Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an die Redaktion der Dorfzeitung in Hildburghausen v. 28.8.1851 (Marienthal)


F. an die Redaktion der Dorfzeitung in Hildburghausen v. 28.8.1851 (Marienthal)
(Überliefert sind 3 Texte: Im BN 721, Bl 6-7 a) undat. Entwurfsfragment als Notiz 6V auf Eingangsschreiben 1 B 4° 2 S. der Redaktion der „Dorfzeitung“ v. 27.8.51. b) Der 2. Entwurf/Fragment, datiert auf den 28.8.1851, liegt in BlM XXI,7e, Bl 357-362, 3 B 8° 11 S. c) Eine Abschrift/Fragment liegt in BlM XXI,7d, B. 351-356, 3 B 8° 9 S.)

a) Entwurfsfragment

so erklärt sich mir das G[a]n[z]e
um dem in den Mann <förderlich doch scheinenden Born> wahrer
tiefer Begründ[ung] der Sache <ich> zu <voll>
so freud[i]g begrüßten S sie die Obern d[es] He. Schulr nicht im Gegentheil wie ich höre hat einer oder mehrere
derselben den He. Schulr zu sich beschieden und ihm seine Begeister[u]ng mit dem eisigen Wasser des Vorwurf[s] abgekühlt
alles daß geschah in der 1en Hälfte des M. Jul. dieß schien nun aber d[em] He. Minister zu stark, daß der Geist der KG
eine solche <Unruhe hervorgehe> u so erschien nach kurzer Berath[ung] weiter veranlaßt d[urc]h Vorfälle in Nordh. das N bekannte Verbot, <jedoch mit> Vorsicht

b) 2. Entwurf

Marienthal am 28 August 1851.

An die verehrliche Redaction der Dorfzeitung zu Hild[b]urgh[au]sen
Auf Ihre fragende Zuschrift vom Gestrigen meine ich Folgendes
antworten zu können, daß nemlich das K. P. MinisterialVerbot
eine ebensolche Mehrheit unklar in einander verschwimmender innern Ursachen
hat, als es äußerlich unklar und fast mit Willen, wie es mir erscheint dünkt,
unbestimmt und zweideutig, verschlungen begründet zu seyn scheint ist. Ich muß zur Recht-
fertigung meiner Ansicht weit zurückkehren: - Im Jahr 1840 gründete
ich bekanntlich zur Feyer des Gutenbergfestes den ersten deutschen
Kindergarten, auszuführen durch Frauen- und Jungfrauen-Beiträge
in ganz Deutschland; auch Preußen wünschte ich möchten sich dabei bethei-
ligen; allein ich wurde bald bedeutet, daß, zu solchen Beiträgen öffent-
lich einzuladen, es der Erlaubniß des betreffenden Ministerium[s] be-
dürfe. Ein Mann in Berlin, in namhafter amtlichen [sc.: amtlicher] Stellung, wie achtbar so, in die-
ser hohen Achtbarkeit anerkannt, meine Bestrebung auch wie anerkennend so förderlich schätzend; so
förderlich anerkennend in Berlin
, übernahm es, mein Gesuch, dasselbe
bet persönlich vertretend, zur Kenntniß des betr. Ministeriums zu bri[n]gen
worauf jedoch bald, ich glaube auf den Grund einer ausländischen
Unternehmung in einem amtlichen Erlasse - welcher sich noch unter
meinen Papieren finden muß - abschläglich geantwortet wurde.
Ich legte darauf, nach meiner Ansicht von solchen Hemmnissen, wenig
Werth und erwähne diesen Vorfall auch hier blos um nachzuweisen
erstlich daß das Bestehen der Kindergärten mindestens seit einem
Jahrzehnt der Preußi. UnterrichtsBehörde, und ebenso auch daß
zweitens Friedrich Fröbel der Begründer derselben sey, wohl bekannt
war. Ich kann mir auch gar nicht denken, daß dem K. P. Ministeri[u]m
des Unterrichtes mindestens dem Referenten in dieser Nam Sache der
Name Friedrich Fröbel, als Begründer der Kindergärten, unbekannt
geblieben seyn sollte; ja ich werde nachher zu einer Thatsache kommen
welcher fast die Unmöglichkeit dieses Nichtwissens nachweist. Und
dennoch umgeht die Ministerial Verfügung, wie es scheint mit Zwang
und Absicht die Erwähnung von Friedrich Fröbel. Mir scheint sich dieß
nun so zu lösen: Die Kindergärten schon an sich auch <vorher> aber in ihrer Anerkennung, welche sie vielseitig
im Leben finden, in ihrer Verbreitung u[.]s.w.sind dem Ministerium schon an sich
als Keime der Volksbildung, im Allgemeinen mißliebig; allein jedoch besonders
seit der Zeit, als sich nicht allein überhaupt geistige und strebende Menschen /
[357R]
sondern namentlich seit sich die freien Gemeinden sich derselben, ich möchte
sagen aus einem gewissen Naturtriebe, aus höherem Lebens Instinkte
ihrer pflegend annahmen, in ihnen den ächten Keim und Halt-
punkt
einer wahren geistig tief begründeten Lebensein[i]gu[n]g
und Einheit fanden welcher sich in ihrem eigenen Leben und Be-
strebungen noch nicht herausgelebt hatte: So unlieb nun
aber dieses Festhalten, und Pflegen und Fortschreiten der Kindergär[-]
ten besonders in den freien Gemeinden waren den Unterrichtsbehörden
genug dem pr. Gouvernement war, so konnte man doch nichts
Haltbares wie gegen die Principien der Kindergärten u noch gegen
das Leben, Handeln und Streben ihres Begründers FriedrichFröbel
sagen, deshalb wurde auch dessen Name in der Ministerial Ver-
fügung gänzlich, und wie mit Zwang übergangen, sondern und nur
von Kindergärten nach Fröbel'schen Grundsätzen ganz im Allgem.
gesprochen, jedoch dieses, eigentlich ganz allgemeine Gebot, auf die
genannte Schrift Karl Fröbel's gegründet, weil dieser, unglück-
seliger Weise, auf dem Titel "Hochschulen für Mädchen und Kin[-]
dergärten
" mit einander verknüpft hatte[.] Ich kenne diese Schrift, ob ich
sie gleich einmal besessen, leider in ihrem Inhalte wirklich nicht,
doch soll sie Stellen, Aussprüche und Forderungen enthalten mit
welchen bestehende Regierungsformen und namentlich das preuß.
Gouvernement sich wenig einverstanden finden sollen, politische und
religiöse Grundsätze, welche zu bekämpfen seyen, genug ich kenne
sie nicht,
und so mußte die Schrift Karl Fröbels die Ursache abgeben und
den Grund ab beigeben die Kindergärten als solche, unter dem
allgemeinen formal der Kindergärten nach Fröbel'schen Grundsätzen, und ich glaube
ganz bestimmt zunächst hauptsächlich nur um der freyen
Gemeinden willen, zu verbieten, um ihnen jedes Mittel selbst zur,
wenigstens innern Aus- und Fortbildung zu benehmen.- Je-
mehr ich mich, dieß niederschreibend, - mit dem Gegenstand
beschäftige, um so klarer wird mir, daß man ganz absichtlich
den Namen FriedrichFröbel in der Verfügung umgangen hat;
denn in Berlin, wo die Polyzey und ich möchte sagen, die Mini-
ster, das Kleinste wissen, ist ein Friedrich Fröbel Verein zur Förder[un]g
der Kindergärten in Berlin, in Berlin sind von Freunden der Kinder-
gärten Vorträge über dieselben gehalten worden, woran Männer
in amtlichen Lehrerverhältnissen Antheil nahmen; ja eine adliche
Wittwe glaube ich, hatte ge um Errichtung eines Friedrich Fröbel'schen Kinder[-] /
[358]
garten[s] bei in Berlin oder Potsdam selbst beim Minister - wie ich sagen höre - angehalten
und war von demselben abschläglich beschieden worden. also [sc.: Also] bekannt waren gewiß die Fr. Fröbelschen Kindergärten dem Ministerium.
