Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Johannes Stangenberger in Schalkau v. 22.6.1851 (Marienthal)


F. an Johannes Stangenberger in Schalkau v. 22.6.1851 (Marienthal)
(priv. M. Brodbeck Bad Liebenstein, Brieforiginal 1 Bl 8° 1 S.)

Marienthal am 22n Juni 1851.

Mein werthgeschätzter lieber Stangenberger
Ihre freundlichen Zeilen mit der Zusicherung Ihrer
baldigen Überkunft habe ich zu unser aller Freude
gestern erhalten.
Der Grund meines jetzigen Briefes ist nun nicht etwa
Ihnen blos zu wiederholen daß Sie hier gelehrige und
unterrichtslustige Schülerinnen finden werden und daß
Sie sich deshalb nicht mehr als eben das dringende Erfor-
derniß ist auf Ihrer Hierherreise aufhalten mögen;
sondern nur um Sie dazu einzuladen resp: darum zu
bitten fordert mich ein anderer Grund auf; es haben
sich nehmlich, gleichsam zu einem neuen zweiten Cursus
der, freilich mit Kraftaufwand von meiner Seite,
aufgeführt neben dem schon jetzt bestehenden in gewisser
Hinsicht daruchgeführt werden soll – drei junge Schüle-
rinnen gemeldet, deren Eintritt sich wegen Verhält[-]
nissen nicht bis zum nächsten Cursus verschieben ließ.
Diese Schülerinnen werden nun vom 1n bis 3n Juli hier
eintreffen – wenn <NB> alle jetzigen Bestimmungen in Er-
füllung gehen. Da ich nun gesonnen bin, mit diesem
Nebencursus gleichsam, dennoch das Ganze vollständig
und im Zusammenhange durchzuarbeiten, da Sie nun l.
Stangenberger ein Gleiches wünschen, so wäre mir
es dann sehr lieb wenn Sie mit den gedachten drey
neuen Schülerinnen fast zu gleicher Zeit eintreffen
könnten; denn es ist merkwürdig, was bei Beginn
eines Cursus ein oder gar 2 oder mehr Tage späterer Ein[-]
tritt für, schwer nachzuholenden Verlust bringt –
In unserm lieben Meininger Lande stehen die Sachen
vortrefflich, ich denke es soll für Deutschland im Ver[-]
ein mit dem wackern und strebenden Schullehrerstand
ein Musterländchen für Kinderpflege, Schulleben und
Familiensinn und Volkswohl werden. Die Beilagen
besorgen Sie wohl gütigst. Mit Liebe erwartet Sie Ihr
FriedrichFröbel

[1R]
[vakat]