Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Gustav Kühne in Leipzig v. 24.7.1851 (Marienthal)


F. an Gustav Kühne in Leipzig v. 24.7.1851 (Marienthal)
(Brieforiginal <1 Bl 8° 2 S.> priv., nicht nachweisbar; ed. Ulich 1935, 12-14. Vollständige Edition bei Ulich, Robert: A sequence of educational influences traced through unpublished writings of Pestalozzi, Fröbel, Diesterweg, Horace Mann and Henry Barnard. Cambridge Mass. 1935, dort gegenüber p.12 Faksimile der ersten Briefseite. Es handelt sich um den Text des undat. Rundschreibens F.s. an „erziehende Männer und Frauen“ als Einladung zur Liebensteiner Erzieherversammlung Ende Sept. 1851. Dieser Text des Rundbriefs liegt auch im Brief F.s an Rohrbach v. 12.9.51 vor. Dem Brieftext folgt eine Liste der eingeladenen Personen, insgesamt 22 Männer und 9 Frauen. Diese Liste könnte Teil des Schreibens an Kühne gewesen sein, das dann mit einem weiteren Blatt insgesamt 4 Seiten umfassen würde. Seitenangaben nach Ulichs Edition.)

MarienthaI bei Bad Liebenstein im Mei[-]
ningschen am 24. Juli 1851.

Herr Doctor Gustav Kühne, Herausgeber der Europa in Leipzig.

Geehrter Herr!

Im Laufe dieses Monats fanden sich in dem gastfreundlichen Zimmer, einer in
Liebenstein verweilenden Dame; mehrere pädagogisch einander befreundete Männer,
(: Middendorf[f] aus Keilhau, Rector Köhler aus Corbach, Diesterweg aus Berlin und der
im Auftrag Unterzeichnete :) zusammen. Die Unterhaltung drehte sich um pädagogische
Zeitansichten und Bestrebungen, namentlich von Seiten des weiblichen Geschlechts
und für dasselbe. Die Ansichten der Dame und der Männer stimmten zwar im [sc.: in]
wesentlichen Punkten überein, gingen aber auch in andern auseinander und zwischen
beiden lag eine Mitte, über welche die Männer bekannten, noch nicht zur ganz ent-
schiedenen Ueberzeugung gekommen zu sein. Trotz dem; oder wegen dem fanden fand-
en
die Anwesenden in dem freien Austausche der Meinungen eine solche Befrie-
digung, daß der von Einem ausgesprochene Wunsch, es möchten die verhandelten,
und ähnliche Gegenstände in einem größeren Kreise von Frauen und Männer[n]
besprochen werden, und wo möglich zu einem bestimmten, wenn auch nur
vorläufigem Abschluß gebracht werden, mit Zustimmung vernommen wurde.
Denselben zu realisiren, ist der Zweck dieser Mittheilung, und es ergeht darin
durch den Unterzeichneten auch an Sie, geehrter Herr, wie an andere, an päda-
gogischen Bestrebungen thätigen Antheil nehmenden Frauen und Männer,
hiemit die Einladung, der zu dem angegebenen Zwecke verabredeten Versamm-
lung beizuwohnen. Dieselbe wird in den Tagen des 27. 28 und 29sten Septbr d.J.
im Bad Liebenstein statt finden. Am ersten Tage, Sonnabends den 27sten Septbr
soll von 9 Uhr ab die Erziehung, kleiner, noch nicht schulbefähigter Kinder, namentlich
durch Kindergärten, den Gegenstand der Besprechung bilden, am Nachmittage /
[13]
desselben Tages der pädagogische Beruf der Frauen und ihrer Ausbildung für den-
selben, an die Reihe kommen. Der Vormittag des folgenden Tages kann, je nach dem
[ / Seitenwechsel Faksimile] Beschluss der Versammlung
oder einzelner Glieder derselben, denselben, oder ähnlichen päda-
gogischen Tagesfragen, welche ausschliesslich den Vorwurf der
Versammlung ausmachen sollen, gewidmet werden. In solcher Weise
glaubten die Obengenannten die Tage der Versammlung lehrreich
und fruchtbar zu machen. In Hoffnung Ihrer Zustimmung zu den
dargelegten Tendenzen erlaubt der Unterzeichnete, Sie Geehrter Herr
"ergebenst zur Theilnahme an der beabsichtigten Versammlung
einzuladen, indem ich zugleich beifüge, dass es sehr gern gesehen
würde, wenn Sie noch andre, an pädagogischen Bestrebungen
der gedachten Art Antheil nehmende Frauen, Jungfrauen mit
eingeschlossen, und Männer zur Betheiligung einladen wollen.
Ueber diesen Punkt, so wie über Ihre persönliche Teilnahme
erbitte ich mir gefällige, wo mögliche zusagende Erklärung."
Hochachtungsvoll und mit herzlichem Grusse mich unterzeichnend
Ihren
Ergebenen
FRIEDRICH FRÖBEL.