Hierdurch scheint mir nun die Hochwichtige [sc.: hochwichtige] Thatsache ganz fest
zu stehen, daß zwar die Kindergärten und natürlich die Friedrich
Fröbelschen, oder
die Kindergärten nach von Fröbelschen Grundsätzen bei dem preuß. Ministerium sehr miß[-]
liebig und sehr mißliebig sind, daß war weil besonders die Vor-
wärtsstrebenden sich derselben pflegend annehmen, daß man aber
dennoch nichts gar nichts Haltbares gegen diese Grundsätze noch gegen den Gründer derselben
auffinden kann, welcher diese Grundsätze aufstellte, und so mußte
des armen Schrift Karl Fröbels [sc.: des armen Karl Fröbels Schrift] - (denn wie so w Wenige haben mögen sie
wohl gelesen haben, kennen kaum den Namen ihres Verfassers) - die wirkliche
unschuldige Ursache des Verbotes der Kindergärten treffen werden.
Merkwürdig ist bei diesem Verbote noch, daß der Reg: Bezirk Erf:
von diesem Verbote ausgenommen ist, und doch besteht in Erfurth
auch ein Privat- (nicht wie in Nordhausen ein Vereins-) Kin-
dergarten, welcher auch von keiner Preußin sondern auch von einer
Gothanerin geführt wird. Warum man also nicht namentlich die FriedrichFröbelschen
Kindergärten, sondern nur die Kindergärten nach Fröbels Grund-
sätzen im Allgemeinen verboten hat machte, dazu scheint mir ein Gr[u]nd
auch darinn zu liegen, daß viele hohe Herzogliche u Fürstliche Per-
sonen und besonders Frauen, welche mehrfach dem preußischen Hause
und Hofe ganz nahe verwandt sind die Fröbel FriedrichFröbelschen
Kindergärten in Pflege und Schutz genommen haben; und man darf nicht gleich-
sam verurtheilend durch ein Verbot der Friedrich Fröbelschen Kindergärt[en] gegen diese Protectionen aufzutreten, sich geneigt fühlte [sc.: fühlen]
so scheint sich mir dieß zu lösen; also Hauptergebniß:
Die Kindergärten gegründet von FriedrichFröbel
tragen in ihren Principien nichts in sich, worauf
eine Verurtheilung ihrer zugründen sey
und so haben Sie ganz recht gesagt, daß Sie weder etwas politisch
noch religiös gefährliches seit Jahren in den K. G. gefunden haben
- (obgleich ihre Ausbreitung besonders in und unter den
freien Gemeinden in [sc.: im] Königr: Pr: zunächst, höchst mißliebig [ist].)
Dieß aber zunächst nur ein Grund des Verbotes und seiner Form nun der zweite,
wohl wie Sie ganz richtig ahnen, die Theilnahme Diesterwegs
an den Kindergärten. Es ist mir von vielen Seiten aus Berlin
ausgesprochen worden, daß die Theilnahme Diesterwegs für
die Verbreitung der K. G. in Berlin ein bedeutendes Hinderniß sey; wir
wissen es beide, wir können es aber nicht ändern; denn ich pflege /
[358R]
die Theilnahme eines Jeden an der Sache der Kindheit und somit
der Menschheit, ohne mich um sein politisches noch religiöses
Glaubensbekenntniß zu bekümmern, denn zuletzt singen wir
doch alle: "Wir glauben all an einen Gott!" Ebensowenig
kümmre ich mich um Alter und Stand, wer der Sache seine
Aufmerksamkeit schenkt und je mehr er dieß thut, schenke
ich ihm wieder die meine, mir gleich, ob Fürst oder der
Geringste der Väter einer.-
Auch die Theilnahme noch anderer Personen, welche etwas stark
hervor getreten seyn sollen, soll der Sache in Berlin geschadet
haben, und dieß ist eben das Merkwürdige derselben daß
sie, die Sache, im Kampfe mit dem Widrigen nicht nur erstarkt
sondern, wie das Gras in Norwegen oder im hohen Schweden, eben
unterm Schnee grünt u wächst[.]
Nun aber noch das Dritte und letzte, was wie ich glaube wenigstens für die
schnelle Erscheinung und die Form <besonder[e] Form> des Verbotes wesentlich entschieden hat.
Gewiß ist Ihnen der Schulrath Bormann für den Reg: Bezirk.
Brandenburg namentlich bekannt; auch wissen Sie wohl, daß
man ihn [sc.: ihm] Schuld giebt, daß er eben nicht auf der Seite des Fort-
schrittes stehe, sondern daß Manche ihn zu den Dunkelmännern
rechnen; ich weiß es nicht, er ist mir auch in der Zeit seines hie-
sigen Aufenthaltes nicht so erschienen. Genug, er war in dieser
Saison 10-14 Tage hier, besuchte mich zum Öftern, und nahm
so eingehenden Antheil an den sich auf Anschauung, Darlegung
und Nachweisung gründenden Mittheilungen, daß er wirk-
lich für die Sache meiner Bestrebungen wahrhaft begeistert
wurde, und sich hier viel, in gleicher bestimmter Weise, gegen
mehrere der achtbarsten Curgäste aussprach; genug, [{]er / Bormann[}]
schied als einer meiner treuesten Anhänger und als der ernsteste
Vertreter meiner Sache von hier, doch traute ich ihm nicht; bald
darauf sandte er mir zwei preußische Lehrer zu, durch welche
er mir sagen ließ eine Broschüre über seinen Aufenthalt hier,
sey unter der Presse; und sie erschien - in einer so beistimmenden
Weise, daß ich ganz erstaunt war; noch mehr waren es [die]
Berliner; diese Broschüre mag in der ersten Hälfte des Monats
Juli in Berlin und zwar sogleich in doppelter Ausgabe erschienen
seyn, zuförderst im Schulblatte für Brandenburg, dann als beson-
derer Abdruck. Genug aber, so freudig u. dankbar ich diese Erscheinung begrüßte /
[359]
so freudig und dankbar begrüßten sie die Ohren d[es] He. Schulrath nicht,
sondern ganz im Gegentheil: - wie ich höre so hat einer oder einige
derselben den Herrn Schulrath zu sich beschieden und ihm seine Begeister[u]ng
für die FriedrichFröbelschen Bestrebung[en] und besonders für dessen Kinder-
gärten mit dem eisigen Wasser des amtlichen Vorwurfes abgekühlt.
