Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Luise Frankenberg in Dresden v. 3.11.1851 (Marienthal)


F. an Luise Frankenberg in Dresden v. 3.11.1851 (Marienthal)
(BlM XXI,7i, Bl 368, Brieforiginal 1 Bl 8° 1 S. - Im Briefkopf Beantwortungsnotiz der Adressatin vom 23.11.)

Marienthal nächst BadLiebenstein bei Eisenach am 3 Novbr 51.


Sehr werthgeschätzte, liebe Luise.

Ihr lieber Brief hat mich in doppelter Hinsicht gar sehr gefreut
einmal daß ich nur überhaupt endlich einmal wieder Nachricht
von Ihnen bekomme, dann daß diese Nachrichten doch wenigstens
leidlich waren. Von Grund meines Herzens wünsche ich Ihnen
zu Ihrem Muthe, zu Ihrer Ausdauer, kurz zu Ihrem Gottvertrauen
in diesem Sinn zu Ihrem redlichen Gebrauche Ihrer Kräfte und
Fähigkeiten Glück; dieser Sinn und solches Handeln werden Ihnen
als rettende Genien auch gewiß immer zur Seite gehen. Suchen
Sie sich nun auch auf der andern Seite immer mehr recht den Geist des
Ganzen zu eigen zu machen, den Geist der Einigung und des
Einigseyn; den Geist der gegenseitigen Unterstützung und För-
derung in allem was Ihre lieben Pflegebefohlenen und was Sie
mit denselben thun, den Geist für die Trennung und das Getrennte
das Vermittelnde und Verbindende zu finden; den Geist ächter
Lebenspflege, wahrer Liebe. Lesen Sie nicht nur, sondern studiren
Sie wirklich die Wochenschrift, seyn Sie sich selbst Kindergärtnerin
und Kinderpflänzchen; arbeiten Sie alles ruhig und selbstthätig
durch und beachten Sie nun was zunächst in Ihrem eigenen Geiste,
Gemüth und Leben vorgeht; beherrschen Sie so den Gegenstand im
Geiste und in der Ausführung, dann führen Sie denselben in glei-
cher Weise in Ihrem Kindergarten und mit Ihren Kindern stetig
durch, und beachten da was in denselben vorgeht und die Erkennt-
niß des Geistes des Ganzen, die Erkenntniß des Geistes wahrer
innerer wie äußerer Lebenseinigung wird Sie nicht lange
auf sich warten lassen.- So eben bekomme ich durch Herrn Mid-
dendorff
von einem Ihrer Berufs-, aber auch in Hinsicht ihrer ver-
späteten Anerkennung und Durchkämpfung durch Mangel und Krank-
heit, Ihrer Leidensschwester, von einer gewissen Frl. [Sophie] Beer in Saalfeld
einen Brief, wie sie im vorigem Monat bei Anwesenheit der Frau
Herzogin von Meiningen in Saalfeld von dieser 2 mal, jedesmal 2
stündigen Besuch und von ihr wie herzliche, so wörtliche und thatsäch[-]
lich förderliche und weiter ermuthigende Anerkennung gefunden
hat. Auch Ihnen liebe Luise wird sie kommen.- Für heut muß ich
schließen. Ihre l. Namensschwester wird Ihnen hoffentlich weitere Kunde
gegeben haben. Erfreuen Sie bald wieder mit Nachrichten Ihren wahren Fr[eun]d
FriedrichFröbel