Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Henriette Breymann in Baden-Baden v. 13.2.1852 (Marienthal)


F. an Henriette Breymann in Baden-Baden v. 13.2.1852 (Marienthal)
(BN 395, Bl 13-16, Brieforiginal 2 B 8° 8 S., tw. ed. Pösche 1887, 241-245. Bei der Reinschrift ist der zweite Bogen unten teilweise abgebrochen. Die entsprechenden Zeilen werden nach Pösches Druck in eckiger Klammer rekonstruiert.)

Marienthal, Freitags am 13 Febr: 1852.


Liebe Henriette.

Ich beeile mich Deinen soeben erhaltenen am 4en, dieses geschlosse-
nen uns am 12en wiederum in Hersfeld auf die Post gegebenen
Brief zu beantworten. Du schreibst mir, daß Ihr Euch wegen Wie-
derbesetzung von Henriettens Bothmann Stelle an Frau Opitz in
Leipzig gewandt aber von derselben noch keine Nachricht erhalten
habet; dieß wundert mich gar sehr denn Frau Opitz schreibt mir
in einem vom 6.d.M. dadirten [sc.. datierten] am 7en empfangenen Briefe:
„ – Als ich eben im Begriffe stand in Dresden für eine feste Wirksamkeit
„bestimmte Schritte zu thun, erhielt ich aus Schweinfurt von Frau Sus:
„Sattler
und Fräulein Breymann Briefe wo erstere mir die Stelle in
„Schweinfurt als Kindergärtnerin anbot.“
„Da nun meine Mittel nur schwach und die Entscheidung in Dresden
„noch ungewiß ist, so entschloß ich mich den mich sehr ehrenden Antrag
„anzunehmen. Demnach werde ich wenn anders nichts dazwischen
„tritt den 1en März in Schweinfurt eintreffen.“ –
Dagegen erhalte ich so eben einen Brief von Frl. Therese Holzmüller
aus Minden worin diese mir schreibt: - [„] Ein gewisser HE Heinrich
„Kaufmann hier Verwandter der Sattlerschen Familie in Schweinfurt
„brachte mir veranlaßt durch einen gewissen Herrn Robert Pabst
„Director des dort neu errichteten Kindergartens, und altem Freunde
„unserer Familie, die Nachricht von der freien Stelle in dem genannten
„Kindergarten, - welcher letztere mir zugleich sagen ließ: - daß wenn
„ich Lust hätte das Engagement anzunehmen, ich ihm dieß durch einige
„Zeilen wissen lassen möchte. Wegen einer indeßen von ihm angetre-
„tenen Reise trafen ihn meine eingehenden Zeilen leider erst in Cöln
„so daß ich gestern (am 10 Febr) seinen bestimmt antragenden Brief
„empfing, indem er mir noch die freundschaftlichste Aufnahme in sei-
„nem Hause zusichert rc.rc. so daß ich nun heut mein Zusageschreiben
„an ihn abgesandt habe.“ – So sollt Ihr also anstatt einer zwei
Kindergärtnerinnen erhalten; für welche werdet Ihr Euch nun
bestimmen, jede hat ihr Empfehlenswerthes. Frl. Holtzmüller
würde freilich durch Herrn Robert Pabst Zusage eine viel
gemüthlichere und günstigere Stellung haben als Frau Opitz und
so auch wieder mit voller freudiger Hingabe der Anst:[alt] leben können. /
[13R]
Nun zur Beantwortung dessen in Deinem l. Brief was Dich, Dein
Verhältniß und zunächst unsere erziehenden Bestrebungen
Betrifft. – Über den Plan des M. [Marius Bendsen] bin ich durch und durch erschrocken,
wie kann ein, nur etwas vernünftiger Mensch, nach den jetzt so klar
vorliegenden Thatsachen, nur noch zu einen solchen Gedanken in sich kommen,
und nun gar alles Ernstes an dessen Ausführung denken nein? so er-
fahrungslos, so unpractisch nein! so mangelhaft für ausübendes
Handeln hätte ich mir M. nun und nimmermehr gedacht. – Die Zeit der
Vereine und ihrer Wirksamkeit ist vorüber, was sie leisten konnten
haben sie geleistet, jetzt sind sie zu einem Document der Schwäche
der Unklarheit, der Unselbstständigkeit und Haltlosigkeit des Gedan-
