Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Luise Frankenberg in Bautzen v. 29.1.1852 (Marienthal)


F. an Luise Frankenberg in Bautzen v. 29.1.1852 (Marienthal)
(Autograph nicht überliefert, ed. Pösche 1887, 186-187. Seitenzahlen nach der Edition)

Marienthal, den 29. Jänner 1852.


Sehr wertgeschätzte, liebe Luise!

Ihr lieber Brief hat mich in doppelter Hinsicht gar sehr er-
freut, einmal dass ich nur überhaupt wieder Nachrichten von Ihnen
bekam und dann, dass dieselben doch wenigstens leidlich waren. Von
Grund meines Herzens wünsche ich Ihnen zu Ihrem Mut, zu Ihrer
Ausdauer, kurz zu Ihrem Gottvertrauen, in diesem Sinne zu Ihrem
redlichen Gebrauch Ihrer Kräfte und Fähigkeiten, Glück. Dieser
Sinn und solches Handeln werden Ihnen als rettende Genien auch
gewiß immer zur Seite gehen.
Suchen Sie sich nun auch immer mehr recht den Geist des
Ganzen zu eigen zu machen. Den Geist der Einigung und des Einig-
seins; den Geist der gegenseitigen Unterstützung und Förderung in
allem, was Ihre lieben Pflegebefohlenen und was Sie mit densel-
ben thun; den Geist für das Getrennte das Vermittelnde und Ver-
bindende zu finden; den Geist echter Lebenspflege, wahrer Liebe.
Lesen Sie nicht nur, sondern studieren Sie wirklich die Wochen-
schrift. Seien Sie sich selbst Kindergärtnerin und Kinderpflänzchen.
Arbeiten Sie alles selbstthätig durch und beachten Sie nun was in
Ihrem eigenen Geist, Gemüt und Leben vorgeht. Beherrschen Sie
so den Gegenstand im Geiste und in der Ausführung; dann führen
Sie denselben in gleicher Weise in Ihrem Kindergarten und mit Ihren
Kindern stetig durch, und beachten da, was in denselben vorgeht
und die Erkenntnis des Geistes des Ganzen wird Sie nicht lange
warten lassen. /
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Förderliche und ermutigende Anerkennung wird auch für Sie
kommen.
Für heute muß ich schließen. Ihre liebe Namensschwester wird
Ihnen hoffentlich weitere Kunde gegeben haben.
Ihr wahrer Freund

Friedrich Fröbel.