Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Marie Fürstin von Hatzfeld in Trachenberg b. Breslau v. <Ende> 11.1851 (Marienthal)


F. an Marie Fürstin von Hatzfeld in Trachenberg b. Breslau v. <Ende> 11.1851 (Marienthal)
(In BN 466, Bl 1-2, undat. Entwurf 1 B 8°, 3 S.; undat. Abschriftfragment in BN 466, Bl 3, 1 Bl 8° 1 S. - Der Entwurf ist auf einem v. anderer Hand an F. in Marienthal adressierten Umschlag geschrieben, der Stempel v. 3.9. u. 4.9. trägt. Adressatin u. Dat.: Briefliste Nr.1664 dat. "noch 3.9.1851" u. nennt wohl wegen der Anrede im Entwurf die Fürstin von Schwarzburg-Rudolstadt als Adressatin; irrige Dat. wegen Orientierung an einem der beiden Poststempel. Die richtige Adressatin aufgrund des im Entwurf genannten Adressatortes. Dat.: Erhalten sind Partnerbriefe v. 19.11.1851 und 3.12.1851. F. nimmt auf einen Partnerbrief, wohl den ersten Bezug. Entsprechend ergibt sich als Datierung: Ende Nov. 1851. Aus 1R geht hervor, daß der 20. des nächsten Monats ein Samstag ist, dies gilt für Sept. u. Dez. 1851 sowie März 1852, entsprechend ist der Brief im Aug., Nov. oder Febr. geschrieben; Aug. entfällt, da das Kindergartenverbot gemäß Briefinhalt nicht erst wenige Tage zurückliegt. Diese Überlegung bestätigt also das Briefdatum: Ende Nov. 1851.)

