Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Friedrich Hofmann in Hildburghausen v. 12.2.1852 (Marienthal)


F. an Friedrich Hofmann in Hildburghausen v. 12.2.1852 (Marienthal)
(BN 487, Bl 9, dat. Briefentwurf 1 Bl fol. 1½ S. auf einem halben Folioblatt geschrieben, das vorher als Briefumschlag diente (Siegelrest); 9R untere Häfte enthält eine Zeichnung von Drei- und Vierecken.)

Donnerstag am 12 Fbr 1852.


Sehr Hochgeschätzter, lieber Freund.

Du wirst gar nicht wissen was Du von mir denken sollst
daß ich auf Deine so herzige und liebe, so gemüthvolle Gabe
auf Deine freundliche so freundliche Zueig[n]ung als Zusendung Dir noch bis jetzt
meinen Dank schuldig bin; der erste Grund davon ist d[a]s natürl[iche] Gesetz
der Rückwirkung: ich wollte Dir gern auch etwas von mir was sich auf
das Christfest und g[an]z namentl. auf den Christbaum bezöge mittheilen, und da
dauerte es denn so lang ehe ehe der Buchdrucker seine Officin zur Anwen-
dung öffnete; endlich als ich besaß was ich wollte brachen die kleinern u
größern Stränge der Entgegn[ungen] so von allen Seiten auf mich ein daß ich auch eilen
mußte mich auf die Höhe zu retten; ähnl. wie in der wirkl. äuße[r]n Natur;
doch wie dort so hier verläuft sich der scheinbar zerstörende Strom, und eine
befruchtete Thallandschaft liegt statt einer <verwaisten> vor, und so eile ich nun auch dankend zu Dir
zu kommen, doch wenn ich sage so eile ich dankend zu Dir zu kommen, so meine möch[te] ich
ich damit keinesweges sagen daß ich Deine beachtende Freundlichkeit auf meine Per-
son auf <mich> bezöge, sondern ich erkenne u weiß recht gut und bin dadurch hochbeglückt d[a]ß sich Deine Anerkennt[ni]ß auf die Idee bezieht der[e]n Tr[ä]ger ich bin
denn die Idee ist etwas Ew[i]ges, bleibend[es]
während deren Tr[ä]ger u Verkündiger das Verg[än]gl[.]
ist[.] Und da hast Du denn recht mein theurer lieber geschätzter Freund; die Idee
des der entwickelen[den] erziehenden Menschenbild[un]g - die Idee der Kindergärten -
die eines organisch gegliederten Spiel[s]; und Beschäft[i]g[un]g[s] Ga[n]z[e]n wo jedes vorhergeh[e]nde d[a]s folg[e]nde
bedi[n]gt, wo jedes folgende sich aus dem vorhe[r]geh[e]nden Mit [sc.: mit] Nothwen[di]gkeit entwickelt
in Kinder<wohl> in Kinderglück u Kinder<Erziehung ergies[s]t> sie sind etwas in ihren Wirk[un]gen auf die Darleb[un]g des Menschenwesens auf
die Kundengebung des Menschenwesens u der Menschenwürde <aus aussprach>
"Und ew[i]g bleib ihr Lob unausgesungen."
halte [sc.: Halte] mich den[n] in dritten klaren ich mögte satgen [sc.: sagen] kalten Menschenalter
nicht für schwärmerisch, aber es ist wirklich nicht zu sagen was bis
in das kleinste hin sich g Großes aus den genannten 3 Ideen in sich <e[i]gendl[.]>
Eine, die Idee der Lebensei[ni]g[nun]g, der Lebensständigkeit sich Großes ent-
wickelt. Wirst Du glücklicher Vater, so mußt Du Dich nothwendig
ein Wenig [sc.: wenig] damit bekannt bekannt [2x] machen denn Er die Familie ist
der ächte Kindergarten, das die Familienleben u das Haus das Fam[ilien-] u d[a]s häusl[iche] Leben wird dann ein doppeltes
ein sonnen- ein mit Astrallichte erleuchtetes Microskop was im Kle[i]nsten des Kindes Leben die hohe
Menschenwürde in schöner Gestalt[un]g ausgeprägt siehe wie in dem
Telescop mit unen[d]l[ich]
verstärkter Sehkunst
welcher in dem un[end]l[ichen]
Weltraum die ew[i]g waltenden Lebensgesetze
als die Gesetze e Eines
ew[i]g Guten = Gott, der
engsten E[i]n[i]g[un]g des Lebens
= Liebe erkennen lehrt [.]
Ihr Literaten Ihr Dichter - Ihr Publicisten die ihr glückl[ich]e Gatten
und Väter seyd, Ihr müßt Euch mit
der Sache bekannt machen damit Ihr Euch wieder
Ein frischer Prometheusscher Himmelsfunke belebe
damit ihr wieder neues Lebensfeuer in die tr[ä]ge
