Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Vorstand eines Vereins [Lehrerverein] in Hamburg v. <12.4.> 1852 (Marienthal)


F. an Vorstand eines Vereins [Lehrerverein] in Hamburg v. <12.4.> 1852 (Marienthal)
(BN 730a, Bl 12, undat.Entwurf 1 Bl 8° 1½ S. ohne Adressat, auf 12R Marienthaler Adresse F.s. Dieser Text gehört nicht zum gleichzeitigen Brief an Lette v. 12.4.1852, weil 12R Lette objektivierend als prominente Berliner Persönlichkeit genannt wird. Adressat und Adressatort: „Verein“ in „Hamburg“ ergeben sich aus dem Briefinhalt. Datierung: Die mit dem Brief an Lette v. 12.4.52 identische Intention des Schreibens legt das Abfassungsdatum „12.4.“ nahe.)

Diese gar nicht mit Worten zu schildernde u <ruhig> zu würdigende Kraft
welche aus der stetig schaffenden ihrund stetigenden thatsächlichen Selbstthätigkeit wo Thun <-> Fühlen
und Denken Geschehen Empfinden erkennen stets eines hervorgeht, diese
große Kraft wünschte ich Ihrem Verein wäre es mögl. in zwei ihrer
dazu d[urc]h Geist Gemüth u Thatkraft geeigneten jungen Gliedern wenigstens in einem
und d[urc]h ihren [sc.: Ihren] Verein wünschte ich es Ihrem Staate u ihren gesammten Staatl. <LehrendVerh> u Wirksamkeiten Hamb[urgs]
<Hamburgern> Was mich so ausdauernd fest in der Festhaltung der Idee, des
Gedankens macht, das sind aber die überraschend tiefen <Erschließungen> des
Lebens in seiner Gesetzmäßigkeit, diese d[urc]hgreifend belehrenden Thatsachen
u Gesetze des Lebens welches hiedurch offen vor uns liegt und uns klar die
neue Zeit in welcher die Menschheit d[urc]h die Erziehung eingetreten ist, wo
nemlich Geistes- Gemüths- u Thatkraft in innig Schaffenden, gleich u selbstthätig
<Einigen> von der Entwickelung d[urc]h die Erziehung hind[urc]h die Bildung des Menschen für
Lebens<gang> u Lebenstüchtigkeit vollendet. – Hier zeigt sich dann auch das
Organisch fortgehende der Bildung durch die von der Familie aus, d[urc]h den Kindergarten
die Vermittelungs[-], die Begründungs (oder Elementar) Schule und eigentl. Lehr Einsichts[-]
schule hindurch bis zu den Bildungsanstalten für die Berufsbildung. Durch einen
oder besser zwei solcher jungen Männer würden Sie in Besitz des Ganzen
kommen wie bis jetzt noch keine Stadt (außer am meisten noch Dresden)
daher nun zum endlichen Schluß des Ganzen mein eigentl Zweck dieses Briefes
den Vorschlag:
Suchen Sie es irgend durch in ihren [sc.: Ihren] gesammt Verhältnissen
liegenden Mittel mögl. zu machen, zwei oder mindestens
einen jungen Mann zur vollen Durcharbeitung eines Bildungs[-]
cursus als wirklicher Schüler *sich dieß bewußt zu seyn ist außerordentl stärkend pp
und zwar wo mögl. schon zu nächsten Sommer-
cursus hierher zu senden. Zurückgekehrt könnten dieselben
sich in die mehr theoretisch u praktische Seite des Ganzen getheilt Ihrem Kreise in
nächsten Winter in Vollständigkeit u Klarheit in gleicherweise vorzuführen.
Ich halte die Ausführung dieses Planes nicht etwa um meinet aber um der Sache [willen] (sondern
im tiefsten Ernste für Ihr gesammtes erziehendlehrendes Zusammenwirken in gewisser Hin-
sicht als Corporation so außerordentl wichtig daß ich mich gar nicht scheue Ihnen den
Vorschlag zu machen – daß Sie wenn sich Ihnen von gar keiner Seite als Staatsglieder Mittel zur Ausführung dieses Vorschlages bieten sollte daß Sie dann eben als Verein durch collectiv[-] Beiträge die Summe herbei
zu schaffen sich bemühen möchten. – Prüfen Sie den
Vorschlag er ist von egoistischen Absichten völlig frey.
Halten Sie ihn der Ausführung werth u mögl. wie gesagt
so wäre es aber gut wenn es sobald als mögl. geschähe
damit Sie sich auch bald der Früchte dieses Opfers erfreuten[.]
Auch könnte sich – wenn es sich demnächstens bewährigen [sc.. bewahrheiten] sollte das [sc.. daß] Deutschland einer wirklichen Lebens[-]
erneuung und der neuen Entwickelungsstufe der Menschheit wirklich ab[-]
gestorben und von Deutschland keine innere Lebenserhebung mehr zu hoffen sey, daß
daßdann sich Idee und Ausführung in Iihrer Ganzheit in das Land der jugendl kräftigen
Entfaltung vielleicht unerwartet schnell übersiedelten.*
So viel ist nach jeder Seite hin gewiß, das unser deutsches Leben muß mit dem größten Ernst u Eifer von der praktischen erziehenden Seite ergriffen werden, wenn es damit besser werden /
[12R]
soll. [In] Berlin höre ich soll der Verein für das Wohl der arbeitenden Classen deren Vorsteher der Präsident Lette – Abgeordn[eter] der ersten Cammer und
ein anerkannt edler bedeutender Mann in Berlin seyn. In der Kammer ist soll er die kräftigste
Opposition seyn. Dort gedenkt er die K[inder]g[arten]sache nun bei der nächsten Gelegenheit vorzulegen
d.h. darf hinweisen wie sie ungerecht verkannt u verfolgt ist und einer ernsten
Aufmerksamkeit würdig für das Wohl der Menschen sey
[12V]
Nehmen Sie mein geehrter Herr die Mittheilung als wahres Zeichen wahrer
freundschaftl Achtung und ächten collegialen Vertrauen. Grüßen Sie auch achtend
Ihre Herrn Coll[egen]
zum NB Großes G[an]ze in Erziehung <Handeln> ein Mittelp[unkt] die <Hd> bekäme Ausgangspunkt
täte für die Erziehung wie früher für den Handel. Der Gedanke begeistert mich[.]