Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F.: Rundschreiben an <"erziehende Männer und Frauen“> in verschiedenen Orten v. <Ende> 7.1851 (Marienthal)


F.: Rundschreiben an <"erziehende Männer und Frauen“> in verschiedenen Orten v. <Ende> 7.1851 (Marienthal)
(KN 57,15, Reinschrift 1 S. Das undat. Rundschreiben ist integriert in den Brief an Carl Rohrbach v. 12.9.1851 KN 57,15 1 Bl 8° 2 S., dort 1V Mitte- 1R Mitte, und wird als Abschrift eines Briefs bezeichnet, den Rohrbach relativ spät erhielt und der gleichlautend bereits an mehrere "erziehende Männer" [und Frauen] gegangen sei. Dieser Rundbrief liegt auch vor als Brief an Kühne v. 24.7.1851, ed. Ulich 1935,12-15; bei Ulich auch die Versandliste des Rundschreibens an 22 Männer und 9 Frauen. Mit Sicherheit ist das Rundschreiben im Juli, möglicherweise Ende Juli 1851 abgefaßt worden. Das Datum „24.7.1851“ /Brief an Kühne ist als Abfassungsdatum für den Rundbrief möglich, aber nicht zwingend.)

Geehrter Herr!

Im Laufe dieses Monats fanden sich in dem gastfreundlichen
Zimmer einer in Liebenstein verweilenden Dame mehrere
pädagogisch einander befreundete Männer (Middendorff
aus Keilhau, Rector Köhler aus Corbach, Diesterweg aus Berlin
und der in Auftrag Unterzeichnete) zusammen. Die Unter-
haltung drehte sich um päda[go]gische Zeitansichten u Bestrebungen
namentlich von Seiten des weibl Geschlechtes u für dasselbe. Die
Ansichten der Dame u. der Männer stimmten zwar in
wesentlichen Punkten überein, gingen aber auch in andere[n]
auseinander, und zwischen beyden lag eine Mitte, über welche
die Männer bekannten, noch nicht zur ganz entschiedenen Ueber-
zeugung gekommen zu seyn. Trotz dem, oder wegen dem fanden
die Anwesenden in dem freyen Austausche der Meinungen
eine solche Befriedigung, daß der von Einem ausge-
sprochene Wunsch, es möchten die verhandelten u ähnliche Gegen-
stände in einem weiteren Kreise von Frauen u Männern
besprochen werden, und wo möglich zu einem bestimmten, wenn
auch nur vorläufigen Abschluß gebracht werden, mit Zu-
stimmung vernommen wurde. Denselben zu realisieren,
ist der Zweck dieser Mittheilung; und es ergeht darin durch die
Unterzeichneten auch an Sie, geehrter Herr, wie an andere,
an pädagogischen Bestrebungen thätigen Antheilnehmenden
Frauen u Männern hiermit die Einladung, der zu dem ver-
abredeten Versammlung beyzuwohnen. Dieselbe wird in den /
[1R]
Tagen des 27. 28 u 29n Sept. d. J. in Bad Liebenstein Statt
finden. Am ersten Tage, Sonnabds den 27st Sept. soll von 9 Uhr ab
kleiner noch nicht schulfähiger Kinder namentlich durch Kindergärt[en]
den Gegenstand der Besprechung bilden; am Nachmittag desselben
Tages der pädagogische Beruf der Frauen u ihrer Ausbilder
für denselben an die Reihe kommen. Der Vormittag des
folgenden Tages kann, je nach dem Beschluß der Versammlung
oder einzelner Glieder derselben, denselben oder ähnlichen pä-
dagogischen Tagesfragen, welche ausschließlich den Vorwurf
der Versammlung ausmachen solchen [sc.: sollen], gewidmet werden; am
Nachmittage des 2ten Tages findet ein Kinderspielfest unter
Leitung des Unterzeichneten Statt. Der 3te Tag wird die Ver-
abredung zum Abschluß bringen und verwandten Gegenständen
gewidmet werden. In solcher Weise glaubten die Obengenannt[en]
die Tage der Versammlung lehrreich und fruchtbar zu machen.
In Hoffnung Ihrer Zustimmung zu den dargelegten Tendenzen
erlaubt sich der Unterzeichnete, Sie geehrter Herr
"ergebenst zur Theilnahme an der beabsichtigten
Versammlung einzuladen, indem ich zugleich b[e]yfüge,
daß es sehr gern gesehen würde, wenn Sie noch andere
an pädagogischen Bestrebungen der gedachten Art Antheil
nehmende Frauen, Jungfrauen mit eingeschlossen und
Männer zur Betheiligung einladen wollen. Über
diesen Punkt, so wie über Ihre persönliche Theilnahme
erbitte ich mir eine gefällige wo möglich zusagende
Erklärung."
Hochachtungsvoll und mit herzlichem Gruße mich unterzeichnend
Ihren
Ergebenen
Friedrich Fröbel.