Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Johannes Stangenberger in Schalkau v. 20.5.1851 (Marienthal)


F. an Johannes Stangenberger in Schalkau v. 20.5.1851 (Marienthal)
(BN Anh. 43, Bl LC 177 - LC 180, Abschrift 2 B 8° 7 S., Handschrift unbekannt. - Der Abschreiber gibt als Vorlage das Original im Besitz eines Redakteurs Richard Lorenz, Coburg, an und gibt an, daß das Original eine wohl später angebrachte grüne Numerierung trägt: 26.)
(Verhältnis Originalzeile : Transkriptionszeile nicht 1 : 1)

Marienthal nächst BadLiebenstein am 20 Mai 1851.


Mein lieber Herr Stangenberger.

"Kommet, denn ist alles bereitet!" - So möchte ich Ihnen, lieber Freund, zurufen: - "Kommen Sie, der ganze kleine Kreis ist versammelt um von Ihnen in die erziehende Musik, vor allem in den erziehenden Gesang eingeführt, in ihm heimisch zu werden." Ja so ist es, lieber Stangenberger: alle erwarten Sie und sehnen sich, Sie als I ihren künftigen Lehrer willkommen zu heissen und ich glaube Sie werden unter Ihren künftigen Schülerinnen besonders eine finden, welche Ihnen durch ihr Spiel namentlich Freude machen wird, es ist /
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diess die kaum 16jährige Frz. [sc.: Frl.] Emilie, Tochter des Seminarmusiklehrers Michel in Gotha, welcher sie wegen ihrer ihren Anlagen für die Musik ausbilden wollten; die Neigung trieb und treibt das Mädchen aber zur Kindergärtnerin Kindergärtnerei, welcher zu folgen demselben auch die Liebe der Eltern erlaubt. Auch noch zwei andere junge Mädchen sind eingetreten, deren Stimmen, glaub ich nicht übel sind.
Werden Sie wohl von Ihrer Behörde zu Ihrem Hierseyn den nöthigen Urlaub erhalten können?- Bitte, seyn Sie so gütig mir diess recht bald zu schreiben; oder noch besser, bringen Sie uns selbst persön- /
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lich recht bald die Nachricht davon.-
Sollte sich aber Ihre Urlaubsgestaltung sehr weit hinausziehen, so komme ich mit einer anderen Bitte, welche Sie mir aber nicht abschlagen dürfen; mir nicht und noch weniger Einer Anderen: Sie wissen gewiss schon längst, wenn es auch von mir wie ausgesprochen wurde, dass ich alter Kinderspielmeister wieder, wäre es möglich jung, ja sogar in meinem dritten sogenannten Menschenalter wieder Bräutgam werden soll; nun! was thut man nicht aus Liebe zu Kindern, genug, am verflossenen Sonntag ist diess, nach gewöhnlicher Sitte in unsern unserer Pfarrkirche verkündigt /
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worden und am 2en Pfingstfest früh soll hier in Marienthal die Trauung seyn, worauf wir uns dann, wenn es die Witterung erlaubt, eines heiteren Tages in der schönen Frühlingsnatur erfreuen wollen; da müssen Sie nun, lieber alter Freund nothwendig dabei gegenwärtig seyn, und Sie werden dazu, sowohl von mir als auch von Frz. Lewin [sc.: Frl. Levin], noch ganz besonders und ernstlich eingeladen. Doch noch lieber ist es uns freilich, wenn Sie schon vorher bei uns eingetroffen sind und wird [sc.: wir] wünschten, dass Sie lieber schon in dieser, als erst in der folgenden Woche können. Doch das ist abgemacht: jedenfalls sehen wir Sie zum schönen Pfingst- /
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fest bei uns; und so treffen Sie, wo möglich spätestens schon am heiligen Abend in Ihrer Ihrem Ihnen freundlich angeboten[en] Zimmer in Schweina ein; sind aber sonst sogleich unser Gast.
Beikommend erhalten Sie, mein lieber St. - drei Nummern der "Schleswig-Holstein-Lauenburgischen Universitäts[-] und Schulzeitung" welcher einen Aufsatz
"die Fröbelschen Kindergärten"
enthalten; ich bitte schenken Sie demselben Ihre Aufmerksamkeit finden Sie denselben, wie ich gut, so wäre es vielleicht sehr zweckmässig, wenn Sie denselben an die Redaction der Darmstädtschen []{(Allgemeinen / Zimmermannschen?)[}] Schulzeitung - bei welcher Sie /
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ja, irre ich nicht, Mitarbeiter sind, mit der Bemerkung zur Aufnahme einschickten: - dass diese Aufnahme unverstümmelt geschehe; wäre dies aber nicht möglich, dass man Ihnen dann die Blätter zu anderweitigem Gebrauche zurücksenden möge.
Meinen Sie aber, dass Sie einen anderweitigen, besseren Gebrauch davon machen könnten, wo er unmittelbar ins Volk eingriff, so z.B. in eine Coburger Zeitung, - so habe ich auch nichts dagegen. Jedenfalls könnte er vielleicht vor der weiteren Versenden Versendung den eingehenden Bürgern Ihrer Stadt in einer Abendversammlung vorgelesen werden. /
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Ich glaube die Aufsätze in der sächsischen Sch. Ztg über Kdrgten wirken nicht recht viel; Sachsen ist ein zu steriler Boden; was meinen Sie dazu?- In welcher Zeitung aber auch der Abdruck geschehe, Sie könnten sich ein paar Abdrücke, und seyen es der deren wirklich nur 2 zur weitern Verbreitung kommen lassen.-
Vergessen Sie wenigstens das Kommen zum Pfingstfest nicht, zu
Ihrem FrdFriedrichFröbel. /
[LC 180b]
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