- Zur Beachtung des innern und stetigen Entwickelungsganges des Gan-
zen muß, nach meiner Ansicht derselben, festgehalten werden, daß
dieß alles so ziemlich schon in der ersten Hälfte des Monats Juli
geschahe, das Verbot der Kindergärten aber erst am 7' August aus
dem Ministerium hervorgieng. Ich lese darum, die weiter vor mir
liegenden Thatsachen (:ob mit Recht oder nicht will ich nicht entscheiden:) dem
allen gemäß so: Dieses Ergebniß, daß selbst ein Schulrath gut conserva-
tiven
Rufes durch die Idee der Kindergärten zu einem vorwärts strebenden
werden könne; diese Wirkung der der Kindergä Kindergarten-Wirksamkeit erschien aber
doch dem Herrn Minister zu stark, daß er nun die Nothwendigkeit er-
kannte dieser Wirksamkeit und Wirkung, zur Sicherung des Conservativen
Systems, Einhalt zu thun; die Vorfälle in Nordhausen hinsichtlich der
Aufhebung des dasigen, von der freien Gemeinde ausgegangenen Kinder[-]
gartens, das Gesuch um Genehmigung des Fortbestehens desselben,
dieß alles zusammengenommen mußten [sc.: mußte] dem Ministerium nun zum
Ausgangspunkt, zur Grundf Grundlage, ich sage zum Vorwandt dienen,
das bekannte Verbot vom 7. August aus dem Ministerium des Unterrichtes
hervorgehen zu lassen; jedoch, wie es mir erscheinen will, mit sichtbarer
Vorsicht um die, in den FriedrichFröbelschen Kindergärten nach Grundsatz und
Thatsachen, doch liegende moralische Kraft, ich möchte wohl sagen den schlummern[-]
den Löwen derselben nicht ohne Noth zur Entgegnung zu wecken; daher,
nach meiner, vielleicht zu kurzsichtigen An- und Einsicht, in der Ministeri-
alverfügung die Vermengung so vieler Zuthaten, sagt die gewöhnliche Köchin,
so vieler Bestimmungsgründe zu einem Brei, aus welchem das Ein-
zelne und dessen natürliche gegenseitige Wahlverwandtschaft schwer, chemisch
auseinander zu scheiden zu sind; jedoch schien dadurch dadurch
die Thatsache einer vielfach wirkenden Fliegenklappe gewiß,
ob nun aber auch der, dadurch ausgeführte Schlag die den aus der Vor-
pup[p]ung sich freigemachten Schmetterling, das uralten Bilde der,
selbst durch den Tod freiwerden[den] Psyche getroffen hat, dieß ist eine
Frage, welche wohl, mit einem, darum endlos forthallenden Echo sich wieder holenden
holenden - Nein! nicht lang auf sich warten lassen wird.
Es bestätigt sich mir auch hier wieder - was eigentlich die /
[359R]
stetige Kette all meiner Lebensschicksale bildet, daß meine
halben, 3/4, .... 9/10 ..... 99/100tel .. u[.]s.w. Freunde, vielleicht sogar gegen
ihren Willen meine mindestens sehr hemmenden u störenden Gegner,
dagegen die, welche mir recht gründlich Böses und Vernichtendes
wollten, daß gerade diese die mächtigsten Förderer meiner
Bestrebungen wurden und es hat sich an mir hunderte von
Malen das Wort eines schweizer Bauern, welches er mir
bei einer ähnlichen Gelegenheit, zum Troste sagt[e]:
"Freuet üch, daß ihr Finde [sc.: Feinde] hebbet,
Nun gaht's gut;"
bestätigt; ob auch jetzt wieder?- Wer mag den Schleier der
Zukunft öffnen? und dennoch, dennoch möchte ich - wäre ich nicht 70 Jahre
alt in jugendlichem, 17jährigen [sc.: 17jährigem] Jünglingsübermuthe hinaus
jubeln: - Ja! Ja! Ja!- Nun ist's nicht, so habe ich auch nichts
dagegen ich habe im Kampfe für das Rechte, Gute, Wahr[e,] Schöne
Lebenseinige des Seegens und Heils - der gewöhnliche Mensch sagt
des Lohnes, genug gehabt, es mag im[m]er davon auch Etwas für
Andere, ja die ganze Menschheit, zunächst das jetzige leben[-]
de ganze Menschen[ge]schlecht und jeden Einzelnen desselben übrig
bleiben, damit er und es - wenn es ihm nöthig seyn sollte -
bei mir aber nie nöthig wie sondern wie das Sehen des Lichtes
und Einathmen der Lebensluft - einfach Lebensbedingung war - damit
jedoch es, das Menschengeschlecht, oder Er, der Einzelne, dadurch
angefeuert, begeistert werde auch für das Heil der Mensch-
heit - am Ende aber doch nur für sein eignes im Kampfe für
das Gute
- d.h. für wahre Lebenseinigung in den Kampf zu
treten - der Sieg, ja der Sieg ist gewiß, wenn ihn auch die jetzige
ja die zweite Generation noch nicht sehen sollte[t] - der Menschheit
ist er gewiß; ich aber, wir alle aber sind Menschen, sind Glieder
der Menschheit, ja wir bilden die Menschheit, darum ist der
Sieg für uns alle gewiß, wenn auch 364 Tage u Abende keinen
heil[i]gen ChristAbend bringen am 365en erscheint er doch - und dieser
macht uns alle 364 in Sehnsucht, Mühen rc verlebten vergessen
- darum verehrliche Redaction der Dorfzeitung treten Sie nur
immer, und ich freue mich wie Sie sehen jetzt ohne die geringste
persönliche Anregung von mir gethan [zu] haben - treten Sie nur
immer mit Festigkeit, Ernst und Würde für die Sache ein nicht als
eine Fröbelsche, nein! als eine deutsche - nein! nicht allein als eine /
[360]
Deutsche, sondern als eine europäische Völkersache; - nein!
nicht blos als eine solche, sondern als eine ächte und allgemein[e]
Menschheitssache, die Menschheit keimt, blühet und fruchtet aber
aus der Kindheit hervor, also als eine Sache der Kindheit;
doch ist ihnen ein anderes Wort, als eine christliche Sache lieber
so habe ich auch gar nichts dagegen, denn Christus sagt: die Engel
der Kinder sehen allezeit das Angesicht Gottes, und die anderen
Tausende und abermals tausendmal wiederholten Aussprüche
Jesu welche alle die Würde der Kindheit, die Liebe Gottes zu
den Kindern bezeichnen; was man aber beachtet und liebt das ist
unsere Sache, und so ist die Sache der Kinderwelt und der Kindheit
ja jedes einzelnen Kindes - (denn Gott beachtet u liebt die Kinder)
- Gottes Sache, das Alles liegt Ihnen ja - da Sie ja selbst Kind
waren und in gewisser Hinsicht stets auch sind und wir alle bleiben
- ebenso nahe wie mir, darum handeln Sie für die Sache mit
fester Männlichkeit, zu einem ächt würdevollen männlichen und mensch[-]
heitlichem Handeln wie in diesem Momente kommt Ihnen in solchem
Maße und solchem Umfange schwerlich die Gelegenheit so bald wieder.