kens, der Idee geworden; der Gedanken, der Ideen geworden, die sie
ins Leben einführen wollten. Wer sich jetzt noch zu Vereinen und an Vereine
um Hülfe für Darstellung seiner d.h. wahrer Lebensideen wendet,
der schlägt zum Sarge für ihre, schon etwa gewonnenen Gestaltung selbst
den ersten Nagel ein. Ein ganz Anderes ist die Einigung der Geister
die der Geist weckt, die der Geist eint ohne daß die Geister selbst
sich nennen und kennen. Das Bild des jetzt schon kommenden
Frühlings möge erklären was ich sagen will: Der Frühling ist die
wahre Zeit der Entwickelung der Erziehung; aber die Blumen, die
Bäume, die Vögel, die Thiere machen keine Vereine, sie sagen nicht:
kommt wir wollen uns vereinen, daß die todte Natur wieder be-
lebt werde und die Geschöpfe rc. ihren Schöpfer preisen; sondern, wie
die FrühlingsSonne sich hebt, wie der laue, warme Frühlingswind weht, wie der
weckende Frühlingsregen sprüht, da erwacht alles, die Blume blüht
die Lerche wirbelt, der Baum grünt und duftet*[-*]
*[Rand] Der Frühling sagt nicht: Saame keime – Blume blühe! – Knospe entfalte Dich!-
damit die Sonne erscheine; sondern der Frühling sagt: S. keime! – K: entfalte Dich! Blume erblühe
denn die Sonne scheint, wenn auch Nebel, Wolken, Dünste sie noch verschleiern
darum in dieser Umdrehung des Handelns liegt es. [*] Auf! bewirkt durch
Wort und That daß man, trotz Nebel und Wolken erkenne die Frühlings Sonne scheine;
auf, bewirkt eine solche Begeisterung eine solche Lebenswärme und
Lebenslust, daß der Mensch, wie der Saame, und die Knospe in sich
greife, in sich erwache und aus sich heraus sein Wesen entwickele er-
blühe. Wie das Veilchen neben dem Veilchen, die Rose neben der Rose,
und die Eiche neben der Eiche stehen wir da; und wie hier eines des
andern und aller Leben und Wesen in irgend einem Punkt dem andern
verschönt entgegenstrahlt, wächst, blühet, duftet grünt, so blüht und
duftet dann ein Mensch dem andern sein herrliches Menschheitswesen ent-
gegen; jeder, jeder sagt dann (wie dort jedes Veilchen: ich bin Veilchen rc.rc.) so:
ich bin Mensch ich bin Mensch und wiederhallend du bist Mensch u du bist
Mensch, rc. wir sind Menschen und ihr seid Menschen sie sind Menschen;
die Menschheit ist neu erschienen in einem neuen Gechlechte; Siehst /
[14]
Du, liebe Henriette, das ist die Lebenseinigung die ich ersehne, die
mir aber auch wirklich in meinem LebensHimmel, jemehr sich der A-
bend neigt, je dunkler es wird, um so heller entgegenstrahlt, wie auch am
Tage aus den Zweigen jetzt schon entgegen knospet. – Wie am nächt-
lichen Himmel ein Stern nach dem andern aus dem nächtlichen Dunkel
leuchtend hervortritt, so kommen mir aus unbekannten Orten und
von unbekannten Menschen die Beweise inniger Lebenstheilnahme und
somit Lebenseinigung die ich nie ahnete und diese ist es, die ich jetzt pflege
und so wird das der, sich so mehrenden Sterne Klarheit des Lichtes
Wahrheit, die Wahrheit des Gedankens, der Idee, des Geistes verkündigen
bis die aufgegangene Sonne der Menschheit die innige Wesenseinigung
in aller Gestalt und allem Leben offenbart.** - [**]
[**] Anstatt also wie M. will durch positiven Zusammentritt und sogleich
geforderten Geldbeiträgen die Sache zu fördern muß man in ganz einfachen
kurzen klaren Darstellungen der Wirkung, des Erfolges der Kindergärten in
möglichst vielen Localblättern bekannt machen, um so für sie zu gewinnen. [**]
das thut, das ist gut.
