Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Wilhelm Adolph Lette in Berlin v. 12.4.1852 (Marienthal)


F. an Wilhelm Adolph Lette in Berlin v. 12.4.1852 (Marienthal)
(Die nicht erhaltene Reinschrift ist von Lange 1870 in den ”Rheinischen Blättern” (RhBl 24/1870,485-494) veröffentlicht worden. Möglicherweise hat Lange die Reinschrift vernichtet. Sie läßt sich aber aus den überlieferten zwei Entwurfsteilen a) und b) rekonstruieren. Entwurfsteil a) befindet sich in BN 540, Bl 3-4, undatierter Text auf 1 Streifen fol. (gefaltet) (=3-3R) u 1 Bl 8° (4-4R), insgesamt 4 S. Es handelt sich um den größten Teil des Briefentwurfs. Die Reihenfolge dieser Teile des Entwurfs ist unklar. Gesichert ist formal wie inhaltlich die direkte Folge von 3 und 3R. Ferner bilden 4 u 4R vom Schriftduktus eine Einheit, obwohl die direkte sachliche Verzahnung beider Seiten nicht gegeben ist. Auf 3 befinden sich die Teile 3a u 3b (um 90° gedreht geschrieben) und 3c (um 180° gedreht), die sich an 3R in der Reihenfolge 3b, 3a und 3c anschließen lassen. 3c würde aber auch den Übergang zwischen 4 und 4R bilden. Hier ist der Text a) vorläufig so angeordnet: 3, 3R, 3b, 3a, 3c, 4, 4R. – Entwurf b) liegt in BN 730a, Bl 13, undatierter Textteil auf 1 Streifen fol. (gefaltet), gleiches Papier wie Textteil BN 540, 3-3R, irrtümlich in 730a archiviert unter Adressat: ”Vorstand eines Vereins”, Textteil stimmt mit Reinschriftedition überein und schließt an BN 540,4R an.)

Text a) [BN 540, Bl 3-4R]

[3]
Herrn Präsident Lette
      in Berlin

Hochgeehrtester Herr Präsident

Aufgefordert d[urc]h die Fr G. R.
B. v. M. geb. v. B. [sc.: Geheimräthin
Bertha von Marenholtz geb. Bülow]
in einem
Briefe aus Dresden vom [Lücke] April
übersende ich Ihnen die beikommen[-]
den verzeichneten Druckschriften
u.s.w.
Der Brief der Frau von M.
war mir durch Ihre Llebhafte
und wie sie mir schreibt so tief
gegründete und treu ausdauernde
Theilnahme Hochverehrter Herr
Präsident an meinen volks-
thüml u vaterländischen wie
zeitgemäßen ErziehungsBestrebungen
ein erquickender Luft[-] ein be-
glückender Sonnenstrahl in
die dunkeln und kalten Tage
volksthümlichen u vaterländischen
wie zeitgemäßen Wirkens.
Verzeihen Sie mir, wenn ich von durch
den die Erwartscheinungen der Zeit tief
in mich hinein von den Erwar[-]
tungen der Zeit abgekühlt den
Wunsch ausspreche: möchten
endlich zur Heilbringenden Verwirkl[ichung]
der allen Heilbringenden Erziehungsbestrebungen
welche in Kindergärten
einmal rückwirkend in auf die
Familien und <-> Bestrebung[en] des ächten
Familienlebens, wie vorwärts
auf das Schul- wie öffentl
und Bürgerliche Gemeinde[-]
leben, ihre Begründung finden /
[3R]
jene Erwartungen in Erfüllung
gehen.
Irre ich nicht so spricht es mir
die Frau von Marenholz als
eine tiefbegründete Äußerung
von Ihnen aus: daß wenn die
Kindergärten in ihrem Wesen
u Geiste nicht nur von ihrem [sc.: Ihrem]
Vereine anerkannt und zunächst
nur die einfachen Spiel[-] u Beschäftigungs[-]
Mittel, an welchen sich jener
Geist ausspricht in den Familien
geleitet von Vater Mutter oder
mindestens älte[r]n Geschwistern
daß dann die gesammte Kindheit[-]
Pflege u Kinder[-] u Jugend[-]Erzieh[-]
ung welche d[urc]h die K[inder]Gärten ange[-]
strebt wird ihre wahre
Wurzel zu ihrer vollen frischen
Emporwachsen ihren
entsprechenden Gartenboden erhalten
habe[.]
