Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Marie Herzogin von Sachsen-Meiningen in Meiningen v. 6.4.1852 (Marienthal)


F. an Marie Herzogin von Sachsen-Meiningen in Meiningen v. 6.4.1852 (Marienthal)
(BN 619, Bl 30-31, 2 Entwürfe, der erste, undatierte, ausführlichere, auf 1 Bl 8° 30-30R mit 2 Seiten Umfang, gänzlich durchgestrichen, der zweite (datiert) auf 1 Bl 4° 31-31R, 1½ S. Reinschrift, aber mit Korrekturen. Die zweite Fassung ist Fragment, bricht nach der Wiederholung der ersten Hälfte des Textes des ersten Entwurfs ab.)

a) 1. Entwurf


          Durchlauchtigste Frau Herzogin
Gnädigste Frau Herzogin und Frau.

Ew Hoheit hätte ich schon längst sehr gern von einer bevorstehenden Veränderung in Kunde gesetzt welche seit Langem schon <-> der Führung in des von
Höchst Ihnen in gnädigsten und huldvollsten Schutz genommenen Kinder-
gartens und seiner Erweiterung zur Bewahranstalt in Liebenstein bevorsteht, wenn
sich nicht das Ganze bisher mehr als ein schwankendes Wünschen [denn] als
eine entschiedene Sache erschienene Sache wäre; denn zuerst erst wogte schon lange der zu fassende Entschluß bis noch g[an]z kürzl[ich] auf und ab so daß er
mehrmals gefaßt u. mehrmals verworfen wurde, dann hing endlich
es dessen Ausführung zunächst von der Erlaubniß der betreffenden Behörde dazur Errichtung eines Kindergartens in Meiningen
dann von der nöthigen Anzahl der sich dazu sich zur Theilnahme an der neu zu errichtenden Anstalt theilnehmenden meldenden Kinder u resp. Eltern
endlich aber auch der Auffindung einer zweckmäßigen
Localität in Meiningen ab, ob der Wunsch u das Bestreben Frl Paulinen Schellhorns, Ihre [sc. : ihre] Thätigkeit als Kindergärtnerin von Liebenstein
nach Meiningen in ihre Vaterstadt, ich glaube besonders nach dem Wunsche ihrer
Mutter überzutragen, in Erfüllung gehen könnte.
Endlich scheint nun alles dieß zu einem
bestimmten Abschluß gekommen zu seyn, indem Pauline Schellhorn den
Wunsch ausgesprochen während der Osterferien nach Meiningen zu gehen um
dort selbstthätig sich für Auffindung eines zweckmäßigen Locales zu ihre[r] künftigen Wirksamkeit [zu] bemühen, da alle
Vorbed[ingu]ngen dazu sich zu ihren
Gunsten entwickelt haben. – Daß von Ew. Hoheit dem Wunsche Schellhorns keine Hemm-[nisse] in den Weg entgegen [bricht ab]
Es war natürlich, daß ich wir, bei dem beglückenden Vertrauen, welches Ew Hoheit
in diese Oberleitung des Liebensteiner Kindergartens setzen, es nicht bis auf den letzten Augenblick der Entscheidung Paulinens ankommen lassen konnten uns für an
die Stelle der Wirksamkeit Paulinen S. nach einer entsprechen[den] und genügenden Stellvertreterin derselben
umzusehen, diese scheint sich nun auch in einem jungen Mädchen gefunden zu haben, welche nicht allein seit nun bald einem Jahre sich in unserm
Erziehungskreise der Ausbildung für frühe Kinderpflege und ganz namentlich der
einer Kindergärtnerin mit größten Fleiße widmet; sondern, obgleich noch jung
doch schon während 2 Jahre Gehülfin der musterhaften Kindergärtnerin Frl. Julie
Traberth
in Eisenach war. – Caroline Schrader, so heißt das junge Mädchen
und selbst eine geborene Eisenacherin ein kindl jugendliches Gemüth ihrem gewählten
Berufe mit der vollsten Liebe und Hingebung lebend, ist ein einfaches bürgerl
Mädchen mit Fleiß u Ausdauer wie mit Erfahrung u Übung in ihrem Berufe, diese