[Einfügung an den Rändern von 360V/359V mit Einfügungszeichen ohne klare Entsprechung im laufenden Text und mitten im Satz abbrechend; mglw. an diese Stelle gehörend:]
Jetzt kann sich die Presse in ihrer wahren Bedeutung und Wichtigkeit zeigen, denn es handelt sich weder um etwas Politisches, noch Kirch-
liches noch Polizeyliches, sondern um etwas rein Humanes, Menschliches, nicht einmal um etwas Persönliches, da der Personen Name nur das Princip bezeichnet, [sondern um]
den Gedanken, die Idee - welche aber allgemeingültig sind. Jetzt steht es in der Hand der deutschen Presse eines, dem deutschen Volke,
der deutschen Nation ein Nationalgut zu wahren, für dasselbe einzutreten, das uns Niemand rauben soll und kann ein[e] deutsche Volks[-]
und NationalErzieh[un]g sich gründend auf der Werth Würde des Menschen, auf das ächte Familienleben, auf brüderliche Achtung, deutsche Wahrheit u deutsche Treue u Biederkeit, aber nicht
Doch da wir eben, verehrliche Redaction, durch den unsichtbar walten-
den Geist des rein menschlichen, von aller Persönlichkeit fernen, Vertrauens
geleitet, in die Tiefe des Lebens eingetreten sind, so gestatten Sie mir,
damit Sie mich in meinem Handeln, und das von Freunden der Sache verstehen, welche
mir mehr oder minder in diese Tiefen des Lebens, bei ganz zufälligen
Veranlassungen, wie dieß selbst hier der Fall ist gefolgt sind - so er-
lauben Sie mir, Sie noch einige Schritte weiter in die Tiefe und
Tiefen des Lebens einzuführen, und Sie noch mit einem eigenthüm-
lichen Geschick meines Lebens, welches den oben erwähnten bei-
den rein entgegengesetzt ist, aber eben so offen kundig wie die
genannten der Lebensbeachtung vorliegt bekannt zu machen es ist dieß die ganz ein[-]
fache Thatsache daß mir, ganz namentlich Jünglinge, welche unter
meinen unmittelbaren erziehenden Einflusse heraufwuchsen, in welchen mir
reine, edle bewußte, willensfeste, wie thatkräftige Menschheit ent-
gegen wuchs und blühete, daß mir solche Jünglinge aber in welchen
ich mich so veredelter in meinem Wirken und Streben vollkommen erkannte, so
daß uns ein ächtes Seelenein[i]ge Leben verband, daß mir solche,
und auch andere derartige Menschen frühe wegstarben, während
dagegen hemmend u störend einwirkende mir blieben; es ist dieß
eine Thatsache, welche mir in meinem Leben, wohl ½ Dzzd male /
[360R]
geschehen und - wie hat sich mir dieß das Schicksal gedeutet?- Es soll
in der Zukunft und für alle Zukunft selbst der Schein von der Sache, -
von der Idee, von dem Gedanken der entwickelnd-erziehenden
Menschenbildung, von der Bildung zu allseitiger Lebenseinigung, welche
die Kindergärten anbahnen - fern bleiben, daß diese Idee jetzt
durch ganz besondere Personen, und Thatsachenverhältnisse Wur[-]
zel gefaßt, Raum, Umfang, Anerkenntniß und Ausbildung
erhalten, habe sondern daß im Gegentheil die Idee, der Gedanke
rein durch sich, durch seine Kraft selbst unter den und durch die
größten Hemmnisse, ja durch meine eigenen Mißgriffe hin-
durch frei gemacht und Gestalt, d.h. allgemein durchgreifen[-]
de Wirksamkeit gewonnen haben, damit man nicht um
sich selbst später einmal von der Fortbildung der Idee frei
zu machen sagen könne: - Ja dem Fröbel und zu Fröbels Heil
war dieß wohl möglich dem gab das Schicksal die eingehendsten
Personen, die günstigsten Verhältnisse eine in seine Idee,
ohne die leiseste Entgeg[n]ung eingehende zahlreiche, weit verbreite-
tete [sc.: verbreitete] Familie, nichts von allem diesen kann man der Idee und
ihrer Fortbildung vorwerfen, nichts von allem diesen rein das
Gegentheil von all dem findet statt und die Meisten, ja fast
alle die jetzt fest für die Sache sind waren einst die Gegner derselben
und gestehen mir es offen, wie viele könnte ich nennen und wie
viele könnte ich Ihnen manche derselben haben es sogar öffentlich
bekannt und ausgesprochen - ja eine Person will ich Ihnen selbst
nennen von der ich selbst glaube, daß sie vom Jahr 1816 an schon
meine stille Gegnerin war jetzt aber auch noch und, wenn auch
sehr langsam und vorsichtig für die Sache sich gestimmt zeigt, und
s Sie mögen nun selbst entscheiden ob ich Recht habe; es ist dieß
die verehrliche Redaction der Dorfzeitung selbst.
Was nun aber meine Familie betrif[f]t, so ist auch nicht ein
[ein]ziges Glied meiner Familie welches den Namen Fröbel trägt,
welches zugleich Träger der FriedrichFröbelschen Idee wäre, im
Gegentheil leben alle Nachkommen Johann Jacob Fröbel[s], die noch dessen Na-
men tragen in einer gewissen principiellen Spannung mit Friedrich Fröbel
dem jüngsten Sohne erster Ehe des Ebengenannten und - ich freue mich
dessen; warum?- ?- weil man mir 1818 oder 20, als ich Fröbels Kinder
zu Trägern meiner Idee ich läugne es nicht, sondern ich bin stolz darauf, erziehen
wollte - vorwarf ich erstrebe von neuem eine Familienaristokratie
mir war die Sache fremd, ich kannte sie kaum; ich wollte meiner Familie nur /
[361]
das sichern und zwar aus Dankbarkeit sichern was ich selbst als ein Familien[-]
eigenthum und Heiligthum erkannte, dieß kann mir hoffentlich in Ewigkeit
weder jemand übel noch weniger schlecht deuten doch die Glieder derselben
schlagen mich zum Dank dafür früher oder später auf die Hand oder gar
ins Gesicht mich trösteten d[i]e zwei im frühesten Knabenalter gelesenen Fabeln
von Gellert und dennoch liebe ich die Glieder meiner Familie so innig als mög-
lich doch nicht mehr und nicht minder als jed jene beiden Betteljungen, wovon
der eine wie er auf meine Frage: woher bist du, - antwortete: ich habe
keine <Heumet> (Heimath) und der andere aber kaum ein Hemd (womit
ich in meinem frühesten Knabenalter sprachunkundig jenes Wort verwechselte) auf dem Leibe hatte - welche
in Wind und Wetter vor unsrer Hausthür standen und um 2 Heller willen
bettelnd sprachen der erste:
"Was ihr hier an den Armen thut
Das habt im Himmel ihr zu gut;
Habt ihr den Arm'n viel Guts gethan
So nehmt den Lohn von Jesum an,
In den [sc.: dem] schönen Himmelsgarten,
da wird Jesus eurer warten.
Der zweite: Laß Dich Herr Jesus Christ du
Durch mein Gebet bewegen
Komm in dieß Haus und Herz
Und bringe reichen Seegen
All Arbeit Müh u Kunst
Ohn Dich nichts richtet aus
Wo Du mit Gnaden bist
Kommt Seegen in das Haus.-["]
Durch die Gesammten Umstände machte das Ganze einen so tiefen
Eindruck, daß ich ob es gleich gewiß mehr als 60 Jahr her ist, weder
Sache noch Wort, noch weniger aber den Geist, den Sinn, die For-
derung derselben vergessen habe. Es war keine Schulforderung an
mich die Worte gleich Wörtern ohne Sachanschau[u]ng auswendig zu
lernen und doch blieben sie im Innern, wie dem Geiste, so auch den
Worten nach fest, denn Wort u Sache, That u. Wirkung erklärten sich gegen[-]
seitig sogleich, denn mit geöffnet kindlich Theilnehmenden Gemüthe
hörte ich die Worte der Knaben und Kinder die kaum ein paar Jahre
älter als ich waren, an, und es mag wohl seyn, daß durch den tiefen
Eindruck der durch manche andere Umstände das Ganze auf mich, den kleinen
Knaben dort das Ganze, so der Geist später ein qui pro quo machte, und nach
fast 2 Menschenaltern aus "Himmelsgarten" "Kind und Garten", (denn den Hinter- /
[361R]
grund hinder [sc.: hinter] den Kindern (wie noch heut zu Tage in Oberweißbach zu sehen) bildete der
Blumengarten meines Vaters, der schön gepflegte:) - einen
"Kindergarten"
machte, wie jetzt eine deutsche J[u]ngfrau und Kindergärtnerin
in Südteutschland singt:
Kindergarten - Wonnelaut
Kind u Garten - wie so traut
Kind u Garten - engverwandt
Kindergarten, Liebesband.