Nach den Mittheilungen der Geehr[ten]
Frau wollen Sie die Sache der
Kindergärten in den Verein für
das Wohl der arbeitenden Classe
in Berlin
zu bringen suchen. Könnten
und würden Sie nun zugl. in diesem
Vereine oder vielmehr in den Familien
derselben für dieselbe Sache der Kinder[-]
gärten
wahre Theilnahme u anerken-
nenden u pflegenden Sinn zu wecken im
Stande seyn, so würde der Gegen[-]
stand endl. den gesunden und na-
türl[ich]en Boden gefunden haben, welchen
ich ihr seit ihrem ersten Erstehen ersehnte
so lang schon erstrebte[.]
Die Kindergärten sind in ihrem Wesen sehr
zum wahren Heil der arbeitenden
Classen. Denn sie geben und bringen
der Arbeit nicht nur ihre wahre
Menschenwürdige Bedeutung sondern
sie fügen zur Arbeit auch Freudig[-]
keit des Herzens u Gemüthes
und Befriedigung des Geistes
sie machen den Menschen wenn
auch selbst bei schwerer Arbeit
nicht zu einem Lastthier, sondern
zu einem seiner höhern Göttlichen
Abkunft würdigen wahrhaft schaffen[den]
geistiges Leben u Bedeutung dem
todten Stoffe gebenden Wesen[.]
Es ist dieß gleichsam das neue
Evangelium was der arbeitenden
Classe bis zur ärmsten Classe her[ab]
verkündigt werden soll daß
gleichsam der Fluch der Arbeit
vernichtet ist, sondern daß wir
d[urc]h denkend sinnig vollbrachte Arbeit
zu hohen Gütern des Geistes
gelangen, das ist die neue Stufe
welche die Menschheit errungen hat
alle ächte Lebenvolle richtige Erkenntniß
alles wahre Verständniß alle
klare Einsicht und alles lebendige
Wissen soll wieder aus dem
Selbstthun, dem Selbstmachen der
Arbeit dem Selbstschaffen hervor
gehen, denn das todte d[urc]hs Gedächt[-]
niß angeeignete Wissen hat nie
zum Frieden, wohl aber zum Un-
frieden geführt. Wie sind nun
aber diese Hohengüter der in
ihrem Wesen erkannten Menschwesenden
Arbeit d[urc]h die Kindergärten hind[urc]h
in die Familien und so zum Eigenthum
der arbeitsamen Klasse zu bringen[?]
Denn nun bekommt auch alle Arbeit
und ihre Erzeugnisse einen höhern
Menschl. Werth denn sie sind d[urc]hleuchtet
vom menschl. Geist erwärmt und be
belebt vom sinnigen menschlichen Gemüthe
die Mittheilung d[urc]hs Wort kann
uns nichts helfen sondern nur
die Weckung der lebenden Erkennt[niß]
d[urc]h Selbstmachen u Selbstthun
und Selbstwahrnehmen der Mensch
von allen diesen an sich selbst
schaffenden Wesen seyn solle
<Sie wollen Bildung sollen ?>
NB Wie nothwendig erregend auch das Wort
<dieß giebt es nicht genug>
[3b] Darum lege ich auf diese Entdeckung des Inneren und Unsichtbaren rein als solchem
u die Wirkung großen Wert
Ich lege auf diese entdeckte Wirkung des Innern rein als solche
Ich lege hier sehr großen Werth. Worüber später mehr.
