Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Selma Behrens in Dresden v. 6.3.1851 (Marienthal)


F. an Selma Behrens in Dresden v. 6.3.1851 (Marienthal)
(BN 375, Bl 1, Brieforiginal/Fragment 1 Bl 8° 2 S. - Adressatenzuordnung lt. Wollkopf II)

Bildungsanstalt Marienthal.
ohnweit Bad Liebenstein b. Eisenach. Am 6/III 51.


Geehrte Frau.

Recht herzlich aufrichtigen Antheil nehme ich an Ihrem Lebens-
geschick, welches Sie aber merkwürdiger Weise jetzt mit ei-
ner Mehrheit von Frauen theilen, welche jetzt sämtlich in den
Gärten der Kinder die Plänzchen durch deren Pflege ihnen der
lang ersehnte Frieden des Lebens entgegen blüht, und die lang
entbehrte Freude des Lebens als Lohn treuer Thätigkeit in
gesunden Früchten entgegen reift - zu finden hoffen, ja zum
Theil schon gefunden haben; auch glaube ich besonders v. Ihnen,
daß Sie dazu den richtigen Weg gewählt, den rechten Ort be-
stimmt und sich das entsprechende Ziel gesetzt haben, wenn
Sie sich durch Fleiß und Ausdauer den Gegenstand so gründ-
lich angeeignet haben, daß Sie dadurch dem mehrfach prakti-
schen Sinn der Amerikaner genügen, sowohl in der Wirkung
der thatsächlichen Ausführung, als der leichtverständlichen
kurzen Erklärung und Nachweisung.- /
[1R]
So sehr ich nun wirklich glaube, daß Sie einen Ihrer Lebens-
verhältnisse angemessenen Lebensplan gewählt haben,
wenn anders, was ich voraussetze, Geistesgaben und
Körperkraft damit in Einklang stehen, so sehr muß ich
nach Ihrem vertrauensvollen Brief schließen, daß Ihre
pecuniaren Verhältnisse Ihnen nicht erlauben werden
die Zeit und die Mittel aufzuwenden, welche schon die jetzt
allgemeine Bildung einer Kindergärtnerin fordert, was
mir freilich sehr Leid that.
Jeder Bildungskursus der ersten und gewöhnlichen Stufe
ist auf 6 Monate berechnet, so daß der Unterricht
am 15en, oder in der Mitte des ersten Monats jedes
Halbjahres also am 15-16 Mai und am 15-16 Nov.
beginnt und mit dem letzten Oktober und April schließt.
Der Betrag für Unterricht mit praktischen Übungen
in einem Kindergarten verknüpft, für Wohnung, Kost
Waschen der Leib-[,] Hand- und Bettwäsche - (Putz und Kleider-
wäsche ausgeschlosssen) während eines Cursus von je 6
Monaten beträgt Einhundert und zwanzig Thaler prCt,
halb zahlbar beim Eintritt und halb in der Mitte
des Cursus.- Wird die Wäsche selbst besorgt was hier
leicht und billig ist so werden dafür 6 rth zurück ge-
rechnet und bleiben sonach nur 1<1>4 rth. wie bestimmt
zu zahlen.
Außerdem bringt jede Schülerin ihr Bett nebst nöthigen
Bettbezügen mit (Bettstelle giebt die Anstalt) dann
ein Tischbesteck nebst Kaffe[e]löffel mit wenigstens 3
Tellertücher oder Servietten. [Text bricht ab]