Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Jean Fensohn in Hamburg v. 13.2.1851 (Marienthal)


F. an Jean Fensohn in Hamburg v. 13.2.1851 (Marienthal)
(BN 425, Bl 1, hier: 1V, dat. Entwurf 1 Bl 8° 1 S. Etwa ab zweitem Drittel des Briefs laufen zwei Argumentationsstränge [„spitze“ bzw. „breitere Feder“] parallel. Sie werden hier als einander folgende Argumentationsblöcke wiedergegeben. Der erste Zusammenhang [spitze Feder] stellt die Erstfassung dar [bis einschließlich gestrichener Zeile in der 3. Zeile v.u.], der zweite und spätere Zusammenhang [breite Feder] entwickelt eine gedankliche Weiterführung [ab ”so sehr in Anspruch nahm” bis zum Schluß] der in der oberen Hälfte bereits teilweise dargestellten Entwicklungen 1850/51. Der parallel geführte eingeschobene Gedankengang [breite Feder] wird kursiv wiedergegeben)

Marienthal, ohnweit Bad Liebenstein bei Eisenach am 13 Febr 1851.


Werther Herr Fensohn.

Wenn je ein Schluß falsch wäre, so wäre es der welchen man
von meinem Schweigen in Beziehung auf Hamburg gegen Hamburg
und meine Freunde daselbst auf ein Zurücktreten meiner
dankbarer Erinnerung gerne für all das viele dort empfangene Freundliche
und auf eine verminderter Verminderung pfle-
gender Gesinnungen des dort ausgestreuten und so schön gekeimten
guten Samens schließen sollte machen würde. Im Gegentheil: ich habe wohl in mir kaum
mit einem Orte und irgend wo noch mit meinen Freunden in dem selben in der Erinnerung mehr in
dankbarem u wohlwollend pflegenden Andenken fort gelebt, als mit Hamburg
mein innerstes vertrauendes Gemüth und Leben
und meinen Freunden daselbst. Allein ohngeachtet dieser meiner innig pflegenden
und besonders meine erziehenden darauf ruhenden erziehenden Bestrebungen hatten von und mit von [sc: vom]
und dankbaren Erinnerung Hamburg[s] aller Personen, Verhältnisse wie auch u Errungenschaften daselbst
Eintritt in Hamb[ur]g solche tiefe schmerzl Schläge erhalten, daß ich mich <so> nemlich mir in Hamb[urg] aller
ist es mir mit Hamburg sehr eigen gegangen; von dem Augenblicke an, als sich mir noch
nicht sondern noch kaum während meines Ganzen jüngst verflossenen Lebens davon erholen u
ganz unbewußt eine Trennung in dem Frauenkreise welcher mich zuerst nach Hamburg berufen hatte
eingetreten war wieder Lebensmuth erhalten konnte, dazu kam die neue Begründung
gebildet hatte von diesem Augenblick zog sich eine Trübung u <Störung> d[urc]h das gesammte Verhältniß, welches
meines hiesigen Verhältnisses welches mich
sich, wunderbar genug nicht allein d[urc]h meinen g[an]zen Aufenthalt in Hamburg sondern beinahe durch das Ganze Jahr noch hind[urc]h zog seit ich nun von Hamburg zurück
so g[an]z in Anspruch nahm, daß ich meine geistige Wirksamkeit kaum über
gekehrt bin und welches wunderbar eigenthümlich genug immer von Neuem d[urc]h kleine Lebensergüsse Nahrung erhielt - -
Marienthal hinaus erstrecken konnte; dieß in An-
Ihnen, mein werthester HE Fensohn als einen praktischen Geschäftsmanne wird es nicht glaublich scheinen wie ein in gelehrtes und sich weitverbreitendes an sich <ganz Einzig> erschien[enes] <reges>
deutungen der Grund meines so langen Schweigens gegen Hamburg u meine Freunde
un getrübtesTrübung ursprünglich einiges <völliges> Vertrauen solche nachhaltige
daselbst u diese meine Andeutungen sind Ihnen vielleicht unverständl. doch mehr zu sagen ist
unheimliche Wirkung hervorrufen könne, hervorrufen konnte; und dennoch ist es so: Nur eine Andeutung
mir nicht mögl. Genug mein langes Schweigen war die Wirkung einer Geistes[-] u GemüthsTrübung, welche
ist hier möglich – ein Wirken wie die <meinige>, eine Erziehung die den Menschen das höchste Gut des Lebens Einigung geben
in vielseitiger Lebensteuschung ihren Grund hatte; haben Sie je solche eine Trübung gefunden u erfahren so werden
soll kann nicht auf Trennung ruhen; statt bei meinem Eintritt in Hamburg Einigung fand ich Trennung; diese <Anschauung> machte auch
sie [sc.: Sie] mich verstehen: eine solche Lebensteuschung wirkt aber um so tiefer gewaltiger, als das
auf mich eine so schmerzliche Einwirkung, daß ich mich an [sc.: von] deren schmerzl[ichen] Eindruck gar nicht wieder erholen konnte[.] Dazu
dad[urc]h vernichtete Ziel <Anwendung> dem Geist <gefällt> und Gemüth ein Hohes, des Lebens Höchstes ist - -
kam, daß in mir die Schläge noch nicht überwunden waren, welche dem Ggstd [sc.: Gegenstand] durch die Maitage in
Dresden geschlagen worden und wo die Freunde ein Freu[nd] der Sache und selbst ein bisheriges <?> Ministerium gesprengt worden genommen Grund u Boden denselben wieder entrissen waren
Hier haben Sie in Andeutungen den Grund meines Verschweigens. Ermuthigung d[urc]h ein gestärktes
war. Dieses merkwürdige Zusammentreffen einer Vielheit der ungünstigsten Verhältnisse war es, was mich
ich will es offen gestehen, ganz <muthlos machte u vertrau[en] wider> stehend auf mein Vertrauen zu Menschen u Verhältnisse einwirkte.
Vertrauen ist es was mir was meinem Leben Noth thut .—Hat mein Wirken für Sie einigen Werth
können Sie mir mein altes, kindl. Jugendl. männlich klares Vertrauen [wieder geben]
glauben Sie daß es denselben für das Leben und [bricht ab]