Wenn auch der Plan selbst durch seine Überraschung Dich zur Bei-
stimmung, ich möchte wohl sagen verleitet hat, so hat mich doch wenig-
stens von Dir gefreut, daß Du das Kleine, dem Großen entgegen
gesetzt hast, das Innere dem Äußeren. Ihr verlangt von den Fröbeli-
anern Geld!!! – Sie haben ja nichts, sie beten ja selbst um das liebe
tägliche Brot und – hätten sie es, soweit sind sie, die soge-
nannten Fröbelianer noch lange lange nicht, daß sie
immer von Neuem ihren Besitz der Darlebung ja nur in ganz
Kleinem, der vollkommneren Ausbildung der Idee opfern sollten,
selbst wenn ihnen dagegen und dafür wieder gegeben wurde und
wird? – Wie viel mögen es denn unter den vielleicht 50 Kin-
dergärtnerinnen und Hundert und mehr Schülern und Schülerinnen
Fröbels gewesen sein, welche seine Wochenschrift gekauft haben,
und gab Fröbel mit seinen Freunden nicht möglichst das Beste? -?-
Fröbel hat durch jene Schrift gegen 200 fl. Schaden und Schulden
bekommen, wer denkt daran ihn 200 Heller zu vergüten? Und den-
noch hat es Fröbel wieder mit einer neuen Zeitschrift, weil sie Noth
thut, begonnen; aber wie gar manche Kindergärtnerin ledgt sie
still aus der Hand – (ich weiß daß Du sehr und noch einige andere,
aber höchstens noch 3-4, in gleicher Weise für ihr Bestehen thätig
waren, wird darum ihr Bestehen zu sichern möglich seyn? -) weil
einem und einer der Preis zu groß und man zum Zusammen-
tritt die Mühe scheut.
Und nun durch Vereine gar das Hineinstreifen in die Politik
in die Polizey! – Das Politisiren der Kindergärtnerinnen, be-
sonders in Briefen, die man eröffnet hat, soll wesentlich, wenigstens /
[14R]
zur Festhaltung des Verbotes in Preußen beigetragen haben.
Ich bitte Dich daher halte auch Du Dich davon fern: Laß die Geschich-
te des Tages critisch an dir vorübergehen, doch lasse die Ergeb-
nisse derselben Dir nur schützend und pflegend für Deine Aussaat
auf dem Felde der Erziehung seyn, aber nicht zum Austausch polit: Bekenntniße.
Nochmals auf M. – Plan zurück zu kommen, so muß ich ganz
bestimmt erklären, daß derselbe weder in mir, noch so weit
irgend mein Einfluß und Bestimmung reicht, meine Beistimmung
erhalten wird. Ja der geringste, öffentlich bekannt werdende Ver-
such zur Ausführung würde uns den noch geringen Boden dessen
sich die Sache noch erfreut unter den Füßen wegziehen; M –
fürchtet keine Bajonette für die Sache; deren bedarf es auch zu
deren Vernichtung gar nicht: Verbote und Polizey thun schon das
liebe Ihrige.
Belehrung über die Sache in Worten und Schrift; begeisterte
und begeisternde Darlegungen durch Rede und Presse; Vorfüh-
rung derselben, Darlegung ihrer Wirksamkeit und ihres Erfolges
wo und wie es nur möglich ist besonders in Localblättern,
das ist es wodurch man die Sache nach
Außen hin und im Volke und Bürgerthum pflegen kann. M.
spricht von Geldbeiträgen zur Pflege nach Innen: Gönnen mir
doch die Unternehmer von Kindergärten nicht einmal die paar
Xr [Kreuzer] oder fl nach Umständen, welche ich etwa für Hingabe der
kostbaren Zeit, bei der Verfertigung von den Spiel- und Beschäf-
tigungsmitteln verdiene, sondern sie behelfen sich lieber mit
zwar billigeren aber unvollkommener angefertigten Spiel-
mitteln; irre ich nicht so hat man es Nürnberg und in Schwein-
furt auch so gemacht, wenigstens in Hamburg.
