Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an C. Peter in Hildburghausen v. 16.3.1852 (Marienthal)


F. an C. Peter in Hildburghausen v. 16.3.1852 (Marienthal)
(BN 589, Bl 1-2, dat. Briefentwurf 1 B 4° 2½ S. Auf 1V obere Hälfte Schlußteil des Aufsatzes ”Kindergarten für Amerika”, auf 2R Entwurf des Zeugnisses für Selma von Stückrath v.23.3.1852. Auf 2V weiterer undatierter Briefentwurf ohne Adressat, Bezug zu Brief an Peter wenig wahrscheinlich, da andere Thematik. Dabei ferner fünf Zeilen Reflexion und Liste der 35 Fröbelschen Kindergärten im März 1852.)

Marienthal am 16. März 52


Hochverehrter Herr Schulrath

Schon längst war ich von dem mir bei meinem letzteren Zusammenseyn bewiesenen regen Theilnahme an meinen Bestrebungen
[vom] Pflichtgefühl durchdrungen Ihnen eine klare Darlegung von dem jetzigen Stand von dendenselben erziehenden
Bestrebungen
welche in sich zwar ein Einiges ist äußerl. und jenes in der Doppel Beziehung als Kindergartenangelegenh[ei]t und als Angelegenh[ei]t Sache meiner
hiesigen BildungsAnstalt besonders zur Ausbildung von Kindergärtner[innen]
insbesondere wie Erzieherinnen überhaupt – erscheint – zu geben; allein immer knospeten noch meine Ent-
wickelungen deren Entfaltung ich zur offnen Darlegung ich noch abwarten wollte und so verschob und verzog
sich die Ausführung meines so klaren als festen Vorsatzes bis jetzt; doch wie der äußere eine Kraft des Naturfrühling[s] sich zu
zu [2x] taufrisch äußerer Gestaltung (Darstellung) Erscheinung hervordrängt so sucht auch der innere Menschheitsfrühling äußere Gestaltung zu gewinnen
und so hat auch hat jetzt hinsichtl meiner Bestrebungen jetzt alles eine solche äußere Entwicklung und Gestalt erlangt, daß wohl erst von derselben eine Darstellung einen sichern Schluß auf die nächste
Zukunft gemacht werden kann und so eile ich zu erfüllen wozu seit so lange mich mein Geist u Gemüth drängten[.]
Das k. pr. Ministerial Verbot der auf meine Kindergärten scheint wenn auch als Verbot aufrecht gehalten, doch nicht eigentl. mein[en] KG
sondern eigentl. nur denen der Freyen Gm: [sc.: Gemeinden] gegolten zu haben und mehrfach in Preußen u selbst in Berlin noch KG
fortbestehen welche nur nicht von Freyen Gemeinden ins Leben gerufen worden sind, wie mir noch jetzt Folgends aus Berl[in]
geschrieben worden ist. – Auch die Schließung der Kinderg[ärten] in Baiern von welchen rec in Schweinf[ur]th u Nürnb[er]g scheint welche bestanden, scheint sich
mir auf die Fr[eye]n Gem[ein]den welchen man jeden Lebensstoff zu <beschränken> strebt zu beziehen indem der von d Fr[eyen] Gemeinden geschl. KG in Schw[einfurth] nun
als KG der Protest[anten] frisch u fröhl fortbesteht, auch in Nürnb[er]g einer Schullehrwitwe von Seiten der /
[1R]
von Seiten der betr. Behörde die Bewil[li]gung zur Gr[ün]dung eines K.G. ertheilt worden, welche nun um eine Führerin aus dem Kreis meiner Schülerinnen nachsucht.
In Beziehung auf Preußen habe ich noch hinzu[zufügen] daß die Fürstin von Hatzfeld zu <Trachenberg> im Distrikt Breslau
eine (Kindergärt[nerin]) als Erzieh[erin] ihres 5jährigen Sohne[s] genommen, ebensojetzt die Fr Reg. Räthin Berendt zu Coblenz
für ihre beiden 5 u 7jährigen Kinder. Außerdem bestehen die anderweitig nicht freyge[meindlichen] K.G. in Merseburg
Annaburg, Lünen, Berlin noch fort. Lünen 17 Mersebg 18 Berlin 19 Annabg 20 Dresden 24 <?> 26.