Dieses Entwi[ckel]n Erziehen u Bilden
der in der Kindheit neu aufkeimen[den]
Mensch <reife> ihrer neuen Bildungs[-] und
Entwickelungsstufe entsprechend wie
das Wissen u Erkennen aus dem
Thun u Arbeiten hervorgehen
nicht aber das Wissen
und Thun nach den alten <Regeln>
das Thun u Arbeiten bewirken
soll
wovon mir immer auf <?> aus allen Lebenskreisen Beispiele mitgetheilt worden
zu nehmen bildung Diese der neu beginnenden Stufe der
MenschheitsEntwickelung entsprechende Erziehung des Menschen-
geschlechtes als Gemeingeist ins Leben Einzuführen ist eben die Sache
<der Ent. reg. M. L. al B> u Lebens ist die Sache u das Wis[sen] ist die Aufgabe der Kindergärten
Vollendung, ja Vollkommenheit für ein in Wirk
Wirksamkeit ist es nun die ich für Ihren
[3a] das wir im Beginn einer neuen
Entwickelungs- und Bildungsstufe der
Menschheit stehen ist wohl keinem
denkenden Lehrer mehr fremd
und so sollte es auch mehr das
wesentl. Charakteristische
der neuen jetzt betreten[en]
Entwickelungsstufe der Menschheit
seyn, nemlich: daß der Mensch
geschaffe. Dieß ist es denn
nun auch was ich Ihrem von mir
so werthgeschätzten Verein ersehne
was ich deshalb wünsche demselben zu dem
oben aufgezählten
treffl. Besitzthum u Verhält[nisse]
[3c] das Gefühl der persönl.
Besitzthümer nach das
um seine Stellung g[an]z zu erfassen
seine Bestimmung gz zu erhalten, daß
daß er in seinem Kreis als Ganzes grad
so wieder in jedem einzelnen seiner
Glieder zu der <erlebten> Erfahrung komme
wie sich in den von mir auf
gestellten entwickelnd er[z]iehen[den]
Bildungsmitteln auf dem von mir
angebahnten Bildungswege, ganz
dem jetzigen Zeitbedürfniß, der
jetzigen Zeitforderung der neu be-
gonnenen Entwickelungsstufe der
Menschheit – und so auch in g[an]z
spezieller Beziehung zu ihrem [sc.: Ihrem] Verein
und dessen wie Ihrer eigenen persönl Stellung
in Hamburg entsprechend
die Erfahrung machen wie sich aus dem
Selbst Realen thun die Erkenntniß
aus dem wirklichen Selbst<machen> das Ver-
ständniß u aus der eigenen Arbeit die
Einsicht u aus dem Selbstschaffen das
Wissen entwickele
[aus 3b] Erkenntniß Wissen, Einsicht Verständniß
die Lebensweisheiten von neuem aus sich
erzeugt kund thut u offenbart
[4]
<wie> ausgehend von der Erfassung und Betrachtung des Wesens des Menschen als Glied
eines großen Ganzen, als Gliedganzen des gesammten Lebens, mit der
Bestimmung sich dieses seines Wesens in der Allseitigkeit desselben be-
wußt zu werden und mit Selbstwahl als ein sittlich frey es dar
zu stellen. Da tritt es nun auch demgemäß überall im Leben entgegen daß der
Mensch selbst von seinem frühen Emporkeimen, wie in seinen
späteren Erscheinen und d[urc]h sein ganzes Leben hind[urc]h wenn auch vermittelt,
doch stets in allseitiger Lebensberührung in gleich innigem Zusammenhang mit der Außenwelt und in der inner[n] Verarbeitung derselben zur Einheit sich <nun> entwickelt u ausbildet sich nun entwickeln und ausbilden
soll!
