Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Günther von Ziegeler in Sondershausen v. 5.3.1852 (Marienthal)


F. an Günther von Ziegeler in Sondershausen v. 5.3.1852 (Marienthal)
(BN 705, Bl 1-2, hier: 2V, dat. Briefentwurf auf Eingangsschreiben v. Z. v. 8.2.1852, 1 B 4° auf 1-2V. Auf 2R undat. Briefentwurfsfragment an unbekannten Adressaten, wohl um 5.3.52 verfaßt)

Marienthal am 5 März 1852.


Hochzuehrterender Herr Geheimrath.

Sie haben mich durch Ihre gütig theilnehmende Sendung v.8.v.M.
gar sehr erfreut, nehmen Sie dafür zuförderst meinen
recht herzl. Dank ebenfalls gütig auf; doch fast nochmehr als d[urc]h Ihre freundl. Zusendung haben Sie mich d[urc]h die
Hoffnung erfreut Sie vielleicht im nächsten Sommer in Bad Liebenstein und so auch in meine Wirkungsstädte [sc.: stätte]
zu sehen; denn erst dann wird es mir möglich werden Sie, bei Ihrer Aufmerksamkeit und Beachtung welche Sie der ethischen Bedeutung der Formen, Zahlen und Gestalten schenken, Sie in das eigentlich innerste Wesen
und die eigentlich tiefe Bedeutung und thatsächliche Wirkung der entwickelnd-erziehenden Kinderbethätigungs- sinnigen Beschäftigungsmittel
und in das wahrhafte Bildungszweckganze meiner Kinderführungsmittel einzuweihen; eben weil ich dabei den Menschen, das Kind
als sinnl geistiges Wesen als fühlend, denkend (erkennend) u Handelnd, als ein Wesen begabt mit Herz Kopf u Hand
im Auge habe, so gehört nothwendig zur vollständigen Erfassung meiner Bildungsmittel nicht nur das Selbstsehen
theils im Einzelnen an den Kindern, theils in während des organischen Zusammenhanges u Übersicht im Vortrage für den D[urc]h- und Überschauenden
Geistes [sc.: Geiste], wie selbst in einem gewissen Selbst Mitthun, damit man die eigentl. erfrischende, kräftigende und klärende
Wirksamkeit im eignen Gemüthe, Geiste u SchaffenThatkraft empfinde. Diese Spiele oder Kinderbethätigungs[-] u Beschäftigungsmittel haben
nemlich das ganz eigene [sc.: Eigene] wie sie das Gemüth veredeln, klären sie den Geist u bethätigen, machen thätig für das ausübendste
Darstellen praktische Leben, genug sie entwickeln den Menschen allseitig gleichmäßig und machen ihn so [zum] die hohen Lebensgesetze erkennenden
wie mit Selbstwahl u <Freudig>keit ausführend[en] u so wie zu einem zehrenden so tüchtigen
als darin beglückten wie beglückenden Gliede der Familie,
der Gemeinde, des Staates, des Volkes wie der g[an]zen Menschh[eit], dieß sollten endl. einmal die Gouvernements in allen Beziehungen
erkennen u anstatt so einseitig ja so thätig zu seyn die Kindergärten zu verbieten u zu schließen die Mittel zu bieten sie überall zu öffnen
denn sie sind trotz aller ministerialErlasse aus Berlin dennoch die Pflanzstädte [sc.:stätte] aller <bezügl> menschl. staatlichen Tugenden. – Ich freue
mich daß Sie die große Güte haben [daß ich] in Ihnen Hochgeehrter HErr Geh.R. einen Mann kennen gelernt [habe] welcher dieß anerkennt, so wie ich mich sehr dadurch freue, Ihnen bei Ihrer
Anwesentheit in B.L. als Gegengabe für Ihren den mir gegenüber [gegebenen] Beweis Ihrer achtenden Anerkennung meiner Bestrebungen alles dieß bethätigen zu können.
Die kleine Beilage von welcher Sie vielleicht noch weitern Gebrauch machen können, giebt Ihnen den Beweis daß auch die Idee nach andern Seiten hin ihren kräftigen Verkehr findet hervortrete u <wirkend> sei
[Fröbel wiederholt auf 2V oben nochmals sein Postulat, der Kindergarten sei ”Pflanzstätte” ”staatlicher Tugenden”]
da nach meiner tiefsten, mit meinem ganzen Sein Denken und Leben einigen nun wieder in einem verflossenen Halbjahr bis ins Einzelnste hin geprüften Überzeugung die von mir begründete[n] vielseitig nach ihrem Begründer genannten Kindergärten die wahren Pflanzstätten entwickelnd-erziehend aller Familien- bürgerl, menschl. u staatlicher Tugenden [sind] [Text bricht ab]