ist es darum auch welche Ew. Hohheit wir meine Frau und ich in vollster Übereinstimmung Ew und nach unsern vielseitigen reiflichen Überlegungen zur
Nachfolgerin Paulinens vorzuschlagen uns im Interesse der Anstalt vorzuschlagen [2x]
uns verpflichtet fühlen. Weil nun aber der A Sehr gern hätten wir nun /
[30R]
freilich Caroline Schrader vor Abgang Paulinens Ew Hoheit zur Selbst[-]
wahl vorgestellt; da aber dieß indem Pauline schon am letzten gegen Ende
April von hier abzugehen gedenkt um auf den 1 Mai
ihre Wirksamkeit in Meiningen zu beginnen nicht möglich so erlauben bitten wir uns
Ew Hoheit zu bitten gnädigst zu gestatten daß Caroline Schrader
wenigstens bis zu der Zeit wo sich unsere Gegend wieder des Glücks
Ihrer huldvollen Nähe erfreut – die Stelle Paulinens in Liebenstein
vorläufig u einstweilig versehe, und dann Ew Hohheit Caroline selbst persönl
vorzustellen und damit sowohl ihre Person wie ihre bis
bis dahin vorliegende Wirksamkeit für oder gegen ihre Wahl sprechen
zu lassen. Ich unterlasse jede weitere Mittheilung der Er[-]
wartungen zu welchen mich u uns das bisherige Betragen von Carolinen
berechtigt um dann später durch die vorliegenden Thatsachen die
Wahl Ew Hoheit als gnädigste und huldvollste Beschützerinn des
Kindergartens und der Bewahranstalt frey thätig bestimmen zu lassen.
Da ich aber keineswegs wünschen kann, daß durch die gnädigst
übernommene Protection Ew Hoheit Bemühungen erwachsen mögen, so
ersuche ich höchsthier der Überbringerin dieses und blos mündlich d[urc]h die
Überbringerin dieses HöchstIhre Bestimmungen hinsichtl meines ohnerbietigen
Vorschlages zu kommen zu lassen.
Ehe u bevor es uns mögl wird Ew Hoheit weitere hohen u gnädigsten Bestimmungen
auf Altenstein persönlich entgegen zu nehmen hinsichtl der Führung des
so kann sich versichert halt[en] Kindergartens zu Liebenstein Liebenst Kinderg entgegen zu nehmen
von den wie höchsten Best werden wir uns bemühen alles aufzubieten
den Ihnen würdig zu seyn damit Ew Hoheit bey HöchstIhrem prüfenden Besuche der
Anstalt um welchen wir ehrerbietigst und zur Freude der Kinder und
Förderung des Ganzen bitten, es alles zu Ihrer Zufriedenheit finden
und sich überzeugen mögen, daß HöchstSie Ihr hohes Vertrauen einem
Manne geschenkt haben welcher dasselbe zu würdigen weiß und demgemäß
sich mit aller Kraft zu [v]erhalten [strebt], wie denn überhaupt mein <Eigenstes>
Streben dahin geht mich zugl auch als ein nützliches Glied des Staates zu werden bewahren
welcher [sc: welchem] meinem [von] mir der Kindheit u Menschheit gewi und somit der reinsten christlichen
Christ Gesinnung gewidmeten Bestreben sinnig besonders in sein hohes Fürstenpaar
seinen hohen Schutz schenkt[.]
Geneh[mi]gen Ew Hohheit die Versicherung der tiefsten Ehrfurcht
Eben als ich die letzten Schlußworte schreiben will theilt man mir
die mir seit Tagen verheimlich[t]e von ihr relig[iös]-ahnend aufnahm [sc.: aufgenommene] zurückgehalte[ne] Trauerpost aus Weimar mit
das Leben spricht von schmerzlicher Theilnahme und schmerzliche Theilnahme habe ich schon
oft im Leben empfunden, doch so tief eigentliche Schmerzende noch nie, denn welch einen Verlust haben so Viele
mit mir zu beklagen. Gestatten mir Ew Hoheit diesen Ausdruck der schmerzlichsten Lebenstheilnahme
[Randnotiz:] Um so wohl wo mögl in Ew Hoheit die Überzeugung zu wecken HöchstIhr gnädiger u huldvoller Worte
einem Mann geschenkt zu haben welcher dasselbe zu würdigen wird u sich zu erhalten suchen wird [.]