Warum ich Ihnen alles dieß schreibe?-? Gott aus so viel Gründen
daß wenn ich sie alle ausführen wollte ich leider noch ebenso viel
wenigstens schreiben möchte als ich eben geschrieben habe und denn[o]ch,
ists auch wieder nur ein allereinziger kleinster Punkt der
Beziehungspunkt unserer gesammten gegenwärtigen Lebensverhält-
nisse, den ich wohl nachher auch noch nennen werde; vorher erst
ein paar Einzelnheiten als zur Beantw[o]r[t]u[n]g der Frage warum?-
erstlich daß der Geist, das Leben, ich möchte sagen die Ahn[u]ng, der Keim,
das Angewehet-worden-seyn vom Geiste der Kindergärten
bis in die früheste Morgendämmer[u]ng meines Lebens hinauf
reicht was ich factisch ich möchte sagen noch jetzt nicht blos aus [sc.: an-]
schaulich, sondern handgreiflich nachweisen [kann], bis zu einer Zeit
hinauf wo für mich weder das Wort Revolution, noch die Sache
selbst noch weder Demagogie noch Demokratie u.s.w[.] u.s.w[.]
noch weniger Communi[s]mus und Socialismus u.s[.]w[.] geboren war[e]n
zweitens, daß ich in diesem Augenblicke wirklich mit den beiden armen
Ju[n]gen wirklich in einem Kindergarten, d.h. in einem geistigen
erziehlichen Wechselverkehr gelebt habe und daß dieß mehr zu
meinem Seegen war als vielleicht das zu strenge Isolirungssystem
meines Vaters, welcher mich von jeder Berührung mit andern Kindern
fern hielt, aber ich fand auch später daß die Erschei[nun]g der Bettelkinder wohlthä[-]
tiger auf mich gewirkt hat als später die ohne Aufsicht <sind> und [sich] selbst überlassen[e] Gesellschaft sinnlich verdorbener Kinder
wohlhabenderer Eltern, und es mag darinn wohl seinen Grund habe[n],
daß ich jetzt noch armen Kindern freundlich und gern die Hand
reiche ohne mich davon durch ihre zerrissenen Kleider und selbst
nicht eben saubre Hand abhalten zu lassen, wenn nur aus dem offenen
großen ruhigen Auge noch das Kindliche Vertrauen der kindlichen Seele
blickt.
Und sehen Sie, nun hier verehrliche Redaction den dritten letzten u Haupt- /
[362]
grund warum ich Ihnen dieses alles schreibe. Sie verehrliche Red.
der Dorfzeit[un]g sind mit die erste Redaction der deutschen Tagesblätte[r]
welche dem Gegenstande meines Lebens rc gerad in dem gegenwärtigen
Augenblick in Ihrem vielgelesenen u weit verbreiteten Blatte rc, welche
der Sache der Kindheit gerad jetzt Ihre Theilnahme beweist, und
schon hat sich durch Ihr Blatt diese Theilnahme weiter (Fr[.] J.) ver-
breitet[.] Theilnahme [fordert] aber "Vertrauen" - "Vertrauen" aber ist
es verehrliche Redaction "was uns Deutschen unter einander und zu
einander fehlt, Vertrauen ächtes wahres Vertrauen des Einzelnen zum
Einzelnen, und des Einzelnen zum Ganzen und umgekehrt; ja ganzer
Gemeinsamkeiten zu einander["], wie so was Schon vor 30 Jahr[en] in meinen allerersten
sonst sehr unvollkommenen Anzeigeschriften vor 30 J fordere ich zu diesem gegenseitigen
Vertrauen auf und wohl uns wenn es schon dortmals
dem [sc.: zum] Gegenstande der deutschen Erzieh[u]ng geworden wäre; ich fordere
dazu vor nun bald 8 Jahren, wo also die Jahre 47 u 48 u 49 mit ihren Fehlgeburten noch nicht
geboren waren in meiner Nachricht von dem deutschen
Kindergarten mit den Worten doch leider vergeblich zu thatsächlichem
Gegenseitigem Vertrauen auf, möge sich zwischen Ihnen und der Idee
der Kindergärten bewähren was ich so oft in Bezieh[u]ng auf die Menschen
aussprachen: wenn es nur erst zwei Menschen giebt, die sich ver-
trauend ganz verstehen dann ist der Keimpunkt zum Menschen[-] u
Völkerwohl u Heil gegegeben [sc.: gegeben]; darum also dieser Brief pflegend
komme ich Ihren [sc.: Ihrem] pflegenden Vertrauen zur Sache der Kindheit zur
Sache der Kindergärten entgegen, suchen Sie in gleichem Maße
das Vertrauen der Redact[io]n anderer achtbaren [sc.: achtbarer] Blätter für dieselbe
zu wecken zu gewinnen, und so wird es uns möglich werden auch das
Vertrauen der Fürsten mindestens zunächst eines zu der
Sache der Kindheit zugewinnen, denn viele manche Fürsten sind ja
glückliche Väter und die es nicht alle waren und sind sie waren Kinder und
wissen als solche was Kinder bedürfen - Vertrauen
wissen als Vat Familienglieder was das Heil dieser <gründet>[.] Das Vertrauen
Wissen und die Zeit hat es uns allen gelehrt was Seeg[en] den Fürsten u Völke[r]n
br[i]ngt es ist das gegenseitige Vertrauen; daß die Pflege dieses Wört[c]hen[s]
die Hervorforde[ru]ng desselben als Thatsache, die Grundl[a]ge wie der Aus[-]
gang alles Menschlichen u Völkerwohles[.] Und so wollte ich zunächst d[urc]h das d[urc]h Ihre Zuschrift in mir geweckte
Vertrauen Ihnen wieder das Vertrauen schenken, und worin bestände
ein höherer [sc.: höheres] als in der Darlegung des eigenen Lebens, möge diese Thatsache
Vertrauen weckend durch Presse von Volk u Volk weiter wirken. [Text bricht ab]
[362R]
[leer]

c) Abschriftfragment

[351]
Abschrift
Marienthal am 28' August 1851.
An die verehrliche Redaction der ...... Zeitung zu N. [sc.: H.]
Auf Ihre fragende Zuschrift vom Gestrigen, welche wahre Be-
wandtniß es wohl mit dem K. Pr. Verbote der Kindergärten haben
möge, glaube ich Ihnen als meine feste Überzeugung nur antwortend
aussprechen zu können: - daß das Königl. Pr. MinisterialVerbot
eine ebensolche Mehrheit unklar in einander verschwimmender innern
Ursachen hat, als es äußerlich unklar und augenscheinlich mit Absicht
unbestimmt und zweideutig verschlungen begründet ist. Ich muß
zur Rechtfertigung meiner Behauptung weit zurücke gehen: - Im
Jahr 1840 gründete ich, wie mehrseitig bekannt zur Feyer des Gu-
tenberg-Festes und zu einem bleibend lebendigen Denkmal dessen was
die Menschheit und ganz besonders auch die Kinderwelt Gutenbergs
Geiste und Wirken verdankt: - den ersten deutschen Kindergar-
ten; in seiner ganzen Musterhaftigkeit und Vollkommenheit zur
Begründung ächt deutscher Familien- Volks- und Nationalerziehung
wie zu einer erhebenden Thätigkeit geeigneter Frauen und Jungfrauen
und zur Unterstützung solcher Hülfsbedürftigen - darum auch auszu-
führen durch die Beiträgen der Frauen- und Jungfrauen in ganz
Deutschland; natürlich schloß ich, als sich gleichsam von selbst verstehend
die Frauen- und Jungfrauen Preußens ein, und glaubte daß
es zu ihrer Theilnahme an diesem Unternehmen nur eines öffentlich[en]
Aufrufes bedürfe. Allein ich wurde bald bedeutet, daß, zu solchen
Beiträgen öffentlich einzuladen, es in Preußen der Erlaubniß des
betreffenden Ministeriums bedürfe.