Erfassen wir so den Menschen gleich in seinem ersten Beginnen, so entwickelt sich
ders[elbe] Mensch zunächst zwar in inniger Lebens Einigung mit der Mutter, aber eben d[urc]h diese ver[-]
mittelt <wieder in gleich inniger geistiger Einigung> mit der gesammten Außenwelt und Umwelt nicht nur mit den
physischen durch Blutumlauf und Einathmen, sondern auch mit der psychischen
Seite nach. Denn wir wissen das [sc.: daß] wie der Bildungszustand der Mutter überhaupt so
besonders auch der ihres Gemüthes, ihre religiöse Ausbildung auf den Entwicke-
lungsgang ihres Menschenkeimes einwirkt; und aber dennoch müssen wir
erkennen und werden d[urc]h das Leben unwiderlegbar belehrt daß <dagegen>
Kinder von einem Elternpaar ins Daseyn gerufen, getragen <gezeugt> ernährt
wie innerl so äußerl gepflegt von einer u ebenderselben Mutter
heraufgewachsen in einer und ebenderselben Familie doch (von) des dem
verschiedensten Charakters u Wesens nach sich in der verschiedensten Weise entwickeln,
und hier wären doch alle Bedingungen vorhanden wie Uniformität, Übereinst[immun]g
Einklang zu erreichen wäre; wir sehen also daraus *denn die Thatsachen des Lebens sind uns
die Sprache der ewigen Vernunft des ewigen Gottesgeistes im All u im Leben *
es liegt in dem Plan
der ganzen Vorsehung wie in dem Wesen des Menschen daß sich derselbe auch
unter gesunden g[an]z gleichen Verhältnissen sich dennoch in der Verschiedenartigkeit seines Wesens entwickeln soll. Umgekehrt aber sehen wir auch diese verschieden-
artigste Berührung hindert die selbstständige wie charaktervolle Ausbildung weder bei u in dem
Einzelnen noch bei und in dem Ganzen, das sehen wir nun aus wieder in g[an]zen Einzelnen wie
ga[n]zen, großen Erscheinungen. Wir sehen nun und müssen klar erkennen weil unsere Bildung immer d[urc]h die Gegensätze z.B. bei Festhaltung des Sonderwesens die Ausbildung am Allgem:
u d[urc]h das Allgem: (zB d[urc]h die Kindergärten) daß es deshalb, ist es weder natürl
da wo es die Verhältnisse die Einigung fordern u ein die Trennung derselben eine Handlungsweise des Eigenwillens sey, daß es da weder natürl noch menschl noch christl, noch göttlich begründet und gefordert erscheint, die Kinder da mit einer gewissen Willkühr in verschiede[ne] Kindergärten zu trennen
Fr v. M. nun spricht mir in ihrem Briefe hochbeglückt aus daß Sie
Hochzuverehrender HE Präsident so geneigt sind sich die Sache der KG. auf alle
Weise anzunehmen und Sie einen höhern Geist in denselben erkannt
haben, wie Sie Ew Hochwohlgeb. überh[au]pt als einen für Menschenwohl mit allen Kräften glühenden u wirken[den] Mann in ihrem Briefe an mich hingestellt. Sie nun für die
Sache so begeisterter Herr Präsident wollen nun demnächstens in dem Verein
selbst einen Vortrag über den Gegenstand veranlassen und dazu öffentl einladen[.]
Dieß kann nur – wenn nicht polizeyliche Maaßregeln den Plan im Keim zer[-]
drücken höchst wohlthätig für die Sache, d.h. anregend wirkend [seyn]; doch
fürchte ich der Nachhalt die Begeisterung für die That wird mangeln. Nicht
blos eine geistige Anregung sondern bleibende Fortwirkung für Ausführung Mitwirken u That kann aber bei dem Arbeiter u Handwerker nur aus der Anschauung
des Thun[s] und seiner Wirksamkeit für das Ausübende politische Leben
hervor gehen, diese Anschauung nun und zwar in fortgehender Ford Ausführung nun müssen
nach meiner Überzeugung und aus jenem Vortrag nicht nur folgen
sondern als nächste Folge daraus hervorgehen; daher ist mein Gedanke u Vorschlag: -
daß der Verein durch Ihre begeisterten u begeisternde Vorträge bewirkt Ihnen mittheilte /
[4R]
Und so führt das Ganze, das Ergebniß der gesammten
Betrachtung mit zu dem Schluß und für mich zu der Überzeugung
- nicht die Ein[igun]g an sich und die Gemeinsamkeit der Kinder[-]
gärten für Kinder von Eltern verschiedener relig Bildungsstufen
ist für die Kinder derselben nachtheilig noch die Trennung der Kindergärten
nach den sich wesentlich unterscheidenden religiösen Gemeinschaften,
sondern die feindschaftliche und oppositionelle Gesinnung, der Zweck der Eltern diese ist es welche dort in beiden Fällen für die Sache im Allgemeinen nachtheilig wirkt; Da ich nun aber diese Gesinnung weder nach der einen der freundlichen, menschl und und
wie ich glau[be] der feindlichen Seite in meiner Gewalt habe, d.h.