a) Entwurf

          Durchlauchtigste Frau Fürstin mein Durchl
Gnädigste Frau Fürstin u Frau
Ew Durchl. haben mich durch Ihren mütterlich vertrauenden Brief Zuschrift
hocherfreut und Sie können wohl ermessen welchen Werth derselbe
für mich hat, wenn ich Ihnen, der einfachen Wahrheit genügend, aus[-]
spreche, daß er mir all das Ungemach und wie soll ich es eigentlich
nur mit dem rechten Namen nennen? - all das schreiende <reißende> Unrecht
und die wahre <maaßlose> Ungerechtigkeit vergessen macht, welches die höchsten <Erwürdigsten>
Cultur männer über mich u mein Wirken verübt haben, gänzlich ver[-]
gessen macht, wie man so etwas unnatürliches vergessen, d.h.
um der Kinderwelt, daß derselbe die von Ber[li]n aus mit nächtl. sich über [mein] ganzes Wirk[en] ausgebreitete Nacht Nebel-Dunkel vertrieben
Dunkeln bedeckten Himmel meines Wirkens
die v. Berlin aus sich über mein Wirken ausgebreite[te] neblich dunkle, ruhige
Winternacht verscheucht und einen heitern sonnigen hoffnungsreichen Frühlingstag in meinem Innersten hervorge-
rufen hat. Ja das wußte ich wohl edler reiner
Muttersinn konnte mußte mich nicht nur in meinem Streben, welches liebender Mutter u frommer Frauensinn
mir früh im Gemüth geweckt hatte - mich nicht nur nicht mißverstehen, sondern mußte mich viel[-]
mehr in <und auch> leicht verstehen, denn sehen Sie durchl. Fürstin
mein Streben ist kein anderes als der einfachen rein menschlichen wie der
edlen hochgebildeten Frau u Mutter all die Hoffnungen und Wünsche, ja ich möchte sagen die Ihrigen Gebete
erfüllend machen mit wel unter welchen dieselbe ihr Gottesgeschenk freudig pflegend unter
ihrem Herzen trug u wie muthig schmerzhaft in[s] Daseyn u Leben gebar freudig unter Und ein solches
Streben können berliner Väter ein achristliches d.h. von Gott loses, also Gottloses nennen.
Wahrlich man muß solche Männer u Väter u nochmehr Frauen, die Mütter ihrer Kinder, wie diese
mehr beklagen u betrauern. Und die Erfüllung dieser Ahnung kann mich trösten über das Handeln von Berlin[.]
Männer u Väter welche ein solches Streben ein achristliches d.i. von Gott loses also Gottloses
u unchristl. nennen ob es gleich ursprüngl. aus dem frommsten mütterl. Frauenherzen u dem christl.
Frauensinn geboren u durch denselben selbst frühe im Kinde im Knaben u Jüngl. geweckt worden ist.
Mögen nun auch Sie durchlauchtigste Frau u liebend sorgende mütterl. Fürstin in diesen nun
auch nicht wohl gleich ganz klaren Antworten die Gewähr u Sicherung finden daß auch Sie durch
ihr mir bewiesenes Vertrauen sich der Erfüllung Ihr[e]r mütterl. Wünsche er-
freuen werden. In dieser Beziehung erlauben sie mir die Hoffnung u Freude
auszusprechen, daß [nach] nochmaliger ernstlicher Prüfung der Frl. Hönicke
entwickelnder erziehender sinn u pflegende Leistungen u sinn, wie dieselbe bey billigen Forderungen Erwartungen ganz
der von Ihnen so offen als vertrauend ausgesprochenen
Forderungen entsprechend sind, ja aufrichtig gestanden - das eigentl. Re-
präsendative u die Erfüllungen für die erste Zeit die strengere Beachtung der hohen <Gesellen> Forderungen <ferner> abgerechnet - so /
[1R]
müssen wir uns gestehen daß die Wahl unter allen dreien wohl die mit den
hingebendsten unbefangensten Pflegersinn getroffen hat. Da ich nun
aus dem so vor mir liegenden gehemmten Um schönen Ganzen die beglückende Überzeugung haben darf daß sich der kleine
Herman einer Mutter mit dem reinsten Pflegesinn erfreut
so werden Ew Durchl. in Frl. Hönecke auch den eignen nach Ihr[em] mütterl. Wunsche ganz beachtend nach[-]
gehen[den] <acht[enden]> Sinn finden.
Doch machen Sie können u werden ja bald selbst entscheiden Frl. Hönecke wird
nämlich den 3ten d. kommenden Monats früh von Eisenach abgehen. Sie wird
die Reise über Leipzig, Berlin u Breslau machen und daselbst ihr[en] Bruder besuchen
und gedenkt am 19en Abends von Berlin aus in Breslau anzukommen,
und die Nacht vom 19-20 und den Vormittag daselbst in Breslau bey ihren
Freunden dem Lehrer Jacob zu[zu]bringen und am 20sten Sonnabends in
Fürstenb Trachenberg einzutreffen suchen. Sollten Ew. Durchl doch
andere Wünsche u Bestimmungen haben, so können solche ja noch zur rechten Zeit
uns mitgetheilt werden.
Um in den wechselseitigen Einigungen nicht nur die größte Offenheit sondern
auch die größte Sicherheit walten zu lassen, so haben wir nicht nur dem
Frl. Hönecke Ihr[er] Durchl. so schätzbare[s] Schreiben ganz vorgelesen, sondern ich habe
dieselbe auch aufgefordert sich dasselbe zur [sc.: zu] ihrer steten Nach<achtung>
abzuschreiben u. Frl. Hönecke wird auch in den nächsten Tagen in eigen[em] Briefe
ihr dankbares Eingehen in alle die von Ihnen ausgesprochenen dargelegten Bedingungen aussprechen.
Ich fühle mich Ew. Durchl. für diese offene und ausführl. Darlegung auf das
höchste verpflichtet denn nur auf solche Weise kann seegensreiches
Zusammenwirken, als das Wirken gleichsam einer entfaltenden Sonne
erreicht werden.
Sollten Sich nun die Hoffnungen die wir beide von Frl. Hö. hegen sich erfüllen so hätte [ich]
wohl doch eine Bitte nemlich die nach das 3e Jahr ihrer Wirksamkeit mit
einer Gehaltzulage bis zu 150 rth. zu erhöhen, denn, da das Leben immer ein
wechselndes bleibt so ist es einem solchen Mädchen bei ihrer BerufsEr-
füllung wohl zu wünschen daß es mit einiger <Berechnung> einem hohen Alter ent-
gegen geht wenigstens mit der Hoffnung sich - wenn es nöthig ist mit eigenen Mitteln
selbst noch eine sichernde Wirksamkeit zu begründen.
Ew. Durchl. edler menschl. Sinn wird mir diese väterl. Sorgfalt für ein
höchst allein stehendes übrigen[s] nur ganz mir durch den Beruf nahestehendes Mädchen ver-
nicht mißbilligend aufnehmen.
Der besondere Gruß des hohen Gemahles Ew Durchl. sieht mich hocher-
freut; denn es beglückt mich wenn Männer u Väter das /
[2]
mütterlich lieben[d] erziehen[de] und sorgsam pflegende Streben der Mütter ihrer Kinder achtend u
schützend anerkennen, denn in solcher Eintracht u innigem
Zusammenwirken kann das Wohl der Kinder u der gesammten Familie Heil
Friede u Freude in ihr gedeihen. Gestatten Sie mir nun jenen Gruß zu wiederholen.-
Schade, Schade das gerad jetzt zwei hohe erhoben[e] Königl. Frauen nicht zugl. Mütter
sind, gewiß würden sie sich dann durch ihre eigen[en] Kinder hindurch als ächte
Mütter des Landes fühlen und erkennen u solche häßl. Erziehungs Mißgriffe würden gewiß
die RegierungsZeit ihrer Königl. Männer nicht charakterisiren.-
Empfangen u genehmigen Ew Durchl. /

