Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Wilhelm Middendorff in Keilhau v. 12.4.1852 (Marienthal)


F. an Wilhelm Middendorff in Keilhau v. 12.4.1852 (Marienthal)
(KN 57,17, Brieforiginal 1 Bl 8° 1 S., Halfter 1931, 759, 1 Satz zit.)

Marienthal am 12 April 1852.


Lieber Middendorff.

Der Pastor Seybt in Bautzen hat schon vor längerer Zeit
nach Keilhau an Barop geschrieben und denselben gebeten
doch seinen 12jahrigen Sohn mit dem nächstbeginnenden Oster[-]
halbjahr in die Anstalt als Zögling aufzunehmen. Da nun
derselbe bis jetzt keine Antwort von Barop erhalten hat, so
fürchtet er sehr die Aufnahme seines Sohnes möchte in Keilhau
durch Mangel an Raum verhindert werden.
Da sich nun die Amtsgeschäfte des Herrn Seybt seit er als wirk[-]
licher Pastor unter den Geistlichen Bautzen's eingerückt ist sehr
vermehrt haben so daß er jetzt schon an und für sich [sich nicht] mit dem
Unterrichte seines Sohnes beschäftigen kann, derselbe aber übri-
gens gutmüthig überdieß leichtsinnig und schwer zu bändigen
ist, besonders seit der Knabe das Gymnasium in Bautzen be-
sucht so muß Pastor Seybt ernstlich daran denken, ja er ist gezwun[-]
gen denselben möglichst bald in eine Anstalt und wünscht sehn-
lichst denselben nach Keilhau zu bringen. Er hat sich nun
an mich gewandt Euch doch dringend zu bitten den Knaben
doch ja mit nächstem Osterhalbjahre als Zögling in Keilhau
aufzunehmen, weil der Vater fühlt und einsieht, daß es für den
Knaben von dem größten Nachtheil wäre noch ein Halbesjahr in
dem jetzigen Verhältniß bleiben zu müssen. Ich wende mich nun
mit dieser Bitte des für das Wohl seiner Kinder höchst besorgten
Vaters, welche ich daher gern zu der meinigen mache, zunächst
an Dich l. Middendorff, indem Dir dieser sorgsame Vatersinn
während Deines zeitweiligen Aufenthaltes hier durch seine uns
seit einem Jahre schon und länger noch zur Bildung anvertrauten
Tochter Sophie bekannt geworden ist. Ich bitte Dich doch gar sehr, dieß bei
Barop zu verwenden und es gemeinsam möglich zu machen, daß der
Knabe noch in diesem Halbjahr in K. aufgenommen wird. Ihr beruhigt
dadurch nicht nur ein besorgtes Vaterherz, sondern Ihr entreißt auch
einen sonst wackern tüchtigen Jungen den [sc.: dem] vernichtend[en] Strom des Verderbens[.]
Das bedenkt.- Grüße Barop.- Sehe ich Dich l. Middendorff, in die[-]
sen Tagen bei uns?- Wir erwarten Dich - Für Deinen jüngsten
ausführlichen Brief danke ich.
D.Frd.Fr.Fr [*eingekreist*]

Sophie welche Dich grüßt vereint Ihre Bitte
mit der des Vaters und der meinigen.-