Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an August Wilhelm Müller in Meiningen v. 6.10.1851 (Marienthal)


F. an August Wilhelm Müller in Meiningen v. 6.10.1851 (Marienthal)
(SBB, jetzt UB Kraków, Varnhagen-Sammlung, 62, Brieforiginal 1 Bl 8° 2 S.)

Herrn Diaconus Müller in Meiningen.

Marienthal nächst Bad Liebenstein 6/X 51


Hochgeehrtester Herr und Freund.

Daß es mir sehr leid gethan hat und wirklich noch bis
jetzt thut, daß es Ihnen unmöglich wurde an unserer
Versammlung Antheil nehmen zu können, brauche ich Ihnen
wohl kaum auszusprechen da nun das ganze Ergebniß der
Verhandlung zur Prüfung vor Ihnen liegt; ja, unser gütiger
Herr Schulrath Dr Peter, welcher dem Wogen derselben fast
bis zu Ende persönlich theilnehmend gefolgt ist, hat Ihnen viel-
leicht schon gelegentlich mündlich von der Würde und dem Ernst
Kunde gegeben mit welcher die gesammte Verhandlung ge-
führt wurde, und wenn auch ganz am Schluße derselben, durch
das Überhören eines einzigen Wortes von einem der Sprecher
eine etwas heftige Debatte herbei geführt wurde, so endigte
sich doch das Ganze, wie Ihnen der Correspondenz-Artikel des
Herrn Rectors Köhler aus Corbach [zeigt] in allgemeiner Eintracht
Liebe, Friede und Freude. Und - ich wiederhole es nochmals,
zur Aufnahme dieses Eindrucks und zur Bestätigung dieser
Thatsache hätte ich wohl einen stimmberechtigten Zeugen aus
Meiningen hätte ich wohl zunächst Sie in unserm harmlosen
Kreise gewünscht. Nun, es war nicht, und so muß ich mich
auch hierin trösten und bescheiden.-
Hoffentlich sind die beiden, eiligst von hier an Sie, oder was
ja gleich ist an die verehrl[iche] Red[aktion] des M[eininger] Tagesblattes abge-
gangenen Mittheilungen bei Ihnen eingetroffen und ich
wünsche und hoffe, daß Sie davon werden Gebrauch ge-
macht haben können.
In dieser Voraussetzung komme ich nun noch mit einer
weiteren, recht freundlichen Bitte an Sie hochgeehrter Herr u[n]d
Freund:- Könnten Sie wohl die nachstehende Anzeige so
in den HauptInhalt und Context Ihres M. Tagesblattes ver-
weben, daß ich aber nicht genöthigt wäre, dafür an die Ex- /
[1R]
pedition des Blattes die betreffenden Insertionsgebühren
zu bezahlen; denn offen gestanden: die derartigen Kosten und
andere waren und sind noch in diesen Tagen etwas stark, daß
wenn eine Erleichterung darin möglich ist, das Ganze da-
durch wesentlich gefördert wird, und daß Sie hochgeehrtester
Herr diese Förderung mit mir wünschen, davon darf ich ja
überzeugt seyn.
Noch bitte ich mir geneigtest ein Blatt oder einige von
der Nr zu übersenden, in welcher es Ihnen möglich wurde
in der angegebenen Weise von der angeschlossenen An-
zeige Gebrauch zu machen.
Zugleich erlaube ich mir ein Schriftchen aus der frühe-
sten Zeit, welches schon im Spätherbst 1830 von mir nieder[-]
geschrieben, dann im Jahr 1833 gedruckt wurde, als
meinem Wirken in der Schweiz die Geistlichen des Cantons
Luzern mit dem Rufe "die Religion ist in Gefahr" eben so
feindlich entgegentraten, wie jetzt der Herr Minister
von R[aumer]
in Preußen mit dem Rufe "der Staat ist in
Gefahr["]. Sie finden in dem Schriftchen nach allen Seiten
des menschlichen Lebens hin meine Gesinnungen ange-
deutet, welchen ich noch bis diesen Augenblick treu
bin. Auch können Sie von diesem Schriftchen nach jeder
beliebigen Seite hin Gebrauch mache[n], weßhalb ich
Ihnen 2 Ex. darum beilege.
Da ich nicht weiß, ob Ihnen die Illustrirte aus
Leipzig zu Gesicht gekommen ist, welche auch Marien[-]
thal in ihre Illustrationen aufgenommen hat, so
erlaube ich mir Ihnen hier ein Ex. der Nr beizu-
legen worin dieß geschiehet und mir eben zur Ver-
fügung steht.- Unter der Überschrift "Schul- und Er-
ziehungswesen
" werden Sie in derselben S. 247 einen 2en kleinen
Artikel finden. Ich freue mich daß die Vermuthung des
Verfassers des ersten Aufsatzes nicht eingetroffen, sondern
die Versammlung in Einigung geschieden ist.
Es bittet um ein freundliches Rückwort Ihr
aufr: Ergebener Friedrich Fröbel