Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Preuß. Ministerium des Innern zu Berlin v. 27.8.1851 (Marienthal)


F. an Preuß. Ministerium des Innern zu Berlin v. 27.8.1851 (Marienthal)
(Es liegen zwei Schreiben vor: a) dat. Entwurf BN 710, Bl 18, 1 Bl fol. 2 S., Korrekturnotizen Marenholtz-Bülows auf dem Rand sind in den Text mit *-* eingefügt; b) dat. Abschrift von Marenholtz-Bülow in BlM XXI,7n, Bl 374-375, 1 B 8° 4 S.)
(Zeilenverhältnis nicht 1:1)

a) Entwurf

An das Königl. Preuß. Ministerium des
Innern in Berlin
Der Preuß Staatsanzeiger vom 23 d. Mon.
veröffentlicht nachstehende eine
”Verfügung vom 7 August 1851 betr: die
Schließung der Kindergärten nach Fröbel’schen
Grundsätzen.”
Auch ein Bericht vom 27. Mai <? ?>
wie die von der K. Regierung von
Da nun dieser ministeriellen Verfügung
eine ganz wesentlich[e] Namens- Personen- und so[-]
mit Bestrebens Verwechselung zwischen zwei
Männern von zwar gleichem Familien Namen,
allein von ganz verschiedenem Alter und entgegenge-
setzten Lebensbestrebungen zwischen
Karl Fröbel
und
Friedrich (Wilhelm August) Fröbel zu Grunde
liegt, wie namentlich aus der klar hervorge-
hobenen Begründung dieser Verfügung auf
Karl
Fröbels Schrift *Verwechslung der Per-
sonen, und deren Bestrebun-
gen zu Grunde liegt, indem wie
aus der klar hervorgehobenen
Begründung dieser Verfügung
auf Karl Fröbels Schrift * Hochschule für Mädchen und
Kindergärten sogleich hervorgeht *so halte ich es für
m. Pflicht
* so ist es mir Pflicht
gegen alle diejenigen, welche nicht nur meinem
praktisch erziehenden Wirken seit nahe 35
Jahren und seit 13 Jahren meinen besonderen Be-
strebungen den Kindern noch nicht schulpflichtigen
Alters, unter den Namen Kindergarten eine
entsprechendere Pflege und entwickeln-
de Beschäftigung zu geben, ihre förderliche Theilnahme
ja hohen Schutz schenkten, dem K. Ministerium
des Innern meine erziehende die Schriften welche sich
besonder auf diesen letzten Punkt beziehen
vorzulegen
um *über m. Bestrebungen vorzulegen*
Nach deren strengen Prüfung
*wird sich unzweifelhaft auf deren daß nur*
die klare Überzeugung sowohl der völligenr
Personen[-] als auch ganz besonders der Bestrebungs-
Verwechselung zu gewinnen kund thun.
Ich hebe hier namentlich diejenigen meiner
Schriften, die Mutter[-] und Koselieder hervor
welche die Grundlage und der Ausgangspunkt
der Bestrebungen meiner Kindergärten bilden;
hier wird von dem ersten Worte dieser Schrift
ächte Empfindung der Mutter beim Anschauen
ihres ebengeborenen Kindes an bis zu dem
letzten in derselben, im Kirchenfenster
klar hervorgehen, daß mich und meine
Bestrebungen nicht nur keine von den Be-
schwernissen treffen worauf sich das mini-
sterielle Verbot der Kindergärten gründet /
[18R]
sondern ganz im Gegentheil, daß meine
erziehenden Bestrebungen überhaupt das aller[-]
tiefste religiöse Fundament wie ganz namentlich
die tiefste und unzweideutige christliche Grund[-]
lage hab und somit das Ziel haben: dem Menschen[-]
leben von der frühesten und ersten Kindheit
an die allseitige Entwickelung zu geben
welche unzweideutig das Heil des Einzelnen
den Seegen der Familien, das Glück des bürger[-]
lichen Lebens und das Wohl aller Lebensverhält[-]
nisse *auf der absolut christlichen Weltanschauung* begründen.
Und so glaube ich meine geziemende Bitte
gerechtfertigt, nach der aus der strengsten
und unpartheiischen Prüfung meiner Schriften
und meines gesammten, der Öffentlichkeit im
großen ganzen bis ins Kleinste klar
vorliegen[den] Thuns und Strebens,
die so leicht mögliche Personenverwechselung
in gleicher Weise wie das erwähnte Ver-
bot zur öffentlichen Kunde zu bringen
sondern aber ganz namentlich besonders aber das so
mich und meine Kindergärten ganz
durch diese Personen[-] u Bestrebungsverwechslung
unverdient treffende Verbot als einen
natürlichen Act der Gerechtigkeit aufzu[-]
heben.
*Bei der immer noch unzu[-]
reichenden schriftl. Darlegung meines
Systems: Naturgemäße Ent-
wicklung des Menschen in
d. ersten Lebensjahren,
geht zugleich m. Bitte dahin:
m. thatsächliches Wirken u gan-
zes Leben in allen Bezügen durch
dazu geeignete Personen,
welche mit der erziehenden
Entwickl d. ersten Kindheit
vertraut hier in M. in d.gründl
Weise prüfen z lassen
*
Sollten dazu aber gegen mein Hoffen die
eingereichten Schriften ohngeachtet der einfach
offenen klaren Rede welche sie führen nicht hin[-]
reichend erscheinen, so bitte ich weiter ehrer[-]
bietig mein thatsächliches Wirken und ganzes
Leben in allen Beziehungen durch dazu geeignete
erziehende Personen die Forderungen des Kindheit[-]
Lebens und dessen von Gott ihnen in Entwickelungsgang von Gott in
sie gelegten Entwickelungsgang und dessen
Gesetze kennenden Personen hier in Marien[-]
thal (wo ich seit Mai 1849 unter den
unmittelbaren Augen selbst des ganzen Herzogl Hofes wirke) in der
geeignetsten und gründlichsten Weise
prüfen zu lassen.
In der ruhiger Erwartung der Erfüllung meiner gewiß ganz gerechtfertig[t]en geziemenden Bitte
unterzeichne
ich mich in Ehrerbietung
Friedrich Fröbel
Friedrich (Wilhelm August) Fröbel

