Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Dr. Scheve in Köthen v. 28.1.1852 (Marienthal)


F. an Dr. Scheve in Köthen v. 28.1.1852 (Marienthal)
(BN 630, Bl 6-7, hier: 7R, dat. Briefentwurf 1 Bl 8° 1 S. auf Rückseite des Eingangsbriefs Scheves vom 25.1.52)

Mthl. 28/I. 52.       Geehrtester lieber Herr Doctor.
Es hat mich gar sehr erfreut einmal wieder ein Lebenszeichen von Ihnen zu erhalten
und zu wissen wo mein Geist in der Erinnerung Sie aufsuchen soll, denn daß [sc.: das] können
Sie sich wohl denken, daß Ihre Thätigkeit Bemühen uns in die Kenntniß der innern Organe unserer
geistigen Thätigkeit einzuführen als erziehende dankbar in uns fortlebt, um so mehr freue ich mich auch
Ihnen auf Ihre gütige mehrfach theilnehmend-pflegende Anfrage eine günstige Antwor[t]
schreiben zu können. Nach dem was Sie mir von der Frl. v. der Noddgerie schreiben
soll uns dieselbe für den nächsten Sommercursus, welcher den 15 Mai – resp
in diesem Jahr mit Anfang einer neuen Woche, am 17‘ Mai beginnt und mit Ende
Octbr schließt als liebe Schülerin freundlich willkommen seyn.* Und somit ist von
dieser Seite Ihre Anfrage beantwortet u. die Sache abgemacht. Nur wollte ich
um gleich dem Verhältniß einen klaren und sichern Ausdruck zu geben bei Ihnen
und g[an]z besonders bei Frl v.d. Noddgerie anfragen ob sie sich zur Ausglei-
chung des Gebens und Nehmens nicht geneigt finden sollte mit ihrer Kenntn[iß]
der engl. u französischen Sprache dem Ganzen zu dessen besonders innern Fortbildung täglich einige oder wöchentl. einige Stunden einige Stunden [2x] zu widmen. In
welcher geeigneten Weise, das würde sich später, durch die Umstände bestimmt und gege-
ben werden, bestimmt heraus stellen; darum wie ich die
Sache im Allgemeinen jetzt schon ansehe, so würde dieß selbst für das Frl
selbst eine Gelegenheit zum tiefern Eindringen und freiern Beherrschen
des Gegenstandes für d als Lebensberuf haben [sc.:sein]. Ferner Da ich nun
nochmals vor Eintritt des gnd. Frl von demselben eine bestimmte Anzeige
desselben, und eine Antwort auf vorstehende Anfrage erwarte: so
würde es um der weiteren Klärung und Feststellung der Verhältnisse viel[-]
leicht gut seyn wenn Frl v. d. N. die Zeit wegen der Bezahlung der
gedachten 60 rth ob im Beginn des Cursus oder in der Mitte derselbe u.s.w.
[festzulegen überlassen bleibe]
Diese Bestimmungen bleiben dem Frl. g[an]z überlassen nur eben, daß sie um Irrungen zu ver-
meiden so voraus bestimmt werden, wie sie wirklich eingehalten werden können.
So wüßte ich nun hier nichts weiter hinzuzufügen als von uns wenn auch persönl
noch unbekannt die freundlichsten Grüße. – Auch mir bleibt jetzt nur, wenn
der Brief noch rechtzeitig zur Post soll, noch übrig den Wunsch auszusprechen, daß
sich in nächster Saison ein so reicher Besuch hier im Bade einfinden möchte, daß Sie sich
dadurch veranlaßt sehen, auch ihm wieder einen Besuch zu schenken und durch Ihre geistreichen
Vorträge ein höheres geistiges Leben zu wirken nähren. – Von meinem Wirken sage ich blos, daß [durch]
das bekannte Verbot nach mehreren Seiten hin die Theilnahme dafür noch mehr geweckt
worden ist so daß seit demselben mehrere neue Kindergärten nahe u fern entstanden sind.
*obgleich die von ihr bestimmte Vergütigungssumme der 60 rth gerad nur die Hälfte des jetzigen Cursusgeldes beträgt. Die Besorgung der Wäsche müßte dann aber von Frl. v.d.N. selbst besorgt werden was aber hier nicht eben theuer ist ferner würde das Frl. ihr eigenes Bett u Bettbezüge mitbringen wie dieß sonst der Fall ebenso einige Servietten u Ein Tischbesteck nebst Kaffeelöffel. Letzteres sind zwar keine wesentl Sachen doch wollte ich sie erwähnen da sie sonst zum g[an]zen gehören[.]