daß ich jene alleweg hervorrufe diese überall zurückzudrängen
im Stande bin; so habe ich dagegen eine solche tiefe u feste Über-
zeugung von dem Geiste und der Kraft der Idee u des Gedankens der
sich in dem Kindergarten verwirklichten entwickelnd-erziehenden Menschen-
bildung für allseitige Lebenseinigung somit Lebenstüchtigkeit, daß ich nicht
im mindesten zweifle dieselbe und die sie tragenden u pflegenden
Kindergärten werden sich und wäre es auch wirklich nicht als solche
sondern als erhöhetes u bewußtes entwickelnderziehendes Familien[-]
Leben Anerkenntniß u Ausübung verschaffen, so daß die Menschheit sich
der reifen Früchte derselben frey u selbstthätige Darlebung des menschl Wesens als eines von Gott gegebenen schaffenden im Sinne u <?> in Gott geeinten Lebens wenn auch nur zunächst nur in einigen Wegen erfreuen wird.
Daß wie das Kind sich im Fortgang seiner Entwickelung vom Handeln d[urc]h das Fühlen und Empfinden hind[urc]h bis zum Denken und sich selbst vernehmens selbst
Wissen – als Einheit in sich gewahre und in äußerer Mannichfall-
tigkeit außer sich in Mannichfaltigkeit darstelle, daß das
Kind vom Kindesalter an durch das Jugendleben hind[urc]h in dem Ball ein Gegenbild
wie d[urc]h diesen wieder in jedem Saamen u
sey es ein Senfkorn seyn Gegenbild finde, das Innere
Unsichtbare zu immer größerer Vollkommenheit u endlich wieder
zur Erfassung des Gesammtwesens in einem Handeln einem Thun
einer That – einem Ganzen – das Gegenbild finde

Text b) [BN 730a, Bl 13-13R]

[13]
Das ist die Erfahrung u des Bewußtsyns
wie sich in dem Menschen als Kind
aus dem besonders denkend vergleichenden
Selbstthun eben das lebenvolle
Selbsterkennen, Selbsteinsehen, Selbstwille
u Selbstbewußtseyn entwickeln; als
keinesweges blos den Gesetzen der Idee als
ein Einiges durch den Begriff
---------------------------------------------------
Wie ist dieß aber zu erreichen
und so das Ganze Ihrem gesamten
Vereine zu einer lebenvollen Kenntniß
zu bringen? -
- Nach meiner reifl[ichen] Erwäg[ung] dad[urc]h
daß sie [sc.: Sie] aus der Mitte Ihres Ver-
eines wäre es mögl am besten
zwei junge an Geist u Körper ganz
gesunde, mit einem guten natürl.
Verstande wie mit der Bild[un]g einer
höhern Bürgerschule ausgerüste[te]
junge Männer auswählen diese
hierher senden und einen vollständ[igen]
halbjährigen Bildungscursus d[urc]hmachen
lassen und nach Rückkehr es vertragsmäßig ihnen
Pflicht ist in
ihrem [sc.: Ihrem] Vereine das G[an]ze zum Selbst[-]
thun vorzuführen, dad[urc]h lernt nicht
nur ihr [sc.: Ihr] Verein als Ganzes und in sein[en]
Gliedern die Wirkung dieser Beschäft[igungen]
auf Geist u Gemüth sondern auch in
hinsicht seiner Nützl[ichkeit] und Anwendbar[-]
keit im Leben kennen.