Ein Mann in Berlin, in namhafter amtlicher Stellung, wie hoch
achtbar, so in dieser Achtbarkeit allgemein anerkannt, übernahm
es mein Gesuch, dasselbe persönlich vertretend zur Kenntniß des
betr. Ministeriums zu bringen, worauf jedoch in einem amt[-]
lichen Erlasse, auf Grund einer ausländischen Unternehmung -
abschläglich geantwortet wurde.
Ich hebe dieß hervor um nachzuweisen erstlich, daß das Be-
stehen
der Kindergärten zweitens, daß der Geist u. das Ziel
der Zweck derselben u. drittens daß Friedrich Fröbel der Begrün[-]
der derselben sey wohlbekannt war. Ich kann mir auch gar nicht /
[351R]
denken, daß einem Referenten, eines K. Pr. Ministeriums des
Unterrichtes in dieser Sache - zumal da solche auch von anderen Seiten
her wieder mehrfach bei demselben angeregt worden war
der Name FriedrichFröbel als Begründer der Kindergärten, so
selbst deren sittlich-religiöse Grundlage unbekannt geblieben
seyn sollte; ja, ich gedenke noch zur Mittheilung einer Thatsache zu
kommen, welcher, ich möchte sagen die Unmöglichkeit dieses Nicht-
wissens nachweist. Und dennoch umgeht [die Ministerialverfügung], wie darum kaum zu
zweifeln mit Absicht, ja Zwang die Erwähnung des Namens
FriedrichFröbel.
Mir scheint sich dieß nun so zu lösen: die Kindergärten sehen
als sich als Keime der Volksbildung als die Grundlage wahrer
Nationalerziehung, wie sie es klar und bestimmt als Ziel und
Zweck aussprechen, nochmehr aber in ihrer Anerkennung und Ver[-]
breitung welche sie hie und da, wenn auch im Einzelnen nur, doch
schon finden u.s.w., sind dem Königl. pr. Ministerium der
geistlichen- und Unterrichts Angelegenheiten ganz im All-
gemeinen schon mißliebig und waren es, ohngeachtet ihrer
wahren religiösen Grundlage und [ihres] ächt religi christlichen
Ausgangspunktes und Geistes, eben jenes klar ausgesprochenen
Zieles und Zweckes halber; - jedoch besonders seit der Zeit als
sich nicht allein überhaupt geistige und strebende Menschen
sondern namentlich seit sich die freien Gemeinden derselben
- ich möchte sagen aus einem tiefen Naturtriebe, aus einem höhern
Lebens-Instinkte, von ihrer nun einmal eingenommenen Stellung,
aus lebendigen [sc.: lebendigem] Geistes- und Gemüths- wie praktischem Lebens-
bedürfnisse aus - in ihnen den ächten Keim und sichern Haltpunkt
in der wahren, geistig tief begründeten Lebenseinigung und
Einheit wieder findend, welcher sich in ihren eigenen Leben un[d]
Bestrebungen noch nicht wieder klar heraus gelebt hatte -
der Kindergärten hier und da, beachtend und pflegend annah-
men.-
So unlieb, ja mißliebig nun aber dieses Festhalten, Pflegen
und Fortschreiten der Kindergärten namentlich einiger freien [sc.: freier]
Gemeinden in Preußen, den königl. Preuß. Unterrichtsbehörden
vor allem dem K. Pr. Ministerium des Unterrichtes und der
geistlichen Angelegenheiten, genug dem Pr. Gouverneme[n]t
seyn möchte und wirklich wohl war; - so konnte man doch
nichts /
[352]
Haltbares wie gegen die Principien der Kindergärten, noch gegen
das Leben und Handeln, Streben und Wirken ihres Begründers
FriedrichFröbel finden und sagen; deshalb wurde auch nach meiner
Überzeugung dessen Name in der Ministerialverfügung gänzlich,
wie es scheint mit Vorsatz übergangen, und nur von Kindergärten
nach Fröbelschen Grundsätzen ganz im Allgemeinen gesprochen, jedoch die[-]
ses ganz allgemeine Gebot, auf die genannte Schrift Karl Fröbels ge-
gründet weil FriedrichFröbels Schriften und Principien keine Motiven [sc.: Motive]
dazu bieten, jener aber unglücklicher Weise auf dem Titel seiner Schrift: Hoch-
schulen für Mädchen und Kindergärten mit ein-
ander verknüpft hatte.
Ich kenne die Schrift, obwohl ich sie selbst einmal besessen habe,
leider in ihrem Inhalte nicht; doch sagt man, sie sol[l]te Stellen,
Aussprüche und Forderungen enthalten mit welchen bestehende
Regierungsformen und namentlich das Pr. Gouvernement sich
nicht einverstanden finden, politische und religiöse Grundsätze
welche zu bekämpfen seyen, und so mußte Karl Fröbels
Schrift, ob wir gleich nie weder literarisch noch praktisch zusammen-
gewirkt, sondern selbst principiell einander entgegen gestanden
- die Ursache abgeben und den Grund bieten die Kindergärten
als solche unter der allgemeinen Formel der Kindergärten
nach Fröbelschen Grundsätzen und ich glaube ganz bestimmt
zunächst hauptsächlich nur um der freien Gemeinden willen
zu verbieten um ihnen jedes Mittel selbst wenigstens zur
innern Aus- und Fortbildung zu benehmen. Auch die Ausnah-
me des Reg. Bez. Erfurt von dem Verbote spricht dafür, denn
auch in Erfurt ist ein Kindergarten, welcher ebenfalls nicht
von einer Preußin geführt wird.
Und so löst sich mir von Seiten der freyen Gemeinden und
Karl Fröbels das Ganze in das Hauptergebniß auf:
Die Kindergärten von FriedrichFröbel ins Leben geru[-]
fen, tragen zwar in ihren Principien nichts in sich
worauf eine namentliche Verurtheilung ihrer und
ihres Gründers zu stützen sey; obgleich aus anderen
Gründen ihre Ausbreitung in Preußen zunächst unter
den freien Gemeinden höchst mißliebig.
Doch Sie haben Recht, hierin liegt zunächst nur ein Grund des /
[352R]
Verbotes und seiner Form ein zweiter liegt, wie Sie ganz richt[i]g
ahnen an [sc.: in] der Hinwendung Diesterwegs zu den Kindergärten
an [sc.: in] der späteren wirklich förderlichen Hinwendung Theilnahme
an [sc.: in] denselben, an [sc.: in] seiner völligen Mißliebigkeit, oder wie
man glaub ich gar sagt in seinem gänzlichen Unmöglichzuwi[-]
derseyns beim K. Pr. Ministerium. Es ist mir nun auch wirklich
von mehreren Seiten von Berlin aus namentlich ausgesprochen
worden, daß die Hinwendung Diesterwegs zu meiner Lebens[-]
aufgabe, daß seine Theilnahme an den Kindergärten für
die Verbreitung derselben namentlich in Berlin ein bedeuten-
des Hinderniß sey. Wir wissen das auch Beide, können es aber
beide nicht ändern, wenigstens ich nicht. Es waltet zwischen
uns beiden ein ganz eigenes Schicksal, wie das sehr oft zwischen
zwei eigenthümlichen und ganz selbstständigen Menschen der
Fall ist, und bei mir in meinem Leben mit mehreren schon der
Fall war, wie ich wohl auch noch zu berühren genöthigt seyn werde.