Genug, die ächte Förderung der Sache der Kindergärten ist ein
Gegenstand über welchem, nach meiner Erfahrung die sogen:
Fröbelinaner noch am meisten im Unklaren sind, wenigstens
in der Ausführung und That. Nach meiner Meinung ist es aber der
Weg, welchen Du jetzt betreten: erstlich durch ruhige hingebende Thätig-
keit ein tüchtiges, selbst sprechendes Ergebniß herbeizuführen und
dann diesem Ergebniß durch ein nahes achtbares und vielgelesenes
Blatt größt mögliche Öffentlichkeit zu geben. Ich freue mich darum
Deines Schrittes bei Dr. Vogel; veranlasse ihn, oder mache es sonst mög-
lich daß ich wenigstens 2 Exemplare von diesem Aufsatz erhalte.
Lasse mich Dir nun einfach sagen warum ich Dir den Aufsatz /
[15]
von Dr. Gwinner in der "Germania" gesandt habe. – Diesem Aufsatz
gehen noch zwei andere vorher, in welchem einen er das Wesen und
das Ungenügende der innern Mission Wicherns zeigt, in dem
letzteren IIIen zwar die Nothwendigkeit der innern Erhebung der Masse
des Volkes anerkennt, allein die innere Mission Wichern[s] keineswe-
ges dazu genügend ja nicht einmal dazu geeignet [erachtet], sondern er er-
kennt das Erhebungs-, und wenn Du willst das wahre Gesundungsmit-
tel des Volkes einzig in der Erziehung; er erkennt die moralische
Errettung des gesammten deutschen Volkes nur in der Erziehung und
als bestimmte Aufgabe der Erziehung, und somit spricht er von einer
"Mission der Erziehung." - Du siehst hieraus, daß Dr. Gw[inner] gleich in
dem Haupt- und obersten Satze der Lebensanschauung der Deutschen
mit mir übereinstimmt; denn "1821", weißt Du, sprach ich schon
in einem eigens dazu bestimmten Schriftchen und gleich auf dem
Titel desselben, aus: "Durchgreifende, dem deutschen Charakter er-
schöpfend genügende Erziehung ist das Grund- und Quellbedürf-
niß des deutschen Volkes." Und in dieser Überzeugung ruhen,
aus dieser Überzeugung gehen alle meine erziehenden Bestre-
bung[en] seit dieser Zeit wie schon seit Jahren vorher hervor. Dieß
das Eine und schon Wesentliche. Gehst du aber noch weiter und
beachtest prüfend und vergleichend mit unsern erziehenden
Bestrebungen von ihrem Beginne beim Kinde auf der Mutter
Schoos an, durch die Familienstube und den Kindergarten, ja,
durch die Vermittelungsschule hindurch bis zum Ziele des Unter-
richtes und der Lehre hinauf - das, was Herr Dr. Gwinner als das Wesen
der Erziehung, dieser Erziehung, als die Forderung der Mission der
Erziehung
hinstellt, so wird Dir hoffentlich mit mir das Zweit-
und für mich noch höher Wichtige entgegen treten, nemlich auch
die Übereinstimmung dessen was von ihm von der Mission der Er-
ziehung gefordert
mit dem was wir durch unsere entwickelnd-erzieh-
ende Bildung dem Menschen geben und weiter zu geben beab-
sichtigen. Mir ist [sc.: hat] dieser innere Einklang durch das Lesen des
ganzen Aufsatzes vor der Seele geschwebt und es dünkte mich
immer es müsse nun bald ausgesprochen werden: - die ent-
wickelnde Erziehung, die KindergartenErziehung, das sei die
Erziehung welche die "Mission der Erziehung" erf[ülle. Hast]
Du, l. H. ruhig den Aufsatz gelesen? - Hast Du [nicht Ähnliches]
wie das hier Angedeutete, dabei empfunden? - Und [nun, wo sich] /
[15R]
die Nachweisung solcher Erziehungsversuche unabweislich
entgegen drängt, was sagt er da? - S. 612. "nur vorbil-
den, nur befördern können wir das gemeinsame Werk." Erkenne
ich, erkennen wir die deutsche Erziehung nicht auch als ein deutsches
Volks- und Nationalwerk in all' meinen Bestrebungen seit 36,
und in all' meinen Schriften seit mehr als 30 Jahren? - Was sagt
er weiter? - "Eine Totalreform der öffentlichen Jugendbildung
wäre die erste umfassende und wahrhaft praktische That
"
- ist dieß etwas Anderes, ist dieß eine andere Forderung als
die, welche schon der Titel meiner 1820 erschienenen Schrift:
Durchgreifende rc. Erziehung sagt? - Und weiter sagt er. -
"Wie eine solche Reform zu verstehen sei, geht sattsam aus dem Bis-
herigen hervor.["] - Sagt dieß "bisher" von ihm Ausgesprochene, fordert,
leistet dasselbe etwas Anderes als das, was ich von 1816 bis
1852 und klar seit 1838/40 in den und durch die Kindergärten
erstrebt [habe]? - Weiter: "Nur geringe zerstreute Anfänge – bedeut-
sam als solche - zeugen von der Einsicht, dem Ernste und dem
Muthe, auf deren Erscheinung der Geist der Geschichte wartet".