In Königreich Sachsen sind die Kindergärten gleich den übrigen Privat- u Vereinsanstal[ten] z. B. den Bewahranstalten zu
von Seite der Behörde anerkannt u müssen die Unternehmer derselben ihr[e] Erzieherfähigkeit u Thätigkeit u
Fertigkeit beweisen was uns sehr erfreulich ist, so bestehen denn auch 3-4 KinderG in Dresden, wie 2 in
Leipzig u.s.w.
Auch das HErrn Heinrich Hoffm[ann] in Hamb[ur]g zur Schließung seiner Thätigkeit zugekommene Verbot mag nur persönl.
Beziehungen haben, indem z[wey] Briefe aus Hamb[ur]g die Vermehr[ung] der dasigen Kindergärten namentl. der B[ü]rge[r]K[in]derg[ärte]n
melden. Die Hamburg[er] wie die Nordischen Schulzeitungen überhaupt z. B. das Hamburger Schulblatt und die Universitäts[-]
und Landschulzeitung von Hollstein u Lauenburg vertreten sehr die KdGn: wie denn auch wie in Altona
so in Kiel sich Kindergärten, ja in erster Stadt sogar mit Vorschule befinde[n]. Nach Sachsen Dresden u <?> Göttingen
In unsere[r] Nähe und mehr nahe finden sich Kindergärten in Gera Rudolstadt Keilhau Weimar, Gotha, Eisenach, Cassel, Göttingen, Schmalkalden
Auch in unser[m] l HeimathsLande muß ich der K.G. in Saalfeld Salzungen Liebenstein u wie ich höre auch balde in
Meiningen gedenken, so daß in Deutschl. gesch[ätzt] 30-40 Kindergärten [vorhanden sind] (ohngeachtet der (13) auf[ge]gebenen freygemeindl. [von] viell[eicht] 7-10 [)].
Also wie d[urc]h die Vermehrung von KGrtn u nd d[urc]h Anwendung der entwickelnd bethätigenden Erziehungsweise in denselben und in
einzelnen Familien (und zwar der sogen: höherer) bewähren sich Grundsätze der entwickelnd erziehenden Kinderbeschäftigungen, so
durch ihren überraschenden Erfolg warum alle Berichte sowohl aus den Kindergärten, wie aus den Familien
mit wahrer Begeisterung sprachen, so daß sich immermehr die Vorsteher schon bestehende[r] B[ew]ahranstalten geneigt fühlen [sich] zur
Gesunden Begründung u frischen früchtereichen Emporwachsen mit denselben Kindergärten zu verbinden, wie die Familien, zu Zeiten mehrer[er] Kinder
Verwandtschaftl. Familien zu kleinen Familiengärten zu einigen sich zu er[re]gt fühlen. Ebenso suchen sich wieder
die Kindergärten aus sich Vermittelungsschulen <-> zwischen Schulen zwischen KG. u eigentl Begriffsschulen hervorzubilden um auch da die stetig gleichgesetzige Fortent-
wickelung fortzubilden. Auch die Entwi[icklung] der Kinder[gärten] aus sich z. B. 1‘ 2‘ 3 u 4 Bürgerk[in]d[e]rgärten in Hambg.
Sie erkennen hochverehrter Herr Schulrath gewiß sehr leicht daß dieß alles <nicht> u nicht in dem allgem.
Maße statt finden kann, wenn nicht in der Grundlage in den Prinzipien der K.G. der Keim u die Bedingung zu einer so allseitigen tüchtigen Kinder-
u Jugenderziehung läge.