Sie werden nun, vielleicht, wie auch das pr. Ministerium glauben daß zwischen Diesterweg und
mir eine Art geistiger Propaganda, wenn auch nur zwischen
zweien statt fände, dieß ist aber gar nicht der Fall, jeder
von uns beiden ver- und befolgt seine ganz eigenthümlichen
Lebenszwecke gänzlich unabhängig von dem andern.
Da ich glaube es dient zur Aufklärung der von mehreren Seiten
gefühlten Dunkelheit in der Begründung des Verbotes von Seite
des Ministeriums, so will ich Ihnen möglichst kurz die Ge-
schichte unserer Bekanntschaft oder vielmehr unseres Bekannt[-]
werdens mittheilen, denn dadurch lernen Sie auch mich in
meinem Streben besser verstehen. Ich bin von Jugend auf den
Weg zum Ziel etwas sehr einsiedlerisch gegangen weil ich wußte
daß er eigenthümlich - ungebahnt und gefährlich war, so sahe ich
wohl nach den Sternen am Himmel, aber nicht immer nach den
Sternen am gegenwärtigen pädagogischen Himmel, jedoch sagte
man mir es seyen 3 Sterne erster Größe drei D. am pädag[o]gischen
Himmel aufgegangen. Zwei giengen mit den Jahren unter, ei-
ner der dritte blieb, es w meine Freunde nannten mir ihn
es war Diesterweg; und [da] sie es gut mit mir meinten, so wünsch[t]en
sie daß er mir auf meinem dunkeln einsamen ungebahnten
Wege leuchten möchte, sie legten darauf etwas großen /
[353]
Werth, und ich hatte auch nichts dagegen, denn immer so ganz
allein durch seinen einsamen Weg hinzuwinden ist eben nicht immer
angenehm und ein klares Geleuchte sey es auch nur eines Ster-
nes erster Größe ist immer gut; doch meine Freunde die sich des-
halb Mühe gaben schrieben und sagten mir, dieser Stern sey
ein mir unversöhnlich feindlich gesinnter, es sey unmöglich ihn
für meine Lebensangelegenheit zu gewinnen und ich - ich war
dessen au[c]h wieder zufrieden, ich lebte in einem friedlichen
Dörfchen Thüringens oder wo mich sonst des [sc.: der] Lebensruf hin-
zug [sc.: hinzog] was hatte dieß mit B. zu schaffen; dieß alles geschahe
im letzten Drittel und Fünftel der vierziger Jahre das
Jahr und der Frühling des Jahres 1849 hatte mir zum Garten
des Lebens das reizend gelegene Liebenstein mit seinen
lieblichen Umgebungen zum Wohnplatze und zur Stätte des Wir-
kens gegeben und bald legte ich dort auch - mit Jean Paul
zureden [-] ein kleines Infusions-Gärtchen einen Kindergarten
an um in denselben [sc.: demselben] Gärtnerinnen für die Kinder mit ihren
Blumenaugen zu erziehen. Da trat eines Morgens eines Mor-
gens [2x] auf mein Herein! nach vernommenen Klopfen ein kleiner
freundlicher Mann im grauen Überrock und Käppchen in
der Hand in mein Zimmer er nannte sich Seminardirector Die-
sterweg
und mit diesem Worte, war er mir ein alter Bekannter
denn mit demselben fiel mir alles ein, was mir Berliner
Freunde über ihn hinsichtlich seines Stehens zu mir und meiner
Sache geschrieben und gesagt hatten, so erwartete ich auch nichts
von ihm für die Sache, gab mir auch nicht die geringste Mühe
ihn für dieselbe zu gewinnen, sondern arbeitete ruhig in dem
fort, was eben die Zeit anordnend von mir forderte, wie
Diesterweg dieß später selbst in einer Darlegung seines ersten
Besuches bei mir geschildert hat. Diesterweg gieng und im
Weggehen fragte er ob es ihm erlaubt sey wieder zu kommen,
und ich antwortete ihm: "wie jedem Anderen."
Wie ich über diesen Besuch dachte geht aus der kurzen Rela-
tion hervor, welche ich meinen Schülerinnen davon machte
als ich zu ihnen trat: - "Eben" - sagte ich - "war einer meiner
stillsten aber hartnäckigsten Gegner und feindlichst ge-
sinnten Gegner der S. Dir Director D. bei mir; ich bin doch
begierig was da heraus kommt."- Ihnen das Verhältniß deutend.
Und Diest. kam /
[353R]
Und Diesterweg kam und kam wieder, er nahm Theil an
den theoretischen wie an den praktischen Stunden und die
zwei seiner noch unverheyratheten Töchter mit ihm, die sich auch
bald regelmäßig mit ihm als Schülerinnen einfanden. Er folgte, ich
möchte sagen gespannt jedem was er hörte und sahe und seine
blitzenden Augen und lebhaftes sprechendes Mienenspiel ver-
riethen, daß auch das Kleinste ihm nicht entgieng, jedoch nahm
er bei den praktischen Übungen lebendigeren Antheil an den leben-
vollen regen Bewegungs- als an den ruhigeren Beschäftigungs[-]
spielen; allein seine Theilnahme, welche sich fast nie längerer
Mittheilungen über den Gegenstand sondern höchstens in kurz
abgesp abgebrochenen hin geworfenen Worten aussprach, bewirkte
oft ein unbehagliches Gefühl, weil dabei häufig eine sarcastische
Auffassung des Ganzen durchzuleuchten schien, so daß man
selbst nach Wochen und Monaten über seine innere Meinung w. [sc.: wegen]
der Sache nach nicht klar und ins Reine war, weil er mit
einem sichtbaren Vorbedacht sein eigentliches klares Urtheil
darüber immer zurücke hielt.- Auch ich erwähne dieß mit Vor[-]
bedacht, damit Sie sehen, nicht eine überströmende Begeisterung
und überfluthende Erwartung hat das spätere zusammentreffen-
de Wirken für einen und denselben Gegenstand, für die Sache
der Kinderwelt hervorgerufen; und ein jeder von uns beiden
hat sich dabei seine ganz eigenthümliche Weise gesichert, wie dieß
unzweideutig vorliegt, keiner bestimmt und keiner beengt den
Andern, das ganze Band besteht darin, daß zwei Menschen in
gleich erkannten [sc.: erkanntem] menschlichem Geiste für eine gleich erkannte
menschliche Sache handeln, denn obgleich andere meiner Freunde
und auch Freunde der Sache meinen, daß Diesterwegs frühere
stille Entgegnung der Verbreitung und Anerkennung derselben
ganz wesentlich und tief geschadet habe, obgleich klar vorliegt
daß Diesterwegs spätere Wirksamkeit für dieselbe und Neigung
zu derselben störend und hemmend, namentlich auf die Einführung
der Kindergärten in Berlin gewesen ist, wenn auch wieder
andere Freunde der Kindergärten in der ihnen zugewandten
beachtenden Pflege desselben als ein besonderes Glück für dieselb[e]n
ansahen, so sehen Sie, daß ich dabei in beider Beziehungen ganz ruhig blieb und, ob sich
mir das letztere gleich in entgegengesetzter Weise zu zeigen
schien; und ich pflegte und pflege die Theilnahme Diesterwegs /
[354]
so wie die eines Jeden an der Sache der Kindheit und Menschheit
Theilnehmenden, ohne mich darin durch die, wie man meint hemmende Wirkung
seiner Theilnahme stören zu lassen; denn nach meiner tiefsten
Überzeugung müssen in allen Lebensverhältnissen und ganz
namentlich in den wichtigsten die Dinge durch den Gegensatz
zur wahren Anerkenntniß und die G guten so zur endlichen
Wurzelung kommen.-
So mein und der Sache Verhältniß zu Diesterwegs und Diester-
wegs zu mir; keiner von uns beiden hält sich für das Thun des An-
dern verantwortlich, jeder steht fest auf und in sich; trifft nun
aber auch die Handlungsweise des Einen ungeahnet und ungewollt auch die
Wirksamkeit des Andern, nun gut, so sehen wir dieß als
eine natürliche und gesetzliche Folge des Thuns selbst an, ohne deß-
halb einander Vowürfe zu machen. Und so bleiben wir rein als
Menschen für eine rein menschliche Angelegenheit, die Erziehung
der Kindheit, in rein menschlicher, wie selbstständiger Lebens-
einigung ohne uns diese durch störende Einwirkung trüben
zu lassen.
