Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Marius Bendsen in Jena v. 26.8.1851 (Marienthal)


F. an Marius Bendsen in Jena v. 26.8.1851 (Marienthal)
(BN 377, Bl 1-2, Brieforiginal 1 B 8° 3 S., zit. DDR-Gedenkschrift 1952, 142)

Marienthal am 26 August 1851


Lieber Marius

Deine Forderung an mich beträgt wie Du wissen
wirst 96 fl[orin = Gulden]. 44 Xr [= Kreuzer] Rheinl[ändisch Courant] thut in prßCt. Rth 55-8½ Sgr.
Dagegen empfingst Du
1. Anweisung an Sostmann Rth. 11. 24 Sgr.
2. 1 Juni d.J. baar Rth 20 -- "
3. 4 Juli d.J. baar Rth 10. -- "
Also im Ganzen baar Rth. 41. 24.
_______________________________
Bleiben demnach Rest Rth 13. 14½.
Zur Erstattung Deines bezahlten Postportos und Brief[-]
trägergeldes von wegen meiner säumigen Zahlung --" 15½
_________________________________________________
Demnach empfängst Du noch baar Rth. 14" -- .
Welche Rth 14 nicht nur beiliegend mit meinem recht herzlichen
Dank für Deine mir durch Bezahlung Löhns erzeugte Gefälligkeit
und bewiesene Freundschaft in Cass: Anw. folgen, sondern ich bitte
Dich auch wegen dieser jetzt verspäteten Zahlung recht sehr um Nachsicht.
Ich wollte Dir den Betrag erst sogleich durch den gefälligen Bringer
Deines jüngsten l. Briefes übersenden; allein theils eilte er mir
unerwartet schnell davon, andern theils fand ich es gerathner mit
der Post zu thun. Aber hier traten so viel Störungen dazwischen,
daß ich meinen, mir täglich ausgesprochenen Vorsatz nicht aus-
führen konnte.
Wenn nichts Störendes in den Weg kommt so soll unser Lehrertag in
Bad Liebenstein am 27 - 28 u 29 Septbr abgehalten werden. Leider kann
ich dazu nicht Öffentlich einladen, weil ich den Gästen wenig oder Nichts
von dem bieten kann, was Rudolstadt so freigebig als schön in so reichem
Maaße reichte, den[n] Bad Liebenstein ist klein und nur in einem kleinen Gebäude,
was zu meiner Verfügung steht werde ich nach Art der Einquartirung en masse mehreren freye Wohnung
geben können. Bis jetzt aber haben sich nur wenige bestimmt zur Theilnahme aus
der Ferne gemeldet:- Aus Baden Baden - aus Arolsen – Corbach - vielleicht (?)
2-3 Naturforscher Dr Karl Müller - Dr Otto Ule - Dr Gustav Scheve. /
[1R]
Dr Diesterweg wird schon Anfangs 7br kommen; wann Midden-
dorff
weiß ich nicht. Es wird alles darauf ankommen,
welche Wirksamkeit das preuß[ische] Verbot der Kindergärten
auch in meinem friedlichen Liebenstein u Marienthal bewirken
wird, d.h. welche Ansichten sich dadurch in den für unser Ländchen höch-
sten Regionen sich dadurch feststellen. Zunächst werde ich bei dem
pr: Ministerium auf Aufhebung des Verbotes antragen; daß [sc.: das]
meinen Freunden durch die Dorfzeitungen u.a. bekannt machen. Ob
ich etw es erreiche zweifle ich, liegt mir auch gar nichts daran, habe
so genug zu thun, auch meinen ächten Freunden wird nichts daran
liegen es sey denn daß man das Leben der gesammten deutschen Kindheit
unter das schwarze, weißgefranzte Todten- und Leichentuch begraben
wollte; aber selbst auch dagegen kann ich nichts sagen, wenn das
deutsche Vater- und Mutterherz, wenn es der deutsche Brüder- Schwestern[-]
und Familiensinn zu ertragen im Stande ist. Alle diese haben lange
genug einen halben Todtenschlaf geschlafen es ist gut, wenn man endlich
klar erfahren wird, daß sie alle, alle, alle mausetodt sind; dann
