Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Luise Fröbel in Osterode v. 10.4.1852 (Marienthal)


F. an Luise Fröbel in Osterode v. 10.4.1852 (Marienthal)
(BlM XXIV,63, Bl 157-158, Brieforiginal 1 B 8° 2 S.+Adresse.)

Marienthal am Vorabend des heiligen Auferstehungsfestes.
1852


Meine innig geliebte Luise

Wir haben und besonders ich Deine Tausend Grüße welche Du mir
und uns noch vor Deiner Abfahrt von Eisenach vom Bahnhof aus
gesendet hast durch Deine telegraphischen Freundinnen alle unver-
kürzt erhalten; wir, und besonders ich erwiedere Dir dieselben durch
die telegraphische Feder in der ganz gleichen Weise, jedoch mit dem Zu[-]
satz vor Allem des Deine liebe Mutter und all unsere lieben Verwand-
ten in Osterode in gleicher Weise recht herzlich von mir zu grüßen.
Mannichfache Briefe sind gleich nach Deiner Abreise, noch an dem-
selben Abend angekommen, so von Frau Dr. Lütkens mit Bestätigung
der Lina als Nachfolgerin von Louisen. Sie erhält Ersatz der Reisekosten
III. Classe auf der Eisenbahn und 64 Rth. pr. Ct. Jahrgehalt. Auch hat
Fr Lütkens an Herrn Auditor Schmid geschrieben, worüber derselbe ganz
glücklich ist.- Uns schreibt Fr. Lütkens, daß der Eintritt einer ihrer
Schülerin[nen] für den Gesammtbetrag von Rth. 130.- für Alles in Allem nun
entschieden ist, und daß sie rechtzeitig eintreffen wird.-
Ein anderer freundlicher Brief war von Middendorff, er schreibt mir
wegen des Fortgangs des Rudolstädter Kindergartens. Albertine ist
noch in Hamburg wo er sie Pfingsten besuchen wird.
Frau v. M.[s] Betten sind angekommen, so wie am gleichen Tage ein Brief
von ihr. Sie wünscht für ihre Schwägerin in Wien für 2 Kinder eine Er-
zieherin aus dem Kreise meiner Schülerinnen. Ich werde Ihr [sc.: ihr] Henriette
Bothmann
vorschlagen. Ferner sind Briefe eingegangen von Lina Kishly
aus Fürth wo sie Unterricht in weibl. Arbeiten giebt; von Marie Krämer
mit Zurücksendung der Bücher, Zufriedenheit mit den Kindergärten und
Unzufrieden mit den Wirkungen ihrer redlichen Bestrebungen bei ihrem Pflegling.
- Weiter ein Brief von einer gewissen Ottilie Opitz, Frau Opitz[']
Schwägerin, aus Annaberg, welche sich als Kindergärtnerin empfiehlt.
Der Brief von der Fr. v. M. ist voll von Hoffnungen günstiger Ent-
wickelungen in Berlin. So viel ist gewiß daß diese Frau uner[-]
müdlich ist, sie gleicht in dieser Regsamkeit Dr. Georgens.
Der Trauergottesdienst für Fr: Herzogin Ida war am Char-
freitag, also gestern, Nachmittags 1 Uhr, die Rede von D. R
war trocknes leeres Wortwerk; alle fühlten es.-
So bin ich nun aber mit den Begegnissen von Außen ganz zu Ende. /
[157R]
Im Hause selbst geht alles seinen stetigen ruhigen Gang: die
Köchinnen befolgen genau Deinen Küchenzettel und Speisen kom-
men bis jetzt stets schmackhaft auf den Tisch. Aber Deine Rand-
bemerkungen bei Deinen vorsorglichen Bestimmungen im frei-
en Thee und Bier zu trinken wollten sich nun nicht verwirklichen
lassen, denn es wehte in diesen Tagen der schneidend kälteste
Nordwind wie wir den[n] gestern auch recht dichtes und anhaltendes
Schneegestöber hatten. Anstatt des Biertrinkens im freien
wo es z.B[.] an dem Wasserfall Eis gefroren haben wir uns eine
wohlbereitete Bierkalteschale in der gemüthlichen Stube mit
Deinem angenehmen Brezelgeschenk recht gut schmecken lassen.
Auch die Kuchen sind gut gerathen und wir haben uns heut Abend
Deiner vorsorglichen Bestimmung gemäß den trocknen Kuchen
beim Kaffe[e] recht gut schmecken lassen.
Wo es das Wetter etwas erlaubte sind auch unsere kleinen Schwei[-]
naerinnen einmal wieder hier gewesen, und denke dir wie früher
einmal zwei Kinder jedes ein Ei den Spielführerinnen brachte (oder
doch bringen wollte, denn eines verunglückte auf dem Wege, so brachte
vorgestern ein Mädchen denselben sechs Eier. Mir ist diese Erkenntlich[-]
keit recht rührend.
Nun bin ich aber auch mit all meinen Nachrichten ganz zu Ende.
Gott sey Dank sind es bis jetzt lauter gute und was mich ganz be[-]
sonders erfreut lauter friedliche.
Wenn ich nun bedenke, daß heut schon das erste Drittel Deiner
ganzen Abwesenheit verflossen ist und Du erst heut Abend bei
unsern l. Verw. angekommen bist, und Du sie heut in 8 Tagen
schon wieder verlassen sollst, so thut mir es wirklich um Deiner
und besonders um der lieben Verwandten willen recht leid; da
meine ich denn Du solltest ihnen noch den Sonnabend u Sonntag
schenken, das Lebensfest einte uns dann so G. w. [sc.: geliebtes Weib ?] doch wieder, und
warum willst Du gerad Sonntags in Eisenach seyn? - um die Er[-]
sparung eines Thalers willen?- Überlege Dir also das Ganze nach
den obwaltenden Verhältnissen nochmals; Deine Entscheidung trifft hier
noch rechtzeitig ein. Mißverstehe mich aber in meiner Bereitwilligkeit
Deine Abwesenheit zu verlangen ja nicht, sie geht aus dem reinsten Herzen
aus der innigsten Liebe zu Dir und den Deinen hervor. Übrigens freue ich
mich zunächst recht sehr auf Deinen l. Brief. Mit inniger Liebe u. Treue
im Herzen und im Leben der Deine Friedrich -

Den besprochenen Ankauf des Thürbret[t]es lasse nur; ich finde ihn nicht mehr nöthig. /
[158]
[leer] /
[158R]
[Adresse:]
An
Frau Luise Fröbel geb. Levin.
Adresse Herrn Advocat August Levin
     in
frei!
Osterode
        am Harz.