Ich glaubte Ihnen, verehrliche Redaction, dieß Verhältniß
zur Aufklärung der noch unklaren Motive der pr[.] Ministe-
rialverfügung, auch noch unumwunden vorlegen zu müssen[.]
Aber auch noch andere Theilnahme welche etwas stark, die
Sache schnell fördern wollend, hervorgetreten seyn soll, soll
derselben in Berlin geschadet haben; dieß alles erklärt sich leicht:
Das Größere, oder das, was man wenigstens für das Größere
hält, zieht das Kleinere an, und so wächst eines mit dem An-
deren, zuletzt so das Ganze. Das Merkwürdigste dabei bleibt
immer dieß, daß die Sache im Kampfe mit dem Widrigen
nicht nur erstarkt, sondern grün, hoffn[u]ngsreich im V Geborgenen
wächst, wie das Gras im Hohen Norden eben erst unter star-
ker Schneedecke grünt und wächst.
Nun aber das dritte und letzte, was, wie ich glaube wenigstens
für die schnelle Erscheinung, besonders aber für die Form des Ver-
botes wesentlich mitgewirkt, ja entschieden hat.
Gewiß ist Ihnen der Herr Provinzialschulrath Bormann
für die den (Provi[nz]) Reg: Bezirk Brandenburg bekannt; auch wissen
Sie wohl, daß er eben nicht auf der Seite des Fortschrittes stehe
sondern, daß Manche ihn sogar zu den Dunkelmännern rechnen, /
[354R]
ich jedoch weiß es nicht, mir ist er wenigstens in der ganzen
Zeit seines hiesigen Aufenthalten [sc.: Aufenthaltes] nicht so erschienen. Er
lebte nemlich während der dießjährigen Badezeit 10-14 [Tage]
in dem zunächst Marienthal gelegenen Bad Liebenstein. Ich
hatte die Freude daß er mich einige male und wohl auf Stunden
besuchte. Er nahm dann so eingehenden, lebenvollen Antheil
an meinen sich auf Anschauung Darlegung und Nachweisung
meiner Kinderspiel- und Kinderbeschäftigungsmittel und
Weisen gründenden Mittheilungen, daß er wirklich für die
Sache meiner Lebensbestrebung ganz begeistert erschien und sich
auch in gleich bestimmt beistimmender Weise in Bad Liebenstein
gegen mehrere der achtbarsten Curgäste aus sprach; genug
Herr Schulrath Bormann schied als einer meiner treuesten
Anhänger und als der ernsteste Vertreter meiner und der
Kindheit Lebensangelegenheit von hier und mir. Nachdem was man
mir von ihm gesagt hatte und über ihn, war mir selbst seine
aufrichtige Theilnahme noch zweifelhaft, jedoch erschienen bald
mit durch ihn veranlaßt zwei Berliner Lehrer bei mir du[r]ch
welche er mir sagen ließ eine Broschüre über seinen Be-
[such] bei mir sey unter der Presse. Und sie erschien bald da-
rauf wirklich und zwar in einer so entschieden beistimmenden
Weise, daß ich ganz darüber erstaunt war; noch mehr
waren es Berliner, welche seine frühere Meinungsstellung
kannten.
Diese Blätter mögen nun in der ersten Hälfte des Monats
Juli in Berlin und zwar sogleich in doppelter Weise erschienen
seyn zu förderst im Schulblatte für Brandenburg, dann zu[g]l[e]ich
als besonderer Abdruck.
Allein, so freudig und dankbar ich diese Erschein[un]g begrüßte
so freudig und dankbar begrüßten sie die Ohren des Herrn
Schulrathes nicht, sondern im Gegentheil: - wie ich nun höre,
so hat einer von jenen diesen zu sich beschieden um dessen Begeiste-
rung für die FriedrichFröbelschen Bestrebungen und besonders
für dessen Kindergarten mit dem eisigen Wasser des amtli-
chen Vorwurfes abzukühlen.
Dieses Alles erscheint mir nun zur Beachtung und Einsicht in
den innern und stetigen Entwickelungsgang des Ganzen auf
das Höchste wichtig. /
[355]
Vor Allem muß festgehalten werden, daß dieß alles so
ziemlich schon in der ersten Hälfte des Monats Juli geschah;
das Verbot oder die Verfügung wegen der Kindergärten aber
erst am 7en August aus dem K. Ministerium hervorgieng.
Dadurch ist es ganz klar: das K. Ministerium kannte einige
Wo[c]hen schon vor der am 7 August erlassenen Verfügung
Bormann[s] Broschüre und Ansicht; - kannte aus dieser Bor[-]
mannschen Broschüre nicht nur das Verhältniß FriedrichFr.
zu den jetzt bestehenden Kindergärten und daß dieser und
nicht Karl Fröbel der Gründer und Verbreiter derselben sey,
sondern kannte auch aus diesen Blättern ganz genau die
Grundsätze und die Bestrebungen, das Ziel und den Zweck
die Mittel, Wege und Weisen der FriedrichFröbelschen Kin-
dergärten und wahrlich in und aus der Bormannschen Schrift
möchte wohl Jemand schwerlich die destructiven, commu-
nist[isch]en, socialistischen und atheistischen Grundsätze her-
ausfinden welches [sc.: für welche] die MinisterialVerfügung den - so im All-
gemeinen hin genannten Fröbelschen Kindergärten auf
den Kopf hin schuld giebt.- Die Bormannsche Schrift sucht nun
von ihrem Standpunkte aus die FriedrichFröbelschen Grund-
sätze der FriedrichFröbelschen Kindergärten u.s.w[.] klar nach[-]
zuweisen und es fällt dieser Bormann in derselben nicht im
Traume ein die genannten Grundsätze und Kindergärten als
destructiv, communistisch, socialistisch und atheistisch hinzu[-]
stellen, sondern im Gegentheil; - sollten nun aber dennoch die
in der Bormannschen Schrift als die Grundsätze Friedric[h]
Fröbels und dessen Kindergärten - dargelegten Principien
für das Ministerium Verfängliches, Verpöntes,
Strafbares enthalten so mußten von allen Recht[s]wegen
FriedrichFröbels Kindergärten wegen
FriedrichFröbels Grundsätzen
und nicht so ebenhin die Fröbelsch[e]n Kindergärten im Allgemeinen ver[-]
boten werden, aber das konnte, das wollte, b offen gesprochen
das durfte man nicht, so herausfordernd durfte man nicht
seyn und so erborgte man andere Gründe: - Karl Fröbel[s]
Schrift: Die Hochschulen für Mädchen und die Kindergärten
mußten dazu - ich möchte sagen die unschuldige Ursache
abgeben [Text bricht ab]
[355R/356VR]
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