Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Alexandrina v. Stückrath in Meiningen v. 5.12.1851 (Marienthal)


F. an Alexandrina v. Stückrath in Meiningen v. 5.12.1851 (Marienthal)
(BlM XXI,7k, Bl 369, Reinschrift 1 Bl 8° ½ S. mit Notizen zur Widerlegung des Kindergartenverbots, auch 369R, tw. eingegangen in Schlußpartie des Aufsatzes ”Über das Princip” in ”Zeitschr” H 2, S.12)

Fräulein Alexandrine von Stückrath pp Hochwohlgeb[oren] in Meiningen

Marienthal nächst BadLiebenstein 5/XII51.


Hochgeehrtestes Fräulein.

Dankbar zeige ich Ihnen hierdurch den richtigen Empfang der
gütigst übersandten Zahlung von Rth 73 - für Ihre Fräulein
Schwester Amalie an.
Sehr leid hat es mir nach Abgang des letzteren Briefes gethan
daß darin die Bemerkung vergessen worden, daß es mit der Zahlung
gar nicht eile; und es thut mir dieß noch leid.
Da nach wiederkehrender Zählung anstatt der blos zu empfangen-
den Rth 73, - die Einlage Rth 74 war, was bei Zahlungen in Papier
so leicht geschieht, so folgt dieser Thaler Mehrzahlung anliegend
schuldigst zurück[.]
Von Ihrer Frau Schwester, der Frau Dr. Behrens habe ich jüngst
einen Brief aus BadenBaden erhalten, worin sie sich in Begeiste-
rung über ihren Aufenthalt in der dortigen Anstalt des Herrn
Dr. Georgens ausspricht. Ich selbst bin darüber sehr erfreut. -
Mit besonderer Hochachtung
Ihr
Ergebener
FriedrichFröbel

[Notizen auf 369]
I. Die Bestrebungen der entwickelnd erziehenden <{m / Jugend / Menschen}> bildung und deren
Grundsätze und die Forderungen der großen Stufe der Menschheitsentwicklung und dieser
zu Grunde liegenden Gesetze
Die jetzige Stufe oder vielmehr der jetzige Zustand der Menschenbildung und
ihre eigentl Forderungen und das Wesen
Das Wesen und Streben der entw. erz. Menschenbildung und die ihre Grundsätze und Ergebnisse
und die Forderungen der jetzigen Stufe d
klar u unumwunden die Grundsätze sow[ohl]
als die Mittel meiner praktisch erziehenden
Bestrebungen meinem Volk und
meinen Zeitgenossen und Miterziehenden Eltern
wie Erziehern von Beruf ungeschminkt unverwundert zur zur [2x] Prüfung
vorlege[n] denn Wahrheit
Stetigkeit halte ich für die <?> letztliche Grundlage voller Wissen[schaft] [und]
Erziehung.
Bemerken will ich nur die Anstalt auf die sich die Darstellung bezieht trat am 23N 1816
[ins Leben] stand bis 1831 unter meiner unmittelb[aren]
persönl. [Leitung] u bis 1831 wie sie noch jetzt die <? ?>
<? ?> mein persönl Eigenthum ist. Dieser Schrift gehen
2 andere Voraus. An unser Volk 1820
Grundsätze durchgreifende Erziehung Grundsatz Zweck u <ein> Leben
woraus /
[369R]
d[urc]h Oberflächlichkeit Eifersucht u Eitelkeit u.s.w. u wie alle diese dunkeln Triebfedern heißen und wir sie sagen [sc.: bezeichnen] mögen
Wenn der Mensch der Mann für die Bewährung d.h. die Bewahrheitung seiner Lebens[-]
bestrebungen mehr als 2 Menschenalter d[urc]h ein Wirken in fast allen
Lebensverhältnissen für und vor sich hat und so wie man im gewöhnl.
Leben sagt schon mit einem Fuße im Grabe steht, so kann und darf
es ihm wohl erlaubt seyn für diese seine Lebensbestrebungen und die ihnen
zu Grunde liegenden Wahrheiten, besonders wenn Sie [sc.: sie] mißverstanden willkührl.
verdreht oder wohl gar und so ungerechterweise angefeindet werden, so ist muß ihm wohl
vergönnt seyn vertretend schützend für die Wahrheiten seines Lebens, die gleichsam sein
Leben selbst ausmachen aufzu<treten> und dieß um so mehr wenn diese seine Lebenswahrheiten
für deren Ausbildung und Ausübung eben als allgem. Lebens- u. Menschheitswahrheiten [gelten] er faßt [sc.: fast] schon seit
2 Menschen Alter thätig und kämpfend war, seit mehr als ein Menschenalter mit klarer Erkundung u
Festhaltung des Ziels[s] unverwandt u ununterbrochen thätig war - wenn
es dieß Streben jetzt von g[an]z einer anderen Seite her aber als das Streben er[-]
kannt u geprießen angeprießen wird was nicht allein unser deutsches
Volk sondern selbst die Menschheit von ihren Übeln zu heilen im Stande ist. In dieser meiner festen Lebens-
Ansicht u Überzeugung nun daß es Pflicht jedes Mannes u Menschen ist, die Wahrheit (hier geschichtl. wie logische
Denkwahrheit seines Strebens zu beurkunden zu vertreten) zu vertheidigen wo sie angegriffen wird hat es seinen
Grund daß ich in dieser Zeitschrift wegen der Vertretung und Darlegung meiner Bestrebungen zum Grunde lege
hier in derselben gleichsam eine Rechenschaft und Darlegung wörtl abdrucken lasse welche ich schon 1822, also gerad vor 30 Jahren meinen Zeitgenossen zu geben mich verpflichtet hielt, und weniger [bricht ab]