Dad[urc]h bekommen Ihre [sc.: ihre] Vort[r]äge ihre wahre
Bedeutung ihre volle Würdigung und Wirkung
Pecuniär auszuführen muß ja ein solcher
Vorschl[ag] seyn, denn ich weiß was Ver[-]
eine solcher Art zur Hervorförderung
dessen, was sie als Gut und für den
Zweck ihres Vereins förderl[ich] halten
(hervor zu bringen) auszuführen im Stande
sind. Ich halte diesen Plan für so mach-
als leicht ausführbar.
Doch Sie wollen die Sache selbst in die
erste Cammer bringen. Aus dem wegen
g[an]z entgegengesetzt gleichen Grunde
dünkt mich die Ausführung dieses Plans
gut./
[13R]
Zur wiederkehrenden Darlegung und
fortgehenden Pflege der Idee auch wie
zum Verständniß über dieselbe mit dem Publ[ikum]
wie <trefflich/critisch> dieß <?> erkenne ich für
Sie <ferner> Auch haben Sie überdieß
lauter Besitzthümer von unschätz hohem
Werthe. Und dennoch wünschte ich dem
Vereine als Ganzes wie jedem einzelnen
Gliede desselben als Besonderes noch einen
Besitzthum welches ich nicht nur zur Er[-]
fassung u zum Verständniß der Zeitforderung
sondern auch zu deren Pflege u Erfüllung für
unerläßlich halte. <Denn> das wesentl[iche]
Charakteristische der neuen jetzt betretenen Entwickelungs[-]
stufe der Menschheit ist
nemlich - daß den Menschengeschlechtern u jedem
einzelnen Menschen, das Wissen u Erkennen nicht mehr
als ein Fertiges [ge]geben und so von ihm wieder sich
von Außen eben als ein todtes und so nur
d[urc]h das Gedächtniß Angeeignetes werde sondern ein
am und d[urc] das vergleichende stets von vergleichendem Eigendenken
begleitete Selbstschaffen u Selbstthun, neu aus sich entwickeltes,
Selbstzeugniß, Selbst <? ?> thun werden.
Das ganz Neue der Menschenbildung, der
Belehrung u des Unterrichtes ist also, daß
die Erkenntniß dem Menschen aus dem denkend
beachtenden Selbstthun u Selbstschaffen hervor
vorgehe und zwar die Kinder an der leitenden Hand der
sich ihrer auf diese Weise klar Bewußtgewordenen [Natur], wie die Pflanze
unter dem Einfluße der Sonne - und so die Me wahre Menschenbil]dung]
stets die Innige Einigung vom Selbst Thun, Selbstmachen
Selbstschaffen und Erkennen, Einseh[e]n, Wissen u.s.
w. fördere <?> ja - daß das Thun Machen, Schaffen
für den <Päd>Erzl. Zögl.- Schüler, Jünger, stets
dem Erkennen, Wissen, Einsehen vorausgehen.
Selbstmachen u daraus < ?reichendes> klares Erkennen in einigender
Einigung bedingt also die neue Bildungsstufe
dieß der Menschheit, der jetzigen Menschengeschlechter
und zwar so D daß das erste die Bedingung
des letztern sey, denn das bisherige Glauben
an und auf Authen[tizi]tät beim Mitgetheilten
Gewärtigen Wissen d[urc]h u für das Gedächtniß, soll
zu einem Selbst Schauen zu einem Selbsterfahren der Entwickelung u Entstehung
des Wissen[s] in dem im Leben und am Leben selbst werden[.]
Da man aber nichts in andern
Bewirken u hervorrufen kann, was man nicht
in einer gewissen Hinsicht selbst besitzt
ist das was ich Ihrem wacker[n] Kreise
als G[an]zes wie jedem einzelnen strebenden
Gliede desselben als für die jetzige Bildungs[-]
zeit u Reife gewiß höchste[s] Besitzthum wünsche