Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Doris Levin in Osterode v. 18.5.1851 (Marienthal)


F. an Doris Levin in Osterode v. 18.5.1851 (Marienthal)
(BlM XXI,2, Bl 28-29, Brieforiginal 1 B 8° 4 S.)

[Briefkopf: Lithographie Marienthals mit Bildunterschrift:
"Bildungsanstalt Marienthal."]

Hochgeehrte, hochgeschätzte Frau.

Es kann und wird Ihnen wohl auffallend gewesen
seyn, daß ich über den wichtigsten Punkt meines Le-
bens, Sie theure Frau zu bitten: Ihre liebe Tochter
Luise als Mittelpunkt und Pflegerin meines er-
ziehenden Kreises, wie als einige Freundin und
Gattin und meinem Hause zur Stütze, Hausfrau
und liebend sorgsame Mutter zuzuführen - so lange
gegen Sie geschwiegen habe; es wird und muß Ihnen
mehrfach auffallend und vielleicht sogar unangenehm
gewesen seyn, als vielleicht nach andern Seiten hin
mein Entschluß schon vielfach besprochen worden ist; /
[28R]
allein Sie wissen: Vorsätze und Entschließungen
genügen allein nicht, es müßen auch die Um-
stände und Verhältnisse günstig seyn jene aus-
zuführen, ja, das Leben hat gewiß auch Sie wie
mich belehrt, daß die letzteren oft im Stande
sind die ersteren zu vernichten, deren Ausführung
zu zerstören; über dieß Alles nun wünschte ich klar
und gesichert zu seyn, ehe ich mich mit den darge-
legten Bitten, welche ja sämtlich nur Eine sind
vertrauensvoll an Sie hochgeachtete Frau zu wen-
den mich bestimmte; doch jetzt sind alle entgegen[-]
stehenden Hemmnisse beseitigt, oder vielmehr
alle geforderten Bedingungen erfüllt, und ich
säume nun nicht länger die oben schon ausge-
sprochenen Bitten oder vielmehr Bitte an Ihr
treues, liebend-sorgendes Mutterherz zu legen,
ihrer Erfüllung, durch Ihre liebe Tochter, die sich
mir in bewußtem einigen Familiensinn, ver[-]
trauend verlobten Luise, gewiß. Ja, in der
Gewißheit dieser Ihrer segnenden Einwilligung
und der wirklich freudigen und herzlich einigen
Zustimmung Ihrer ganzen lieben Familie bin
ich sogar, dem Drange und Forderungen der
Verhältnisse folgend noch weiter gegangen so-
daß ich die Freude habe Ihnen, theure Frau, aus[-]
zusprechen, daß wir, Luise und ich, heut zum er- /
[29]
sten male in unserer Pfarrkirche, wo wir nun selbst
eingebürgerte Pfarrei- und Gemeindeglieder sind,
öffentlich proclamirt werden, und daß wir
unter Gottes Seegen am zweiten Pfingstfeste
Vormittags unsere Trauung zu vollziehen ge-
denken, möge dieß Ihnen und allen werthen Glie[-]
dern Ihrer lieben Familie eben so erfreulich seyn
zu hören, als es mich beglückt solches Ihnen aus[-]
zusprechen indem es ein freudiges Gefühl und ein
befriedigendes Bewußtseyn für mich ist: durch
diese Verbindung zugleich das einige Glied einer
so hochachtbaren in einiger Herzenseinigung
lebenden Familie zu werden, mögen darum
auch Sie und Ihre gesammte Familie in ihren
nahen und fernen Gliedern mich gern, freudig
und vertrauend als Glied in sich aufnehmen,
was in meinen mäßigen Kräften steht werde ich
gern anwenden mich dafür dankbar zu bezeigen.
Doch was das Herz ersehnt wünscht auch das Auge
zu schauen, und so würde es mir [sc.: mich] und Luisen gar
sehr erfreuen wenn Sie theure Frau und irgend
Glieder Ihrer mir, nun so lieben Familie, uns an
unserem Lebensfeste Ihre Gegenwart schenken woll-
ten; Vom tiefsten Grunde meines Herzens spreche
ich es Ihnen aus, daß es mir eine sehr hohe Freude
seyn würde, wenn ich Luisen aus Ihrer Hand empfing. /
[29R]
Den einzelnen Gliedern Ihrer geschätzten Fa-
milie, besonders Ihren lieben Söhnen und Schwie[-]
gersohn noch namentlich zu schreiben, werden
Sie mir gewiß sämtlich gern erlassen, bitten
Sie dieselben sämtlich in meinem Namen und mit
Ihrem liebend-mütterlichen Sinn um ihr vertrau[-]
endes Wohlwollen für mich und sagen Sie Allen
und Jedem meinen recht herzlich[en] Gruß.
Nehmen Sie in diesem auch zugleich meinen
besten Glückwunsch zu Ihrem schönen Geburtstag
wir werden dessen hier liebend und dankbar
gedenken.
Empfangen Sie nun nochmals die Versiche-
rung hoher Achtung und Ih inniger Liebe von
      Ihrem
herzlich Ergebenen
     FriedrichFröbel
Marienthal nächst Bad Liebenstein b. Eise-
nach am 18' Mai 1851.