b) 2. Entwurf

Mthl 6/IV.52
Durchlauchtigste Frau Herzogin


Gnädigste Frau Herzogin und Frau.
Ew Hoheit hätte ich schon längst sehr gern auf eine bevorstehende Veränderung
in Kenntnis gesetzt, welche seit Langem schon in der Führung des von Höchst Ihnen in gnädigsten und huldvollsten Schutz genommenen Liebensteiner Kindergartens und seiner Erweiterung zur Bewahranstalt be-
vorsteht, wenn nicht das Ganze bisher mehr als ein schwankendes Wünschen
als eine entschiedene Sache erschienen wäre; denn zuerst wogte schon lange der zu fassende Entschluß <-> bis noch ganz kürzlich in der Familie Schel[l]horn auf und ab, so daß er mehrmals gefaßt u. mehrmals verworfen wurde[,] dann hing dessen Aus-
führung von der Erlaubniß der betreffenden Behörde zur Errichtung eines
Kindergartens in Meiningen ab; - dann von der nöthigen Anzahl der
sich zur Theilnahme an der neu zu gründenden Anstalt meldenden Kinder
resp. Eltern; - endlich und zuletzt hing es aber von der Auffindung einer zweck-
mäßigen Localität für den Kindergarten in Meiningen ab, ob
auch wirklich das Bestreben Paulinens, ihre Thätigkeit als Kindergärtnerin
von Liebenstein nach Meiningen in ihre Vaterstadt, ich glaube besonders
nach dem Wunsche der Mutter, überzutragen – in Erfüllung gehen könne.
Doch nun scheint alles dieß bis auf den letzten Punkt – über dessen
Befriedigende Lösung aber Pauline auch nicht in Zweifel zu seyn scheint – zu einem
bestimmten Abschluß gekommen zu seyn, indem Pauline dieden Wunsch aus[-]
gesprochen, während der jetzt kommenden Osterferien nach Meiningen zu gehen
um sich dort selbststätig [sc.: thätig] für Auffindung eines zweckmäßigen Locales zu ihrer
künftigen Wirksamkeit daselbst zu bemühen, da alle Vorbereitungen
dazu sich zu ihren Gunsten entwickelt haben.
Daß von Ew. Hoheit den Wünschen Schel[l]horns keine Hemmnisse ent-
gegen treten würden, davon hatten mich schon Höchst Ihre huldvollen Äußerungen
bei der ersten Wahl Paulinens überzeugt, und so ließ ich bis jetzt, ohne weite-
res Eingreifen, dem Ganzen seinen ruhigen Entwickelungsgange.
Es war aber natürlich, daß wir, bei dem beglückenden Vertrauen, welches
Ew Hoheit so huldvoll als gnädig in unsere Leitung des Liebensteiner Kindergartens
und Bewahranstalt setzen, es nicht bis auf den letzten Augenblick der Ent-
scheidung Paulinens ankommen lassen konnten und an deren Stelle nach einer
entsprechenden und genügenden Stellvertreterin und resp. Nachfolgerin umzusehen. –Diese scheint
sich nun auch in einem jungen Mädchen gefunden zu haben, welche nicht allein /
[31R]
seit nun bald einem Jahre sich in unserm ErziehungsKreise der Ausbildung für
frühe Kinderpflege und ganz namentlich der zu einer Kindergärtnerin
mit Regsamkeit widmet, sondern, obgleich noch jung doch schon vorher,
ehe sie als Schülerin bei uns eintrat, während 2 Jahre ausübende
Gehülfin in dem musterhaften Kindergarten der Frl. Traberth in Eisenach war.
Caroline Schrader, so heißt das junge Mädchen selbst eine geborene
Eisenacherin, ein kindlich jugendlich, reines Gemüth, ihrem gewählten Beruf
mit der vollsten Liebe und Hingebung lebend, ein einfaches aber lebensge[-]
wandtes, bürgerliches Mädchen aus dem Bürgerstande mit Fleiß und
Ausdauer wie mit Erfahrung und Übung in ihrem Berufe; diese ist es
darum auch welche Ew Hohheit nach unsern vielseitigen u reiflichsten
Überlegungen, wir, meine Frau und ich in vollster Übereinstimmung zur
Nachfolgerin Paulinens im Interesse der Anstalt vorzuschlagen uns
gedrungen fühlen.
Sehr gern hätten wir nun wohl freilich [Text bricht ab]