- Erwartest Du nun nicht mit mir, muß nicht jeder welcher
nur Weniges von meinen, von unsern Bestrebungen kennt,
hier bei der Hinweisung auf "geringe und zerstreute An-
fänge" der bestimmten Erwartung seyn, daß er hier wenigstens
unserer, meiner Bestrebungen gedenke, von mir seit 32 Jahren öffentlich als
ein durchgreifendes dem deutschen Charakter erschöpfend
genügendes
und somit als ein deutsches Nationalwerk
in Wort und That hingestellt, daß er dessen wenigstens erwähne? - aber
was thut er, wohin weißt [sc.: weist] er, obgleich seit dieser Zeit nicht eine
sondern ein halbes Hundert Anstalten und Hunderte von
Erfahrungen im Leben für den Erfolg derselben sprechen? -
Er, der Deutsche, weißt [sc.. weist] um für die deutsche Mission
der Erziehung das Musterbild zu finden, auf Außerdeutschland, auf eine
Schweizeranstalt hin, welche ihr inneres Bestehen
durch ihren Geist nicht sichern konnte, sondern die eben,
wie in der Schweiz und namentlich in Ca[nton Bern sattsam bekannt ist]
durch ihren Geist, welches der Geist des Egoismus war, nun schon seit
Jahren in sich zerfallen, in sich versunken ist. - Siehe da, das
[ist die] Pflege, die Förderung deutschen Lebens und deutschen
[Strebens] von deutschen Sinn und deutschen Streben, beson-
[ders] von der deutschen Gelehrsamkeit aus! Da nun, /
[16]
hieran nun, meine ich, sollten sich die Bestrebungen der ächten
Fröbelianer, welcher d.h. der, in Beziehung auf die wenigen
Hauptsätze
der entwickelnd-erziehenden Menschenbildung
Einigen, die als den Keim- und Ausgangs- als den Lebenspunkt der-
selben in sich der Überzeugung sind: Alles Leben ist in sich ein
Einiges
- welche sich dazu in sich befähigt fühlen, anknüpfen und
zunächst, so einfach und bündig als nur immer möglich, gleichsam
als eine Ergänzung und Vervollständigung des Gwinner'schen Auf-
satzes - in einer, auf Grundsätze, Leistungen und Leben hinwei-
senden Darlegung zeigen, - daß eben die von uns angestrebte
entwickelnd-erziehende Bildung es sey, welche die Mission der
Erziehung
erfülle. - Dieser Aufsatz, diese Darstellung müßte
dann durchweg auf den Gwinnerschen Aufsatz Rücksicht nehmen,
ihm gleichsam immer von Hauptgedanken zu Hauptgedanken
gleichlaufend gehen. - Derselbe könnte dann wohl zunächst am
besten in unserer Zeitschrift abgedruckt und ein Heft derselben
an Herrn Gwinner, ein anderes an die Redaction der Germa-
nia eingesandt werden. Arndt selbst ist zu alt um sich in das
Ganze einzuarbeiten, auch giebt er dem Ganzen nur seinen
Namen und seine Wünsche, seine Bestrebungen zur Grundla-
ge. Gern hätte ich nun den gewünschten Aufsatz selbst min-
destens skizzirt, allein mir fehlt dazu alle Zeit. Da nun
Seite 616, in der Anmerkung, die gesammte weibliche Wirksamkeit
der Erziehung
in ihrer Bedeutung auch sonst noch in dem Aufsatze
anerkannt wird, da Dir das Wort leicht zu Gebot steht, da Du
eben jetzt nicht mit Geschäften überhäuft bist, so hielt ich das Ganze
für eine Aufgabe für Dich; jedoch kann sie, denn sie ist in ihrem
Umfange, wie in ihrer Tiefe eine Große und Wichtige und kann
darum von Mehreren und so vielleicht noch selbst von mir einmal
bearbeitet werden.