[2R]
[außer der Anschrift F.s von anderer Hand folgende Liste:]
  39 Loose Fr. Br:
 295 Loose Fröbel
 510 Loose Fr. v. M.
 210 Loose Dr. <Böhme>
-------------
1054 Loose im Ganzen.]
[1V]
[weitere rechnerische Notizen:]
auf 8½
10 frey

b) Abschriftfragment

[3]
Ewr: Durchlaucht haben durch Ihren mütterlich vertrauenden Brief mich hoch erfreut; Sie
können ermessen, welche Bedeutung derselbe für mich hat, wenn ich Ihnen der einfachen Wahr-
heit gemäß ausspreche, daß er die, von Berlin aus sich über mein Wirken verbreitete neblicht
dunkle, eisig kalte Winternacht nicht nur verscheucht, sondern überdieß sonnigen, leuchtend wär-
menden, hoffnungsreichen Frühlingstag in meinem Innersten hervorgerufen hat.
Ja, das wußte ich wohl, ein edler reiner Muttersinn konnte mich, in meinem Streben, wel-
ches liebender Mutter- und frommer Frauensinn mir früh im Gemüth geweckt hatte, nicht
nur nicht mißverstehen, sondern mußte vielmehr mit meinem Wollen mich in meinem In-
nersten erfassen; denn das erkennen Sie, Durchlauchtigste Frau Fürstin ja klar, mein
Streben ist kein anderes, als: - der natürlich einfachen, rein menschlichen, wie der edlen,
allseitig hoch- und durchgebildeten Mutter all die Ahnungen und Hoffnungen, Wünsche
und Gebete erfüllen zu machen welche unmittelbar mit dem hochbeglückenden Mut-
tergefühle geeint sind, mit welchen sie ihr Gottesgeschenk freudig pflegend unter ihrem
Herzen trug, wie muthvoll schmerzhaft ins Daseyn gebar und gläubig ins Leben ein
christlich frommer Frauensinn einführte.
Mögen nun auch Sie, Durchlauchtigste Frau und liebend sorgende, mütterliche Fürstin,
in diesen Gesinnungen die Gewähr und Bürgschaft finden, daß durch Ihr mir bewiesenes
Vertrauen eine Hülfe zu erhalten, durch welche Sie Sich der Erfüllung Ihrer Wünsche
erfreuen werden.
In dieser Beziehung gestatten Sie mir nun auch die Freude und Hoffnung auszuspre-
chen, daß, nach nochmaliger ernsten Prüfung des Fräulein Hönicke entwickelnd er-
ziehenden und pflegenden Leistungen und Gesinnungen, wie das dieselbe bei billigen Erwartungen [Text bricht ab]