Vorstehende Einladung ergieng wörtlichgleich an nachstehende
erziehende
Männer
Herrn Schulrath Bormann in Berlin
Dr. Detmer Dir: einer Privatsch: u. Gründer der Pestalozzistiftung in Hamburg
Dr. Barthelmess, Mitglied einer Erziehungs[-] und Schulcommission in Nürnberg
A. Frankenberg, Vorst[eher]: e. K.G. in Dresden
Dr. Friedländer, Director e. weibl. Bild[un]gsanst[alt]; in Elberfeld.
Hersg. einer Zeitschr. für weibl. Bildung
Dr. Georgens Dir: u. Begründer e. weibl. Bild[un]gstanstalt u. Kdrgartens in Baden[-]Baden
Gymnasiallehrer Hicke [sc.: Hiecke] in Greifswalde
Heinrich Hoffman[n] Gr[ün]d[e]r u. Vorst: eines Kdrgrts und anderer weibl. Bildungsanstalten i. Hamburg
Dr. A Kühne Hersg. der Europa in Leipzig /
[14]
Consistor: R. Curze in Arolsen im Waldeckschen
Dr. W. Lange Dir. einer Privat Realsch. in Hamburg
Lansky, Lehrer und Hersg. der S.[ächs.] Sch[u]lztg in Dresden
Pösche, Lehrer in Nordhausen
Schulrath Peter in Meiningen
Seminardir: Kern in Hildburghausen
Herrn Seminardir. Dressel in Bautzen
Lehrer Carl Rohrbach in Berlin
Dr. Jänecke in Hannover
Dr. Schornstein am Rhein
Dr. Ludwig Storch in Braunschweig
Prof. Thilau [sc.: Thaulow] in Kiel
Dr. Zimmermann, Hersgeber der allgem: Schulzeitung in Darmstadt
und Frauen
Fräulein H. Dahlenkamp in Leipzig Kindergärtnerin
Fräulein E. Habuht [sc.: Habicht] in Rudolstadt [Kindergärtnerin]
Fräulein A. Härtlein [sc.. Hertlein] in Hamburg [Kindergärtnerin]
Fräulein A. Hesse in Hamburg [Kindergärtnerin]
Frau Doris Lutkens [sc.: Lütkens] geb. v. Cossel, Vorsteherin einer weibl. Bildungsanst[alt]: b. z. Kindergart. und Hersg d. Zeitschrift - "Unsere Kinder"
Frau E. Hartmann Kdgrtn. in Cassel
Fräulein Ida Seeb [sc.: Seele] Kdrg. in der Kleinkinderschule zu Darmstadt
Frau Doberentz in Berlin
Frau Wustenfeld [sc.: Wüstenfeld] in Hamburg Mitbegründer[in] und Vorstandsmitglied der das:[igen] Kochschule