b) Abschrift

[374]
An das Königl. Pr. Ministerium der geistlichen und Unterrichtsangelegenheiten
Der Preuß. Staatsanzeiger vom 23. d M. veröffentlicht eine ”Verfügung vom 7. Aug 1851 betr. die Schließung der Kindergärten nach Fröbelschen Grundsätzen.”
Da nun dieser ministeriellen Verfügung eine ganz wesentliche Verwechslung der Personen u deren bestrebungen zu Grunde liegt, wie aus der klar hervorgehenden ”Begründung” dieser Verfügung auf Karl Fröbels Schrift: ”Hochschulen für Mädchen u Kindergärten” hervorgeht so ist es mir Pflicht gegen alle Diejenigen, welche meinem praktisch[-]erziehenden Wirken seit nahe 35 Jahren und seit 13 Jahren meinen Bestrebungen: den Kindern vor dem schulpflichtigen Alter unter den Namen ”Kindergärten”, eine entsprechende Pflege u entwickelnde /
[374R]
Beschäftigung zu geben, ihre förderliche Theilnahme, ja hohen Schutz schenkten, dem Königl. Ministerium die Schriften über meine Bestrebungen zu deren nähere Kenntnißnahme vorzulegen. Nach deren strenger Prüfung wird sich unzweifelhaft die klare Überzeugung einer Personen- u Bestrebungs-Verwechselung kund thun. Diesem schon bei der NamensGleichheit der FamilienNamen öfters vorgekommenen Fall, bin ich auch öffentlich schon mit der Erklärung entgegengetreten, daß meine Grundsätze nicht nur denen der Hochschule u ihrer Förderer entgegenstreben, sondern daß es auch mein Bestreben sei auf dem Erziehlichen Wege den destruktiven Sendungen entgegen zu wirken, indem ich den Geist der Gesetzmäßigkeit in dem neuen Geschlechte vor Allem zu <verbreiten> suche, wie dies gar leicht aus den angewandten Mitteln zu ersehen erkennen ist.
Unter meinen Schriften erlaube ich mir namentlich die der /
[375]
”Mutter[-] u Koselieder[”] hervorzuheben, welche die Grundlage u den Ausgangspunkt der Bestrebungen meiner Kindergärten bilden. Hier Aus denselben wird von dem ersten Worte (”Empfindung der Mutter beim Anschauen ihres neugebornen Kindes”) an bis zu dem letzten (”Das Kirchenfenster”) klar hervorgehen, daß mich u meine Bestrebungen Wirken nicht nur keine von den Beschwernissen treffen, worauf sich das ministerielle Verbot der Kindergärten gründet, sondern daß ganz im Gegentheil, meine erziehenden Bestrebungen das allertiefste religiöse Fundament, u namentlich d[ie] unzweideutig vollkommenste christliche Grundlage haben. Sie haben das Ziel, das Heil des Einzelnen, den Segen der Familie, das Glück des bürgerlichen Lebens u das Wohl aller Lebensverhältnisse auf der absolut wahren christlichen Weltanschauung zu begründen u. es ist m. tiefste Überzeugung, daß dies nur auf dem Wege der Erziehung überhaupt, u einer größeren Beachtung der menschlichen Entwicklung in ihrem {Anfange / Beginne} zu erreichen steht ist. /
[375R]
So glaube ich denn meine geziemende Bitte gerechtfertigt: nach strengster unpartheischer Prüfung meiner Schriften, wie meines gesammten, der Öffentlichkeit im großen Ganzen bis ins Kleinste klar vorliegenden {Thuns/Lebens} u ja meines ganzen Lebens Strebens,
die so leicht mögliche Personen- wie Bestrebungsverwechslung in gleicher Weise wie das erwähnte Verbot zur öffentlichen Kunde zu bringen, besonders aber, auf das mich u meine Kindergärten unverdient treffende Verbot als einen natürlichen Akt der Gerechtigkeit aufzuheben.
Bei den immer noch unzureichenden schriftl. Darlegungen {meines Systems/meines Ganzen} naturgemäßer menschenwürdiger Entwicklung des Menschen Kindes in seinen ersten Lebensjahren, geht zugleich m. Bitte dahin: mein thatsächliches Wirken u ganzes Leben in allen Beziehungen durch dazu geeignete Personen, welche mit den Forderungen der erziehenden Entwicklung der ersten Kindheit vertraut, hier in Marienthal (wo ich seit Mai 1849, selbst unter den Augen des ganzen Herzo[g]l Hofes wirkte) in der geeignetsten u gründlichsten Weise prüfen zu lassen.
In ruhiger Erwartung der Erfüllung meiner gewiß gerechtfertigten u geziemenden Bitte
unterzeichne ich mich
in Ehrerbietung
Friedrich (Wilhelm August) Fröbel.
Marienthal d. 27 Aug 1851.
Bei Eisenach.