Doch nicht keinesweges diese praktischen Beweise allein welche für die Wahrheit und (Tüchtigkeit) für die innere Begrün[dun]g dieser Erz[iehungs-]
Grundsätze reden sondern ganz vorzügl. sind es [Stimmen] in der neuen Zeit die sich vielfach in öffentl. Blättern und
besonders Erziehungs[-] u Schulzeitungen wie in andern <Srz> u Schulschriften auf Erfahrung u Nachdenken
beruhende Stimmen erfahrener u denkender Erziehenden u Lehrenden [die sich] für die Sache erheben; hieher gehört vor allem
die Stimme einer in der Erziehungswelt sowohl d[urc]h ihre praktische Wirkung wie durch als schon mehrjährige Vorsteher[in] einer weibl. BildungsAnst[alt]
in Hamburg als d[urc]h ihre literarische Wirksamk[ei]t[e]n u Herausgabe ihrer Erziehenden Blätter und der jetzigen periodi[schen]
Erziehungsschrift [”] unsere Kinder[”] allgem. bek[annt] ist, diese hat sich seit Jahren in früheren so jetzt in zwey jüngstens in zwei Aufsätzen für die Sache ausgesprochen
(welche ich beide in besondern Abdrucken hier beizulegen mir erlaube, und wovon ich ganz besonders den letzten in
No 55 der Hamb. Nachrichten für den wichtigsten und wirksamsten halten muß, wegen seiner richtigen und klaren
Auffassung meines Wirkens als rein pädagogisch [.] – Derley Aufsätze sind aber jüngst mehrere von den geachtetsten Schulmänn[ern]
so z.B. in der <Crambergs> Zeitung von den Gymnasial Direktor Denhart – in der Hollstein[schen] u Lauenburg[schen] Universitäts-
u Volksschulzeitung von Prof. Thaulow in dem Hamburger Schulblatte von Theodor Hoffmann in dem Waldeckschen Schulblatt vom Gymna-
siallehrer Beck
, von <Canitz>in der Sächsischen Schulzeitung – in den Rh[ein]lBlättern
dann aber in besondern Schrift[chen] so von R. Waldeck Die Kindergärten im Lichte der Gegenw[art]
in <Nach> in – welcher sogar bekennt daß er von einem frühern heftigen Gegner <ß> der Erhebung zu einem eifrigen Beförderer der
Sache umgewandelt worden sey. In der neuesten Zeit ist ein[e] kleine freundl. Beachtung in dieser Beziehung er<schienen>
auf welches ich besonders Werth lege indem daran auch das Meiningsche Land participirt Antheil hat, indem es von dem
Pfarrer Schwartz des Schwarzbl. Dorfes Braunsdorf (aber zugl auch des meiningschen Ortes Birkenfriede ist; das Büchelchen führt den Titel
”Unsere Kinder u den Kinder[n]” in welchem ein Landprediger u Familien Vater u Großvater von 30jähriger Erfahrung in einer besondern Abhandlung be-
geistert den Fr Fröbelschen Kindergärten das Wort redet. Es thut mir gar sehr leid daß
ich von all diesem nicht die Beweise beilegen kann, doch liefere ich solche nach wenn es gewünscht werden sollte[.] /
[2]
Diese sich öffentl und ohne weiteres Wort aussprechende Erfolge bestimmen nun aber auch wieder wenn jetzt besonders
gebildete und Urtheilfähige Familien ihre Töchter den Beruf der Erzieherin u Kindergärt-
nerinn zu widmen [sc.: ergreifen], so sind die Schüler[innen] meiner jüngsten u jetzigen Curse die Töchter von Stadtprediger[n], Ärtzten
Beamten u.s.w. mit entsprechender guter Schulvorbildung.
Als Erzieher Männer Vertreter außer den schon genannten welche Vertreter der Fröbelschen Sache können noch genannt werden
Herr Gymnasialdirektor Hiecke in Greifswalde – Dr Bädeker u Schulrath ich glaube <Kraus>
<Bende> in Hannover – Herr Schul[-] u Reg. Rath Weiß in Merseburg – Herr Oberconsist[orial[rath]
<Maschner> (ein 70jähriger Greis) in <Dresden> – der Direktor Vogel an der Bürgerschule in Leipzig, der thätigen
Männer sind Deutschlands gar nicht weiter hervorhebend und viele andere in andern Städten
mir genannt ja sich mir selbst schriftl. begeistert theilnehmend aussprechend unerwähnt.
