Fröbel nach und nach
wieder kräftigen, der Winter in Hamburg hatte doch sehr
störend auf ihn gewirkt und das bedarf immer lange Zeit
ehe ältere Leute sich wieder in der veränderten Wohnung
einleben, wenn Gott uns nun beisteht und der <?> Aufenthalt hier
in Marienthal ein recht bleibender wird dann fühle ich, kann
auch hier noch viel zur Förderung von Fröbels Idee geschehen.
Auch für und zum Winterhalbjahr sind einige Anfragen da[;]
wenn sich eine genügende Anzahl Schülerinnen findet wird
Fröbel einen Wintercursus halten, was ich auch sehr wünsche
da es noch immer sehr an tüchtigen Kindergärtnerinnen fehlt.
Aber dabei fällt mir ein, daß ich Ihnen auch von unserer
Allwine erzählen muß, diese ist bis vor acht Tagen hier
gewesen und noch ganz <?> geworden, sie selbst wollte gern
als Kindergärtnerin eintreten, doch haben ihre Eltern sie
zunächst nach Osterode zurück genommen, weil sie dort bei ihren
jüngeren Geschwistern <?> nöthig ist, auch war ich sehr für
diesen Wunsch ihrer Mutter weil dadurch nun in meiner Vater-
stadt auch für die Sache gewirkt wird die mir so
wichtig ist.
Seit gestern - Ihre <Briege [sc.: Briefe]> ankam wird wieder
so viel von Hamburg und Ihnen gesprochen, daß ich lieber
auf den Spaziergang in der wirklich interessanten Gesellschaft
verzichtete als noch länger Ihre freundlichen Zeilen unbeant-
wortet zu lassen und da ich eben daran denke will ich zuerst
von unseren geschäftlichen Sachen sprechen. Ihr <Gut/Hut> hat/
[6]
Ihrem Wunsch gemäß <auch> große Freude gemacht; das Körbchen
hätte ich Ihnen gern durch Frau Lange gesandt doch da ich den
Brief, weil ich am Morgen des Besuchs der Fr Lange nicht zu
<Haus> war erhielt ich den Brief erst als es zu spät war <?>
<sogar> mit zu senden; jetzt will ich versuchen ob Herr Lange
den <Korb> überbringen kann. Wundern Sie sich nicht über
diese abgebrochenen Zeilen die Kinder spielen unter meinem
Fenster und da ich im Geiste jedes Spiel begleite bin ich beim
Schreiben zerstreut. Von Hermine Diesterweg habe ich
Ihnen recht freundliche Grüße zu sagen, sie ist seit Sonnabend
in Erfurt bei ihrer Schwester, welche ihr jüngstes Töchterchen
verlor und jetzt selbst sehr krank geworden. - Auch von
Emma Bothmann, welche seit gestern Abend hier ist, habe ich
Ihnen Grüße zu sagen. Emma ist wenig verändert und hängt
mit Liebe an ihren Kindern wie überhaupt an ihrem
Beruf. Für heute bitte ich noch um recht herzl.
Grüße an Madame Lütkens und sonst an Alle welche [sich]
freundlich meiner erinnern.
<In> gleicher Liebe
Ihre
        Luise Levin.

[F.s Nachschrift] Meine liebe Luise, schon seit einem
Monat Juli [1850] liegt dieser Brief in
meinem Pult, und wartet auf
einen Begleitschreiben um zu Ihnen
zu gelangen, wir es ist wirklich unglaublich, und ich nehme es mir
manchmal übel, wer daran zweifelt, ja es gar nicht glaubt
dennoch konnte ich keine Zeit gewinnen, was ich stets gerne mit
Ihnen besprochen hätte zu Papier zu bringen. Jede neue Ein-
richtung und so die von Marienthal nimmt so alle Kraft in An-
spruch und alle Zeit daß man es gar nicht für möglich hält; doch
hoffe ich nun bald durch das erste durch zu seyn, dann lebe ich auch
wie nach außen <hier> wie stets im Inneren, meinen geliebten Schü-
lerinnen u Schülern in Hambrg Grüße[n] Sie alle, alle. namentlich
die Mattfeld, auch Frau Lütkens; dieser persönlich zu schreiben
ist mir seit Langem Herzensangelegenheit. IhrFrdFrFr./
[6R]
Frau Schmieder ist seit 14 Tagen mit ihrer Tochter hier
gewesen und hat oft mit großer Theilnahme von Ihnen
gesprochen in der nächsten Zeit wird sie noch nicht nach Wien
gehen <bei> Auerbach welcher ihr Briefe für Wien versprochen.
- Seit Octbr besteht ein Kindergarten in Nürnberg, seit
3 7br einer in Schmalkalden, seit 13 Nov. einer in Göttingen,
und heut den 13 Januar 1851 wird einer in Nordhausen eröffnet.