Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Karl Müller und Otto Ule in Halle v. 25.7./27.7.1851 (Marienthal)


F. an Karl Müller und Otto Ule in Halle v. 25.7./27.7.1851 (Marienthal)
(Spranger-Nachlaß, Tübingen, Brieforiginal 1 B 8° 2 S. - Die letzte Seite des Bogens mit Anschrift ist nicht kopiert; dort schreibt F. vermutlich irrig "Uhle".)

Marienthal nächst Bad Liebenstein am 25. Jul 1851


Meine sehr lieben, geschätzten Herren und
               Freunde.

Etwas verspätet empfangen Sie die Ihnen verspro-
chenen Drucksachen, das Leben in seiner Mannigfachheit
verschob die Absendung selbst so, daß ich erst heute am 27n
die Fortsetzung dieses Mitten im Satze abgebrochenen
Briefes beginnen und hoffentlich schließen und die Absendung
erreichen kann; doch muß ich kurz seyn es ist nahe am Post[-]
schluß, darum ich zuförderst die Nachsicht mir von Ihnen er-
bitte, daß anstatt der versprochenen 2 Ex. Wochenschrift
nur 1 Ex. beiliegt; zu meinem Schrecken erfuhr ich, daß nur
noch ein paar Exe vorräthig und fast ebensoviele schon ver-
sprochen sind und so war ich genöthigt eines zurück zu neh-
men, hoffentlich hat die Verlagshandlung noch einige Ex. auf
dem Lager, dann erfülle ich nachträglich mein Wort.-
Ich erlaube mir an Sie beide ein förmliches Einladungs[-]
schreiben zu unserer erziehelichen Versammlung beizufü-
gen, vielleicht machen Sie es beide doch noch möglich dabei
zu erscheinen; es wäre gewiß wesentlich indem ein
großer Theil von den Landschullehrern des Landes und
der Umgebgend an den Mittheilungen an den Verhandlungen
Antheil nehmen werden, wodurch gewiß viel guter
Saame ausgestreut werden könnte und wir uns auch
in unseren gemeinsamen Bestrebungen noch inniger ver-
ständigen und einigen würden.
Mein Associe des Verlagsbuchhandels war so eben bei mir
und ich kann Ihnen nun zu meiner Freude berichten, daß
er auf die Verlagsübernahme Ihrer Kindergedichte eingeht
nur meint er es sey zuerst am besten solche so einfach als
billig und so zuförderst ohne Illustrationen u Notenbeilagen
hinauszuschicken; wenn sie Anklang fänden so könnte das Weitere
mit Erfolg nachkommen. Er trägt mir nun bester He. Dr. Müller
auf Sie bestimmt zu fragen, unter welchen Bedingungen Sie
uns Ihre Gedichte bei einer Auflage von 1000 als Verlagsar- 
[1R]
artikel zu überlassen geneigt sind.- Damit das
Werkchen zur rechten Versendungszeit fertig werde,
bittet er um Ihre gefällig baldigste Erklärung.
Eine künftige illustrirte Ausgabe könnte dann, sobald
man nach der Versendung sehen wird, daß das Werkchen
geht - sogleich vorbereitet und die Illustrationen einiger
Liedchen versucht werden, ebenso einige Compositionen.
Ich freue mich gar sehr auf das mögl[iche] Erscheinen des
lieblichen Büchelchens.
Für heut kann ich dem Briefe nichts weiter hinzu[-]
fügen: versuchen Sie wenn sich Ihnen dazu Gelegenheit
zeigt den beiliegenden Aufsatz aus dem Conversations-
blatte weiter in entsprechenden vielleicht Localblättern
u.s.w abdrucken zu lassen, daß nur der Gegenstand
zunächst an historischer Verbreitung gewinnt.
Über das - wie gesagt 30 Jahr alte Schriftchen
"Durchgreifende Erziehung u.s.w"
bin ich begierig gelegentlich Ihr ganz offenes Urtheil
zuhören [sc.: zu hören] denn - nur die Wahrheit, Offenheit, Auf[-]
richtigkeit wird uns frei machen.
Mit herzlichem Gruße

der Ihrige
Friedrich Fröbel
[2]
[leer]
[2R]
[nicht kopiert; enthält Anschrift, u.a. wohl den Text: an die "beiden Herren Doctoren und Freunden Müller u. Uhle in Halle"]