Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an die >Georgenssche Bildungsfamilie< in Baden-Baden v. 13.2.1852 (Marienthal)


F. an die >Georgenssche Bildungsfamilie< in Baden-Baden v. 13.2.1852 (Marienthal)
(BN 451, Bl 12, dat. Briefentwurf 1 Bl 4° 1½ S. - Der Brief ist mglw. identisch mit dem bei Prüfer 1916, 200 erwähnten v. 14.2.1852 (sicher Abfassungsdatum einer abgesandten Reinschrift); vgl. Heiland 1982, Nr. 643. Das Blatt diente wohl als Ablageumschlag. Auf 12R findet sich betont deutlich geschrieben das Wort "Georgens". 12VR enthält außerdem rechnerische Notizen, 12R Notizen über Besuche, Briefe u.ä.)

Antwort auf den Familiarbrief der Georgensschen Bild[u]ngsfam[ilie] in B[a]d[e]n
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      Am 13n Febr 1852.
Wenn schon ein Blumenstrauß Wenn mehr noch ein Blumenkr[a]nz worin Blume u Blatt sehr voll sich an Blatt u Blume <schm[ie]gen>
eine doppelte Lebensein[i]g[un]g der Gebenden in sich wie des Empfä[n]gers nicht nur auszuprägen sondern sie be-
fest[i]gen soll dem Empfä[n]ger hohe Freude macht bringt, um wie viel mehr noch
der ei[n]ige und geeinte Gruß einer Familie, wie in den und d[urc]h den höchsten Zweck
des Lebens – ”Bildung” - wie dort d[urc]h reinen Duft, so hier d[urc]h einen Geist u ein Streben - geeinten Familie - und diese Freude, die hohe lebenvolle hat mir
geliebte Familie Dein lieber und freundlicher Familienbrief bey
Beginne des nun schon zum 8ten Theil wieder verschwundenen Jahres mir gebracht - Wundern kannst u wirst Du Dich darum mit Recht
wenn Dir jetzt erst nach beinahe Deinem schon g[an]z des neuen Jahres dessen Einführung u Glückwunsch er galt
die Rückwirkung, der Widerhall erscheint und dennoch könntest u kannst Du Dir das erklären, wirst es auch vielleicht
schon gethan haben: - denn je Großartiger, je tiefer einwirkend, eingreifend eine Handl[un]g ist um so la[n]gsamer ist ihre Rückwirkung
und so liegt denn wirklich die verspätete Beantwort[un]g {Eures/ Deines} gemeinsamen Familienbriefes in dem Brief[e]n in dem Charakter u in
d[em] wirklich Großart[i]gen und Zeitgemäßen, und ich muß sogar sagen wie Ortsgemäßen Geiste des Briefes selbst, denn eine dad[urc]h ist die große Thatsache gegeben, erschienen,
daß sich nicht nur wie bisher einzelne Personen, Män[n]er - oder Frauen oder Jünglinge u
Jungfrauen, selbst Knabe[n] u Mädchen, ja schon Kinder als solche und Einzelne, sich zur Darlebung des Guten ächten rechten sondern ganze Familien, welche alles dieß in sich <fassen>
dafür - für diese allseit[i]ge Lebenseinigung in dieser Allseitigkeit für Dar-
stellung neues Menschheitlebens einigen, eine solche - wirkliche Großthat fordert aber auch ehe sie ins klare Bewußtseyn
und wieder weiter in Allseitige Lebenswirkung tritt die entsprechende Zeit wie ein großart[i]ger Gegenst[an]d ein[en] großartigen
Spiegel und eine schön[e] großartige Gegend ein großes Bemühen fordert um sich in demselben wieder
zu spiegeln; Du theures und hoch u werthgeschätztes Familienga[n]zes siehst daher daß eben in der Verzögerung meiner Antwort die
hohe und tiefe Anerk[ennu]ng und weitgreifende Wirksamkeit Deines [sc.: Deiner] Handl[un]g liegt und daß Du somit diese verzögerte
Antwort nicht als ein Beweis der Nichtwürd[i]gung, sondern eben als einen Beweis der tiefen Würd[i]gung und Anerk[ennun]g desselben erken[nen]
mögest. Doch was ist für unsere Handl[un]gen die wir als Gut d.h. als Zeit- als Orts[-] und als Lebensgemäß er[-]
kennen noch wichtiger als lohnender als das Bewußtseyn Ihrer [sc.: ihrer] der gefunden[en] Würd[i]gung und Anerk[enn]ung?- Es ist das Erkennen Ihrer [sc.:ihrer] Fortwirkung
es ist die Wahr[nehm]ung des gleichsam des gleichzeit[i]gen Hervorsprossens der gleichen Handlungen in andern u fernern Gegenden
unter andern und doch wieder gleichen und ähnlichen Umständen - wie die eine Frühlingssonne und [-]luft
Same u Blüthen u Blume[n] gleichzeitig in den verschiedensten Gegenden u an den verschiedensten Gewächsen
hervorruft - siehest Du theure Familie, so kann ich Dir zum Dank und Dir zur Freude für Dein <Begeistern> d[urc]h einen, durch Deinen
Familienkranz - weiter melden, - daß auch noch andere ebenfalls erziehende Familien-Ganze in Dresden - Hamburg - Corbach und bis in meine engste Nähe selbst bis Salzungen so wie
ja bis zu mehreren einfachen wirklich aber ebenfalls erziehend[en] Fami[lien] herab
hin ausgesprochen haben: es muß diese Mittheil[un]g Dir auch (wie ich meine und glaube) der höchste u schönste Lohn für Dein
Handeln Dein Thun Deine That seyn, denn die Thaten sprechen u durch diese Deine That d[urc]h das Hervortreten derselben in verschie[denen]
Weisen wie unter verschiedenen Verhältnissen spricht sich die
große Lebensthatsache aus: - wie uns die Natur ein großes Sonnensystem u Weltenganzes
offenbart kund thut, so wird uns solches bewußtes Handeln das große Lebensganze desr Geister und des Geistes - des eignen
in allem u d[urc]h alles waltenden Gottesgeistes offenbaren.- Wie ich nun meine u glaube daß ich in dem Ausspruche dieser /
[12R]
Überze[u]gu[ng] Dir zugl[eich] in würd[i]ger Weise meinen Dank ausgesprochen und kund gegeben habe, so
zweifle ich nicht es wird Dir auch mögl[ich] werden denselben allen Gliedern Deines Hauses bis zu den
10 u 4jährigen herab zu deuten, die ich alle <einige> u persönl. durch Dich d[oc]h herzl[ich] und persönl[ich] grüße [bricht ab]
[Notizen in der Mitte des Blatts:]
Son[n]t[a]g früh - Von Babette 2ns ¼ Jahr 92 fl. Sonnt[a]g Ablieferung vom Tischler
SonnMontag = Brief an die Breymann? Besuch von Dr. Orth u Hanecke - von HE Cantor u Fr. Kantor zur Post.
Montag Dienstag = Dr Orth - Brief von <Roh Heb> BuchhandlHeubel - Doris Lütkens