Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Christiane Wulf in Redwitz v. 24.10.1851 (Marienthal)


F. an Christiane Wulf in Redwitz v. 24.10.1851 (Marienthal)
(BN 701, Bl 1-2, hier: 2V , dat.Briefentwurf 1Bl 4°1 S. auf Briefbogen 4° mit Eingangsbrief v. C. Wulf v. 20.10.1851 auf Bl 1)

Frl. Christiane Wolf [sc.: Wulf] Erzieherin Erzieherin bei dHE Amtmann dahier
in Redwitz Landgerichtes Lichtenfels in Baiern

Marienthal n.BdL. im Mein[ing]sch[en] am 24 Okbr 1851.


Geehrtes Frl.

In Beziehung auf Ihre vertrauende Anfrage vom 20 d M. betreff.
Ihre älteste Pflegetochter Marie müssen haben wir folgendes zu erwidern.
Als die erste Bedingung des Eintritt[s] wird Ihnen wie ich wir vermuthen aus öffentl
Anzeigen von uns die Forderung eines reinen, weibl[ich-]jungfräul[ichen] kinderliebenden, hingebenden Gemüthes
besonders Liebe zu Spiele u Beschäftigungen mit den Kindern bekannt seyn und geht <nun> auch auf aus dem Folgenden Ihrer geehrten Zuschrift die Be[-]
stätigung hervor daß Ihre genannte Pflegetochter diese u die ganzen unerläßlichen Bedingungen
besitzt. Was hernach nun die 2e Anfrage die der äußern pecuniären Bedingungen des Eintritts betrifft, so ist das gesamte Unterrichtsgeld
für den halbjährigen Bildungscursus welcher bestimmt mit dem 15 Nov beg[innt] und mit letztem April schließt
Einhundert u zwanzig Thaler preuß Cour[an]t oder 14 ½ rth fß oder was gleich ist 220 fl.Rhein. Die
gewöhnl. Leib- u Hand- und Bettwäsche mit eingeschl, die weitere Putz- u Kleiderwäsche ausgeschlossen
indem diese nach S[t]off u Gewischt [sc.: Gewicht] zu verschieden ist. Wird aber auch die erstgenannte Wäsche [zum Waschen von den Schülerinnen selbst ausgegeben], was
hier leicht u billig mögl ist u daher von vielen Schüler[innen] vorgezogen wird, so werden von
obengenannter Summe 6 rth cca 10fl zurück gerechnet u so das Pensionsgeld nur zu
114 Rth pr Ct oder cc 200 fl gerechnet, zur die eine Hälfte beim Eintritt, die zweite Hälfte in der Mitte
des Cursus zahlbar. Außerdem haben die Schülerin[nen] noch ein Bett mit entsprechender
Bettwäsche, ein Tischbesteck wenigstens 4 Stück mit Kaffeelöffel die nöthigen Servietten zum wöchentl Wechsel
nebst Serviettenring mitzubringen. Sollte es vorgezogen werden daß das Bett von der
Anstalt aus besorgt werde, so geschieht dieß gegen billige Vergütung.
Was endlich den letzten Punkt die einer angemessenen Anstellung nach vollendeter Bildung durch Fleiß u Achtsamkeit betrifft,
so hat diese bisher meinen Schülerinnen bei Anfangs billigen Ansprüchen nie gefehlt, hoffe
also daß auch dießmal wieder Ihr mir von Ihnen ausgespr[ochener] Wunsch dießmal erfüllt werden wird. Wenigstens werde ich <-> mir
- wie ich <-> hoffe von dem Erfolge unserer Bildungs-
bemühungen bei Ihrer Pflegetochter unterstützt und ernste Mühe geben denselben zu erfüllen[.]
Der Cursus beginnt wie Ihnen auch aus unsern öffentl Anzeigen bekannt seyn wird
bestimmt mit dem 15 künftigen Monats Novbr. Sollten Sie nach vorstehend Mitgetheilten Verhältnissen
an den [sc.: dem] Eintritt ihrer [sc.: Ihrer] Pflegetochter in uns[ere] Bildungsanstalt festgehalten werden [sc.: festhalten] , so
bitten wir uns dieß rechtzeitig anzuzeigen und bei Anderweitige Aufnahme auf Ihren
Eintritt bestimmt Rücksicht zu nehmen.
Mit Gruß und Achtung unterzeichnet

Die Direction der Bildungsanstalt
für Kindergärtnerinnen hierselbst
für dieselbe FriedrichFröbel