Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Richard Krell in <Mengersgereuth> v. 6.2.1851 (Marienthal)


F. an Richard Krell in <Mengersgereuth> v. 6.2.1851 (Marienthal)
(BlM XXVII,6,9, Brieforiginal/Fragment 1 B +1 Bl 32° 5 S. - F.s. Datierung „6. Febr: 1850“ ist falsch, richtig ist das Datum 6.2.1851. Am 6.2.1850 befindet sich F. in Hamburg. Es ist - zumal am Jahresanfang - wahrscheinlicher, daß sich ein Autor in der Jahresangabe irrt als daß er sich im Aufenthaltsort irrt.)

Marienthal am 6. Febr: 1850 [sc.: 1851]


Mein lieber Herr Krell.

Recht herzlich Dank sage ich Ihnen für die
mir übersandten Beweise Ihres freund-
lichen Andenkens, ob ich gleich in meiner Zeit-
schrift mit Ihrer vorausgesetzten Erlaubniß
sicher davon Gebrauch machen werde, so kann
ich Ihnen jedoch noch nicht sagen, in welchem Heft,
da das Manuscript für das nächste Heft schon
in der Druckerei ist.- Auch habe ich die Lied-
chen selbst noch nicht gehört, jedoch sagte mir
ein Musiker, welcher eben, als ich [sc.: Ihr] Brief
ankam und dem ich sogleich dieselben zur
Durchsicht zeigte, daß sie recht schön seyen. /
[1R]
Daß Sie auch aus der Ferne her Anerkennung
finden freut mich mehrfach gar sehr; dem
Künstler ist sie vor allem nöthig wenn sich
seine Ausbildung zur Freyheit und zur Selbst-
ständigkeit in der Darstellung erheben soll.
Ich wünsche Ihnen daher zu der Ihnen werden-
den wie schon gewordenen Anerkennung
und besonders auch gemeinsamen Wirksam-
keit von Herzen Glück. Herrn Methfessel
mögen Sie nun entweder schreiben oder
ihn persönlich sprechen, immer bitte ich
Sie denselben recht freundlich und herzlich
von mir zu grüßen.
Wollen Sie einmal wieder mit kleinen
Kleinigkeiten in meinem Spielkreis eintre- /
[2]
[ten,] so fragen Sie bei Herrn Middendorff an wenn
er Übungen und Spiele mit der Walze vor-
nimmt, die Erscheinungen ihrer Bewegung in
kleine Reimverschen bringt und versuchen Sie
es dann ob Sie dem beschreibenden Wort da-
mit es zum sinnigen Gemüth spreche den beleben-
den Ton hinzufügen können z.B. wenn die Wal-
ze längs des Tisches zum Kinde gerollt wird[.]
"Ich komme hier in sicherm Gang
Zu Dir mein Kind den Tisch entlang
Ein stilles Sehnen wohnt in mir,
das treibt so ruhig mich zu Dir.["]
Oder die Walze hat auf dem Tische gestanden,
die Fingerspitze des Zeige- oder Mittelfingers
wurde fest oben vorn auf die Kante ge- /
[2R]
drückt, die Walze springt um sich selbst
herum und steht nun auf der Fläche
welche vorher Kopf- oder Scheitelfläche
war und jetzt Fußfläche ist.
"Ei (potz) tausend schaut die Walze
an,
Selbst auf den [sc.: dem] Kopf sie stehen kann.["]
Oder wenn die Walze wagrecht an einem
Faden [hängt] und durch denselben schnell gedreht
wird, und man so im Innern derselbe[n] scharf
gezeichnet eine Kugel sieht.
"Kommt Kinder, kommt schnell und seht
Wenn wagrecht die Walze sich dreht
Dann schaut nur, wie wunderbar
Seht eine Kugel ihr ganz klar."
Nun sehen Sie was Sie mit Herrn Middendorffs
Hülfe aus solchem Stoffe machen können. Ihr alter Freund
Friedr. Fröbel /

[3]
Die Walze wird auf einem Punkte der
auf einer recht glatten Tischfläche aufruhenden kreisrunden Kante mit
den Fingern der rechten Hand schnell
um sich selbst gedreht, so daß sie nun
fast wie ein Doppelkegel unten und
oben mit einer Spitze erscheint und
eine schwankende, wankende Bewegung
zeigt: -
"Ich schwanke
Und wanke
Und drehe mich leicht
Bis den Boden ich erreicht;
dann roll ich noch hin und rolle noch her
denn gleich zu ruhen, das wird mir zu schwer."
NB. Diese schöne Bewegung lang andauernd herzustellen, ist
anfangs auch etwas schwierig[.]