Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Friederike Fröbel in Burgdorf v. 16.3.1852 (Marienthal)


F. an Friederike Fröbel in Burgdorf v. 16.3.1852 (Marienthal)
(BN 437, Bl 4, Brieforiginal/Fragment 1 Bl 8° 2 S.)

Marienthal nächst BadLiebenstein bei Eisenach im Groß-
herzogthum Weimar am 16/III 52.


Werthgeschätzte, liebe Nichte.

Es hat mir zwar, ich gestehe es Ihnen ganz umunwunden
sehr Leid gethan, daß Sie mich nicht der Theilnahme
und des Vertrauens gewürdigt haben mir den so um [sc: un]-
erwarteten als schmerzlichen Verlust Ihres lieben Man-
nes meines wahrhaft von mir geliebten Neffen anzu-
zeigen welcher so viele Jahre hindurch mein unmittelba-
rer Pflegesohn Zögling und Schüler war, welchen ich später
nicht nur mehrfach zum Mitarbeiter gerufen sondern ihn
sogar gern zweimal in Willisau und Burgdorf als Erbe
und Fortführer zweier von mir gegründeter Wirksam[-]
keiten begrüßt habe. Es wundert mich dieses beachtungs-
lose Umgehen um so mehr, als mich Ihr lieber Mann früher
gewürdigt hatte bei Ihrem Erstgebornen Pathenstelle zu
vertreten. Ich will gar nicht erwähnen daß ein solches Han-
deln mich, dessen Stellung und innere Bedeutung zum Famili-
enganzen ich gar nicht hervorheben mag - in der Gesammt-
heit des Familienganzen als ein veraltetes und weiter
unbrauchbares Hausgeräth gleichsam an die Stelle des Über-
flüßigen setzt, sondern ich will blos hervorheben daß ein sol-
ches Handeln von einer Witt[w]e und Mutter ein schwer zu
rechtfertigendes, ja nicht einmal zu entschuldigendes ist, denn
vor allem in den jetzigen W wandelbaren Verhältnissen des
Lebens darf man vor allem unmündige Kinder nicht
aus dem Familienganzen und dem Stamm- und Keim-
punkt derselben trennen - dieser Stamm- und Keimpunkt
heißt aber Fröbel, dieß ist keine Willkühr und kein Egois[-]
mus, das Schicksal hat es so gefügt, auch ist es weder Will-
kühr noch Egoismus daß ich der Senior dieses ganzen Ge-
schlechtes sind [sc.: bin], und sehen Sie liebe Nichte, so haben Sie nicht nur
kein Recht, sondern Sie haben sogar unüberlegt gehandelt,
daß Sie dem Groß Oheim Ihrer Kinder (väterlicher Seits) nicht /
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unmittelbar den Verlust meldeten welcher denselben be-
troffen hat. Es wäre nicht besonders um meiner Großneffen
und namentlich auch meines Pathen willen, mir noch
gar viel übrig was ich Ihnen wegen des Unbedachten
und Unstatthaften Ihrer Handlungsweise zu sagen
hatte, denn - das Leben ist ein sehr ernstes - seine
Hauptordnung ist: - daß man dasselbe in seinem
großen natürlichen und geistigen Lebenszusammen-
hang behandle und besonders Kinder und namentlich
Unmündige in diesem von Gott gegebenen natürlichen
und geistigen Lebenszusammenhang herauf erziehe
keinesweges aber sie demselben entfremde und ent-
ziehe. Es ist eine Möglichkeit daß Sie mich, liebe Nichte
hinsichtlich des im Vorstehenden Ausgesprochenen weder
in Beziehung auf mein Gefühl und Empfinden, noch hinsichts
meines Denkens und meiner Überzeugung, noch in Be-
treff meiner Erfahrungen und meines Handelns nicht
verstehen, dieß alles konnte mich aber im pflichtgefühl
gegen Ihre Kinder und meinen Pathen nicht abhalten
Ihnen das Vorstehende so ernst als bestimmt und gemüth[-]
lich auszusprechen.- Der Name Fröbel ist in Deutschland
und über Deutschland ja bis in überseeische Erdtheile hin
ein unaussprechliches ein unschätzbares - sich in seiner tie[-]
fen Bedeutung noch lange, lange nicht entwickeltes
Erbe, ein Erbe, dessen Früchte sich steigend vermehren,
steigend veredeln - und ich habe dem Namen diese Be-
deutung, diese Würde gegeben, denn selbst die hohe Achtung
die sich Ihr seel. Mann erworben gehört wie seiner Per[-]
sönlichkeit und seinen Charakter, so seiner Kindheit
Pflege <Oheimsentwickel[u]ng> und Erziehung, Lehre an. Dieß
- obgleich durch mich hindurch gegangen rechne ich mir
aber nicht zu, denn meine Klugheit hat es nicht er-
dacht, es ist des Schicksals freie, der Vorsehung weise
Gottes gütige und väterliche Gabe, aber vom Vater
GroßVater und Urgroßvater habe ich es schon pfle-
gend erhalten und dieß waren sämtlich Fröbel, das [Text bricht ab]