wird man doch wenigstens einer Teuschung frei die, der Hoffnung auf endliches Erwachen[.]
- Hätte ich es überhaupt nicht um der Schwachen und um der Kinderchen
willen gethan, um meinet- und um der Sache willen wäre ich nicht
beim pr: Minister: um Aufhebung des Verbotes eingekommen -
gehören doch mir und meinem Wirken und Schaffen doch die ewigen
Natur- und Lebens-, die Weltallsgesetze; gehört mir doch die -
- Ewigkeit. Laßt doch alle Bummler in dem verschiedensten Sinn
und in den mannichfachsten Weisen Bummeln so lang sie Lust haben,
die Menschheit besteht ohne sie fort und sie wird ein Schattenthal finden,
ein sonniges, worin sie sich friedlich u heimatlich fortbildet.
- Die Schweden, die Schwedischen Doctoren und Professoren
spielen und spuken immer um mich herum auch hier war einer,
lange schon war er hier und erst eine zufällige Gelegenheit er-
griff er um sich mir vorstellen zu lassen; ob er gleich wie er sagte
so lang schon gewünscht hätte mich kennen zu lernen. Ein Weg von 20
Minuten vielleicht 15 hätte seinen Wunsch erfüllt. Zwei andere
haben mich theils von Dresden, theils anderswoher grüßen und mir
ihren Besuch ankündigen lassen; aber wer nicht erschien waren die
schwedischen Herrn Professoren und Doctoren. Ernst und Festigkeit ist die /
[2]
Grundlage, Ausdauer ist der Magnet welcher mich den Menschen
und die Menschen mir fest verbindet. Im Schwanken kann
nichts Wahres und ächtes Wurzel fassen. Genug ich habe
mir die Schweden andern gedacht:- klaren Geistesauges leicht
und fest eine Idee erfassend, sie gründlich auf Anwendung im wirk-
lichen Leben prüfend und dann mit stillem sinnigen Ernste und
Ausdauer darein ein- und darin ausführen. Genug es ist gut
wenn man den Kreis seiner Erwartungen immer mehr beschränkt.
Willst Du den von Dir genannten H. Dr Suedborn in Stockholm
freundlich von mir grüßen (:ich wollte erst sagen zum Überfluß:)
und ihm, wenn es Deine Sendung gestattet das jüngste Schriftchen Diester-
wegs
mit überschicken, so wird es mich freuen.
Eben lese ich in der Dorfzeitung eine Bemerkung bei Gelegenheit
der Bekanntmachung der pr[eu]ß[ischen] MinisterialVerfügung, sie ist gut
gemeint; aber was will der Schlappschwanz: auch wenn man
mit den "Übertreibungen" nicht einverstanden ist. Was ist und heißt
denn der verehrlichen Redaction Übertreibung?- Ist's Übertreibung
wenn ein Eichkern, eben blos im Gefühl, daß er ein Eichkern sey
vor Jahrtausenden voraus gesagt hätte alles was sich in diesen Jahr-
tausenden mit ihm zutragen würde, und ist es Übertreibung
wenn ein jetzt von diesem Eichbaum abfallender Eichkern die
Anlage u Kraft zu einer tausendJährigen Entwickelung, versteht
sich in ungehemmter allseitiger Lebenseinigung in sich fühlt.
Wie beschrenkt ist doch der Menschen Denken u noch beschränkter
ihre Rede.
Auch in der preuß[ischen] NationalZeitung soll und steht schon eine
schöne Entgegnung gegen die pr: MinisterialVerfügung. Sollten
Dir irgend ähnliche Entgegnungen in öffentlichen Blättern
entgegen kommen, so gieb Dir doch die Mühe solche abzuschreiben
und mir zuzusenden; auch an Deine Freunde thue die gleiche
Bitte, denn wer kann alles allein lesen, besonders kommen
in meine Einsamkeit nur ein paar Blätter.
Also auf ein baldiges weiteres mittheilendes Wort von
Dir mit einem besten Gruß von Luisen und mir
D. FrdFrFr