Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an den Stadtrat der Stadt Blankenburg v. 9.2.1851 (Marienthal)


F. an den Stadtrat der Stadt Blankenburg v. 9.2.1851 (Marienthal)
(BlM XXI,1, Bl 5, Brieforiginal 1 Bl 4° 2 S., ed. Schmiedeknecht 1927, 15f. - 2 Briefe vom selben Tag an denselben Adressaten, hier wohl 1. Brief)

Dem Wohlweisen Stadtrath zu Blankenburg.


        Wohlgeborne
Hochgeehrteste Herren.

Erst jüngst konnte ich, wegen Begründung meiner hiesigen Wirksamkeit, an
meine Wiederverheyrathung ernstlich denken zu welcher ich mir schon im Laufe
vorigen Jahres als Ehrenbürger Blankenburgs von Ihnen auch für meine künftige
Frau die Ertheilung und Zusicherung des Bürgerrechtes ergebenst erbat; wo-
rauf Sie auch die Geneigtheit hatten, mir unterm 4en Juni vor: J. ein Schreiben
zuzufertigen des Inhalts:
"Der unterzeichnete Gemeindevorstand der Stadt Blankenburg giebt Ihnen
"auf Ihr darum geschehenes Bitten zur Nachricht, daß Ihrer ehelichen Ver-
"bindung von Seiten des hiesigen Stadtrathes kein Bedenken entgegensteht.
"Blankenburg am 4en Juni 1850."
"Der Strath daselbst: Tieroff, Höfer."
Da nun die gewonnene Sicherung meiner hiesigen Wirksamkeit mir jetzt mei-
ne Wiederverheyrathung nicht nur wünschenswerth, sondern nöthig macht, so wand-
te ich mich, in der Überzeugung, daß der angeführte Erlaubnißschein mit Beweis
meines Ehrenbürgerrechtes zur Erlangung eines Trauscheines für den hiesigen
Ortspfarrer genüge, den hier bestehenden Gesetzen gemäß, an das hiesige Kreis-
gericht zu Salzungen.
Leider wurde mir nun aber Ihr oben angeführter Erlaubnißschein von
demselben mit dem Bemerken zurück gegeben: daß derselbe keinesweges
den hiesigen Forderungen genüge; indem ich erstlich in demselben nicht wieder /
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als Bürger genannt sey, daß zweitens darin ebensowenig auch meine
Verlobte, Fräulein Luise Levin aus Osterode am Harz genannt, und
ihr, als meiner künftigen Gattin und Frau, das gleiche Bürgerrecht
zuerkannt sey.- Auch mangle dem mehrerwähnten Erlaubnißschein
zur Erlangung der hierortigen Aufgebots- und Trauungsgewährung als
genügender Trauschein neben den schon beigefügten Unterschriften auch
die Beidruckung des Blankenburger Stadtsiegels.
Wie sehr mich diese Ausstellungen unangenehm überraschten
können Sie sich, Hochgeehrteste Herren, leicht denken, um so mehr als ich
meine Papiere in gehöriger Ordnung glaubte; jedoch mußte ich mich
fügen.
Da ich nun gar sehr wünschen muß, daß noch vor Eintritt der dießjährigen
Fastenzeit meine Trauung mit gedachter Frl. Levin ermöglicht werde,
so ersuche ich Sie, Hochgeehrteste Herren ganz ergebenst auf Grund des
früher mir verehrten Bürgerrechtes, des Erlaubnißscheines vom 4 Juni vor.
J. und auf Grund des hier beiliegenden Tauf- und Ledigenscheines meiner
Verlobten, der mehrgenannten Frl. Levin, mir einen Trauschein in der
von dem hiesigen Kreisgericht geforderten Form geneigtest ausferti-
gen und mir gütigst bald zusenden zu wollen. Die etwa desfalls
nöthigen Gebühren bitte ich ganz ergebenst von der Post nachnehmen
zu wollen.
Wie es bisher mir stets ein schönes Streben war mich, als Blankenburger
Ehrenbürger, auch aus der Ferne in Blankenburg förderlich thätig zu
beweisen, so wird die geneigte Erfüllung meiner ergebensten Bitte
dasselbe noch erhöhen.
Empfangen und genehmigen Sie, Wohlgeborne, Hochgeehrteste Herren
die Versicherung wahrer und besonderer Hochachtung
Ihres bleibend dankbar ergebenen Mitbürgers
FriedrichFröbel
Marienthal, ohnweit Liebenstein
bei Eisenach am 9en Februar 1851.