Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Johannes Arnold Barop in Keilhau v. 29.5.1851 (Marienthal)


F. an Johannes Arnold Barop in Keilhau v. 29.5.1851 (Marienthal)
(KN 57,13, Brieforiginal 1 Bl 8° 2 S.)

Marienthal nächst Bad Liebenstein b. Eisenach am 29 Mai 1851.


Die Erwiederung herzlichen Grußes zuvor!

Deinen am 18. empfangenen Brief früher als heut zu beantwor[-]
ten war mir wegen des Eintrittes mehrere Schülerinnen ge-
rad in dieser Zeit, deren jetzt 11 sind und wovon die letztere
erst gestern aus Bautzen eintraf - nicht möglich. Auch kann
ich, als beauftragt, womöglich einen Musterkindergarten in Bad
Liebenstein auszuführen noch weniger als früher frei über meine
Zeit gebieten, und um so weniger noch als ich wünschte damit bis
zu einem bestimmten Punkt vorgerückt zu sein ehe die herzoglichen
Frauen rc. die eigentlichen Gründerinnen jener Anstalt ihre Sommer[-]
sitze beziehen.
Doch zur Sache.
Gegen die von Dir, in Beziehung auf die bekannte Abtretungsan-
gelegenheit Keilhaus von Dir gemachten Vorschlägen und Formen-
angaben finde ich, so weit die Sache bis jetzt im Einzelnen mir vorliegt,
der ich ja selbst die allseitige Klärung und Feststellung des Ganzen
d ernstlich wünsche - finde ich nichts zu sagen. Die Hauptfrage bleibt
dabei immer die Feststellung des Käufers, da Du Dich bestimmt ge-
gegen eine gemeinsame Übernahme mit Middendorff u.s.w.
bestimmt erklärst. Diese muß ich aber wirklich, nach meiner geprüf-
ten Erfahrung zunächst Euch beiden ganz selbst überlassen. Der Schluß
Deines Briefes: "Ich halte es auch auch sogar für eine Pflicht für Dich
"daß Du darauf siehst, daß die Anstalt wohlberathen sei pp pp pp"
scheint mir zwar darauf hinzudeuten, als meinest Du, daß mir
in dieser Hinsicht nicht sowohl etwas obliege, als vielmehr auch zu
thun möglich sey; wollte ich nun auch das erste zugeben, so muß
ich Dich hinsichtlich des zweiten auf die Lebenerfahrungen hin-
weisen, welche das rein Unmögliche davon bethätigen; ich führe
Dir nur Langethals früheres und Carl Froebels jüngstes Handeln
ins Gedächtniß; beiden schlug ich andere Verhältnisse vor und heut
noch bin ich tief in mir überzeugt, sie würden in großem Lebens-
verbande stehen, stehen hätten sie mir gefolgt, jetzt stehn sie vereinzelt[.]
- Darum laßt die Verhältnisse frei und offen zu Euch beiden sprechen;
meine Ansicht wißt Ihr ist eine individuelle; laßt die Sache reden /
[1R]
und darauf entscheidet.-
Damit der Brief in Deine Hände endlich komme nur
die Erwähnung eines Ad[d]itionsfehlers: Du zählst die
Posten:
7657 fl 54 XrVorschuß pp
1592 fl---Langethals Forderung
xxxx fl --- andere Forderungen, wofür
2000 fl --- von Dir angenommen werden
_______________
in   13,249 fl54 Xrzusammen. Sie betragen aber nur
11,249 fl54 Xr.       Wodurch also auch von der
von Dir berechneten Total Kaufsumme der 23,832 fl
2000 fl abgehen und so mir noch verbleiben 21,832 fl.
Also heut nur meine Zustimmung zu Deinem Doppel-
vorschlag, damit Du weißt woran Du bist, und keine
Zeit verloren geht die Sache unter Euch ruhig zu besprechen.
Findest Du es angemessen in meinen Vorschlag und Wunsch
einzugehen, daß Middendorff, vielleicht von Deiner Seite mit
Adelheiden uns zum 2' Pfingstfest mit seiner Anwesenheit erfreue
so könnte derselbe zum heil. Abend bei uns eintreffen. Sonntag
könnten wir die Sache besprechen und am 3' Feiertag Abend
oder wie lange er abwesend seyn konnte, könnte er wieder
bei Euch sein.
Herzliche Grüße von mir und Luisen Euch Allen.
Dein FrFröbel