Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Luise Frankenberg in Bautzen v. 29.1.1852 (Marienthal)


F. an Luise Frankenberg in Bautzen v. 29.1.1852 (Marienthal)
(BlM XXII,2, Bl 97, Brieforiginal 1 Bl 8° 2 S. mit Beantwortungsdatierung L.F.s, tw. ed Pösche 1887, 187-188)

     Marienthal nächst Bad Liebenstein b. Eisenach 29 Jan 1852

          Beantw den 19 Apr 52

Sehr geschätzte, liebe Luise.

Es ist wahr: Sie haben auch mich durch die gemachte Geldsendung
überrascht; noch mehr aber durch die beygefügte Quittung des
Herrn Lecerf erfreut. Ich danke Ihnen für beides recht herzlich;
wollen Sie mir nun in Ihrem nächsten Briefe eine gleiche Freu-
de bereiten so bitte ich mir zu schreiben seit wann wir mit dem
Buchbinder Lehmann auf gleichem Fuße stehen. Noch wäre es
mir besonders lieb zu erfahren wie viel eigentlich Frau Goldschmidt
<von> Hamburg oder der dasige Frauenverein auf meine Rechnung
oder für mich an Ihren Bruder Adolf gesandt hat, was zu melden
mir von Ihrem l. Bruder in seinen Briefen stets vergessen worden;
und es ist mir ein unheimliches Gefühl nicht zu wissen, was ich eigent-
lich den Menschen zu danken habe.
Daß Sie, liebe Luise, einsehen, wie mir Ihr Brief sagt, daß
zur Anerkenntniß unseres Thuns das Bewußtseyn nicht genug
ist innerhalb unseres Raumes tüchtig und brav zu wirken, son-
dern daß auch der Raum selbst durch seine Lage, äußere Umgebung
und so w. zur Beachtung unseres Wirkens und Thun mit einladen
und dafür mit sprechen muß, das freut mich gar sehr. Bringen
Sie in dieser Hinsicht immer ein kleines Opfer; wenn Sie auch nach
irgend einer andern Seite hin etwas entbehren müssen. Ich habe
in mir die feste Überzeugung es kommt Ihnen dafür bald der Er-
folg. Keinesweges aber meine ich etwa über das Äußere das
Innere zurück [zu] setzen; behüte der Himmel, nein! das Innere
ja das Innerste ganz Unsichtbare z. B. die Gesinnung, die Liebe
der Eifer bleibt immer die Hauptsache , nur meine ich, daß
diesem schon Daseyenden auch ein Wenig das Äußere entspreche;
besonders hinsichtlich der Klarheit um der Natureinigung.
Sollte hierbei eine kleine Unterstützung Ihr Werk fördern, so
schreiben Sie es mir offen, damit ich sehe wie sich dieselbe ermit-
teln läßt. Bautzen dürfen Sie zunächst nicht aufgeben, sondern
müssen es ja sich zu erhalten suchen und so selbst in der höheren
Geistlichkeit Ihre Gegner zu besiegen suchen. Können Sie sich nicht
aus der dienenden Mittelklasse ein Mädchen als Gehülfin herauf
<kennten> [sc.: bilden] und die später irgend wo als Kinderpflegerin (Kindermädchen) /
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eintreten, vielleicht auch dann, und als solche auch mit ihren Pflege-
befohlenen
den Kindergarten besuchen könnte; Sie hätten dann doch
Jemanden mit welchem Sie sich über Ihr Thun und dessen Erfolg un-
terhalten und Besprechen könnten, was immer fortbildend ist.-
Daß Männer wie der Herr Diaconus Seybt Sie mit Ihren K.G.
besuchen freut mich gar sehr möchten es nur deren mehrere, möchte
es z.B. nur auch der Herr Seminardirector Dressel thun. Viel[-]
leicht können Sie ihn durch dHrn D. Seybt dazu veranlassen, zumal
da er ja im verfl. Jahr so thätigen persönlichen Antheil, d.h. An-
theil an Ihrer Person und dere Lage nahm.
Sollte Sie der Herr Diac. Seybt wieder einmal, oder Sie ihm
dankend einen Gegenbesuch geben und dann das Gespräch sich wie-
der auf Marienthal lenken, so können Sie mit Bestimmtheit aus-
sprechen, daß ich zunächst nicht daran dächte Marienthal zu verlas-
sen und am allerwenigsten schon im nächsten Sommer, daß
im Gegentheil mein Streben [sei] eine klare Mehrheit, zunächst drei
Kindergärten in meiner nächsten Nähe: Liebenstein, Schweina
(das Pfarrdorf) und Salzungen in möglichster Vollkommenheit her-
zustellen um so meinen Schülerinnen zugleich in einer kleinen und
verschiedenen Mehrzahl von Ausführungen die Früchte erkennen zu machen.
Auch sind schon zu nächstem Sommercursus einige junge Mädchen
und namentlich auch vielseitig vorgebildete angemeldet. Auch tritt
ein recht unterrichteter Mann, ein bisher in seiner kleinen privat-
Anstalt erziehend-lehrend thätig gewesener Candidat während eines
Jahrcursus als Schüler ein, um sich den Gegenstand so ganz anzueignen
daß es ihm möglich wird dadurch später seine Anstalt neu zu begründen.
Von ihm erwarte ich noch manches förderlich Eingreifende für das hiesige
Wirken, denn wenigstens ist es immer gut und besonders erregend,
wenn in einem solchen bildenden Kreise wenigstens eines ist, welches
den Gegenstand besonders denkend erfaßt. -
Schon im vorigen Brief wollte ich Sie fragen, es scheint aber daß ich
es vergessen habe: - Kennen und besitzen Sie denn die neue
Zeitschrift, die Fortsetzung der Wochenschrift? - Sollte es noch nicht
der Fall seyn, so würde ich Ihnen doch sehr rathen, solche durch Hrn
Marquart in Dresden besorgen zu lassen. Da derselbe so schon mehre-
re Exempl. bekommt so ist ein solches wenigstens bis Dresden leicht übersandt.
Ihre Namensschwester, meine Frau grüßt Sie schwesterlich und ich herzlich
als Ihr treuges.[innter] Freund FriedrichFröbel

[Randnotiz] Sich durch Vorführung von Spielen in Familien bekannt u. überhaupt Familienbesuche zu machen ist gewiß Ihnen förderlich.