Volks- und BürgerthumMasse einhaucht daß
sie erwachen fassen sehen u erkennen welch einen
Schatz ja ihn[e]n Gott und eben Gott, des Lebens u der ächten Lebense[ini]g[un]g = der Liebe, zum Schatz der Menschheit in ihr[e]n
Kindern in den Kündigern, Verkünd[i]gern eines
neuen Menschheits Lebens [sc.: Leben] gegeben hat; Wenn ihr nicht aus der Men-
schen Masse - wie die Compres[s]ions
Maschine durch den Druck aus der Masse der uns
umgebenden Luft Licht Feuer Wärme
entwickelt, so wird es zunächst mit der europäischen Menschh[ei]t wen[i]g[-]
stens mit der deutschen nicht besser: Ist es denn nicht mögl. daß
man zunächst wen[i]gstens die die [2x] wackere, ich glaube und hoffe wahr[-]
haft gesinnungs<trächtige> Redact[i]on Eurer Dorfzeit[un]g bleibend für die
Sache der Kindheit begeistere, daß sie we[n]igstens ihr Publikum ihre
Leser nicht nur für die Sache der Kindergärten u entwickelnden Erz[i]eh[un]g
und so w. belebe, sondern auch für deren Ausfüh[run]g und Anwend[un]g belebe,
wahrlich sie würde sich ein[e]n unverg[ä]ngl[.] Lohn in ihrem Bewußtseyn und im Bewußts[ey]n aller ihrer
Leser bereiten. Aber sie m[u]ß <stets> warten bis die Sache
aus Deutschl[.] u Europa gedr[än]gt aus Americka, für hier eine unte[r]gehenden [sc.: unte[r]gehende]
für dort eine aufgehende Sonne entgen herüber leuchte - Sie soll es wie
jetzt die die [2x] Natur - d[urc]h das Microscop beobachte[nde]n Naturfor[scher]
<Roßmeßl[er]> Ule - Müller rc machen sie soll das kleine Nahe
und in dem Klein[e]n das Große beachten also auch die <drin> für das gewöh[n]l[.] Auge noch unscheinbare
Idee Deutschlands u des deutschen Geistes u Gemüthes in
dem beachten was in ihr schon als großes durchgreif[e]ndes
Natur[-,] Welt[-] u Lebensges[etz] angedeutet ist.-
Du mein theurer lieb[e]r Fr[eund] wirst mich in der Liebe zu mein[en] <den> Kinde[r]n verstehen
denn Du bist Dichter u liebst in[n]ig die Kinder De[i]ner Muße, denn Du weißt
was selbst die unsche[i]nbarsten in ihrem Wesen si[n]d u in ihrem Wirken seyn sollen[.]-
und /
[9R]
Wie aber der Norden von Deutschl. die Idee unter der Schnee[-] u
Eisdecke der Verbote zu ertödten sucht, so sucht solche der Süden
von Deutschl. in die Welt hinauszuloben[.] Ein Pröbchen findest Du
hier in den kleinen Beilagen. Bald hoffe ich Dir mehrere zu senden.
Grüße M[eyer]- da ich höre u lese daß ihn die überw[i]egende Mehrzahl
der Bü[r]ger u selbst der Magistrat die <Lehrenden> Hildb[ur]ghaus[ens] so ehrend
anerken[n]en - also auf beide einzuwir so soll er als deren antw[o]rt[e]nde
Dankbarkeit doch dah[i]n zu wirken suchen, daß endl. nach so vielen
<Ist's> Jahren ein o[r]dentl. Kindergarten nicht Bewahr-Garten nach
Hildb[u]rghausen komme. Jetzt könnte ich Euch durch ein[e]n eignen Zufall eine
ganz vorz[ü]gl. Kindergärtne[r]in zurüsten wenn man das Bestehen
eines BürgerkinderKindergartens u das ökon[o]m[ische] u bü[r]gerl. Bestehen einer durch ge[-]
bildeten Kindergärtene[r]in dort suchen könnte.
Verzeih der endlosen Mittheil[un]g mein theur[er] Fr[eu]nd
Allein das Menschen[we]sen u Gem[ü]th ist ja nicht schlechter als ein Topf
mit kla[re]m Wasser wenn Wärme Hitze u Feuer
darunter kommt so wallt es hoch auf u über, wie sollte
das von Kindesliebe u Menschen Vaterland[-] u Volksliebe erfüllte He[r]z u Gemüth
nicht überwal[l]en wenn
es vom Wesen u der Würde der Menschheit <fr[e]uen> bege[i]stert
wird sagt doch das bekannte Spr[i]chwort. Wessen d[a]s [...].
Gr[ü]ße he[r]zl. Deine l. Frau all Deine lieben Verwandten in
Rottenbach von mir u den m[ei]n[e]n und erfreue uns an der Hand Deiner l. Frau bald
mit ein[em] Besu[c]h
Deine Dir u Euch
          in treu[er] Liebe E zugethanem
Luise u FrFr[ie]den.
(Wilhelm u Wilhelmi[ne] Fröbe[l]?)