Hierdurch, hoffe ich, habe ich mich nun ganz klar in Beziehung auf
das ausgesprochen, was ich mit der Übersendung des Gw.[innerschen] Aufsatzes
bei und von Dir wollte und erwartete. In solchen Fällen liegt
aber eben die letzte Entscheidung immer in jedem selbst an welchen
die Anforderung geschiehet und so auch natürlich hier in Dir selbst.
- Doch noch Eines muß ich erwähnen, was mir [schon seit recht ]
Langem auf dem Herzen liegt. - Es wird seit [Längerem um]
unsere innere und äußere Lebenseinigung anzu[bahnen, öfter und] /
[16R]
mehrfach das Wort "Fröbelianer" gebraucht. Dieß Wort ist nun
aber nicht blos gegen mein Gefühl, nicht blos gegen meine Über-
zeugung, sondern aber auch das Leben in seinen Thatsachen spricht
nicht für, sondern gegen dasselbe; denn alle Aner haben sich
als solche in der bisherigen Geschichte der Menschheit immer als
Trennend bewiesen, da doch der Zweck und das Ziel des Lebens
Einigung in der Mannigfaltigkeit, „Einheit zu finden, zu erkennen,
darzustellen in der Allheit“ ist und so weiter ist. Warum be-
wirken alle Aner und Anerei Trennung? - eben weil sie Per-
sönlich
sind; aber alles Persönliche trägt die Wirkung des Trennenden
der Trennung in sich (freilich auch wieder nach einer anderen, gleich-
falls nicht zu übersehenden Seite hin auch wieder die Einigung,
aber die ausschließende in sich.) -
Daher habe ich stets vermieden meinen Wirksamkeiten
persönliche Namen zu geben: z.B. nicht die Fröbel'sche, sondern
die "allgemeine deutsche Erziehungsanstalt" In Blankenburg
nicht die Fröbel'sche Kinderanstalt - sondern "die Anstalt
zur Pflege des Thätigkeitstriebes" u.s.w. - die „Kinderbe-
schäftigungsanstalt", - der "Kindergarten", so in der Schweiz
u.s.w. und überall. - Der Ausdruck Fröbelianer scheidet ja sogar mich
von Euch, scheidet Euch von mir; wir beide stehen einander
gegenüber und nur in einem leichten und leisen Bande und
Verbande, als Aner, an einander; ich hoffe und wünsche
aber wir sind einig, ein Einiges, einer dem Andern dem Wesen
Streben u Leben nach gleich, wie gleich und einig in Beziehung auf
die Haupt- und Grundsätze unseres Thuns und Wirkens, wie ich
dieß schon oben aussprach; wir sollten uns darum auch durchweg
blos die - Einigen - nennen, womit nicht das volle Festhalten
der Persönlichkeit ausgeschlossen ist; da aber der, welcher einig in
sich, da aber [die] welche einig in sich und unter sich sind, auch nothwendig
friedig und freudig wie in und unter sich sind, wie auch so im Äußern
erscheinen, so können wir uns auch - wenn jener Name gleichsam
zu gestalt- und farblos erscheinen sollte, - die Friedigfreudigen
nennen. - Dieß ist jedoch eine Sache, welche ganz der freien
Entwickelung des Lebens überlassen bleiben muß; allein sie
will doch einmal zuerst ausgesprochen seyn. Jetzt hast Du für
[lange Zeit ge]nug zur Bearbeitung erhalten. - Luise grüßt Dich wie
[auch die Schü]lerinnen Dich grüßen. Daß Ottilie Bäring nach der Schweiz
[geht, weißt Du wohl]? - Sonst von vielen Seiten die besten Nachrichten.
Febr.52           In Liebe u Treue Dein Großoheim FriedrichFröbel.