Sollten Sie sich nun hochverehrtester Herr Schulrath und Professor durch diese offene
vertrauensvolle Mittheilung veranlaßt fühlen von [bricht ab]
[Weiterer Briefentwurf] Es fragt sich nun ob man mich von Seite des Ganzen, des Staates
als Magnet – als Entwickler – Erzieher – Bildner
(Bild = Darstellung dessen was Du selber willst)
als Pädagogen, als Sonne – als Sauerstoff – Oxygen – Lebensluft
als Geist        als Licht – als Wärme – als Feuer – als Kraft
als Vermittler, als Agens – als Retter aus den Trübsal des Lebens
anerkennen will.
Die Hauptfrage also ist über auf sich deren Beantwortung ich von Ihnen Hochzuverehrender
von Ihnen Hochzuverehrender Herr auf freundschaftlich vertraulichem Wege möglichst bald
hören möchte ist also ganz einfach diese
kann die hohe Staats Herzog Meining Hohe Regierung und dessen hohes Staats Ministerium des Herzogthums Meiningen meinem Wirken
dann in seinen vielfach, in meinen u fremden Schriften mein[en] u fremden Tagesblättern, besonders
zusammengedrängt in der Darlegung der Fr. L. der Hambgr Nachrichten No 55 Dargelegten
aus g[an]z fremden Geiste, klar u einfach zusammengedrängten dargelegten Wesen, in dem Meining[er] Lande der freyen Entwickelung dessen selbst dann mir
Schutz gewähren selbst wenn (ohngeachter die Ministerial[-]
erlasse selbst
[)] selbst von einer fremden Macht dagegen wiederkehrend dagegen – wenn auch blos der Form halber Einspruch gethan würde.
Könnte ich durch Ihre freundschaftl. Gewogenh[ei]t bald darüber auf vertraulichem
Wege belehrt werden, so würde dafür sehr dankbar seyn, denn das le
wie in Frühl[ing] jedes Samenkörnch[en] ein Keimchen treibt und Grund u Boden sucht um sein Herzblatt zu
entwalten [sc.: entfalten] wie im jetzt all belebten Frühl. jedes
kleinste Pflänzchen seine Wurzeln nach der Erde sendet um seine schwellenden
Blätter u Blüthenknospen zu schützen Blätter zu fruchtbaren Blüthen reifen Früchte
zu entfalten, so ein Unter[than] [bricht ab]
in sein vielfach öffentl von mir u andern Dargelegten
besonders aber in einem Aufsatze der Hamburger Nachrichten No 55 kurz
zusammengedrängten u klar dargelegten Wesen
der freyen Entwickelung desselben in dem Herz[og]l Meining[er] Lande selbst
dann Schutz gewähren wenn von einer fremden Macht dagegen u wiederkehrend, wenn
Einspruch gethan würde Form halber auch blos da
nicht nur selbst die Richtung <genom[men]>
sondern könnte er sogar in diesem seinen Wesen und Wirken
nun dem hohen Gouvernement als organisches Staatsglied die Anerkenntniß er [bricht ab]
[Auf dieser Seite steht ferner eine Liste von Orten mit Kindergärten sowie deren Zahl]
Keilhau 1
Rudolstadt 1
Weimar 2
Gera 1
Eisenach 1
Gotha 1
Erfurt 1
Annaburg 1
Merseburg 1
Hamburg 7
Dresden 5
Leipzig 2
Schweinfurt 1
Darmstadt 1
Baden Baden 1
Cassel 1
Göttingen 1
Schmalkalden 1
Lünen 1
Berlin 1
Keil 1
Altona 1
<Halle> 1
_________
     35