Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Luise Fröbel in Osterode v. 15.4.1852 (Marienthal)


F. an Luise Fröbel in Osterode v. 15.4.1852 (Marienthal)
(BN 441, Bl 7, dat. Entwurf 1 Bl 8° quer 1 S., auf dem die ersten acht Zeilen fortlaufend u. die letzten acht Zeilen rücklaufend numeriert sind. In BlM XXIV,66, Bl 163-164, datierte Abschrift Luise F.s mit Erweiterungen.)

a) Entwurf

Marienthal zum 15 April 1852.
Guten Morgen meine soviel innig geliebte theure Luise - Gottes Seegen zu Deinem heutigen Lebensfeste, Frieden des Herzens u
Freudigkeit des Geistes Dir <als die> schönsten Festgaben. Wir haben es im Leben mehrfach erfahren und uns gegenseitig als bewährt ausgesprochen, daß zum
Trost u Ersatz bei äußerer Trennung das Gefühl der in[n]er[en] Einigung um so kräftiger stärker ist u ich freue mich Dir auch bei der getrennten Feyer
Deines heutigen Lebensfestes die gleiche Erfahrung. Dir aber wünsche ich von Herzen Glück daß Du einmal so recht Gemüths frey u Geistes froh in
Deiner so achtbaren Familie Dein[en] Geburtstag feyern kannst. Ich bitte Dich aber auch, Dich diesem Gefühle u Bewußtsein pp hinzugeben, es wird Dich
im hohen Grade kräftigen und mit frohem neuem Muthe wirst Du in unsern für Dich so geschäftsvollen Kreis zurücke kehren.- All Deinen Lieben sage meinen
recht herzlichen Dank für all die Beweise der Liebe welche sie Dir gewiß am heutigen [Tag] aus warmem Herzen geben werden und ich bitte Dich darin
zugleich auch die Beweise der meinigen zu empfangen. Der Tag und der Morgen wo ich dieß niederschreibe ist klar u heiter möge es auch der
heutige Morgen und Tag Deines Lebensfestes seyn. Unsere liebenden Töchter welche stets in Wort u Gedanken mit Dir leben sind beschäftigt, auch
von ihrer Seite kleine Beweise der Liebe u Theilnahme bei zu fügen. Ich freue mich deß[en], Du siehst darin die Früchte Deines eigenen Wirken[s]
die Weckung u Pflege eines liebend einträchtigen Lebens. Nimm dafür am und zum heutigen [Tag] noch meinen besonde[r]n Dank, wie für all das Liebe u Gute
was Du mir in dem nun bald vollendeten Jahr in[ni]ger LebensEinigung bereitet hast.
Die das Vom Hause wirst Du und äußere Leben betreffenden Nachrichten wirst Du erhalten haben; ich habe nichts weiter hinzuzu[fü]gen seit Abg[ang] jenes Briefes
sind weitere keine eingegangen.- Mit <reiner> Freude wird Dein nächster Brief von uns begrüßt werden.
Das Bewußtsein inniger Lebenseinigung mit den Abwesenden einige sich mit dem unmittelbaren Ausdruck u Gefühl innig[er] Familieneinigung und mache Dir den heutigen
nicht nur zu ein[em] wahr[en] Festtag sondern auch zu dem schönsten Deines Lebens, an welchem, Du uns dann nach Deiner Rück[k]ehr d[urc]h die Erinnerung hier Antheil nehmen
läßt, so daß wir ihn dann hier nochmals wie ein Spiegelbild verklärt d[urc]hleben. In der Dir bekannten Liebe u Treu[e] u Dankb[arkeit]
Dein [keine Unterschrift]

b) Abschrift

    Abschrift
Marienthal zum 15ten April 1852.


Guten Morgen meine innig geliebte theure Luise

Gottes Seegen zu Deinem heutigen Lebensfeste, Frieden
des Herzens u Freudigkeit des Geistes Dir als die
schönsten Festesgaben. Wir haben es im Leben mehrfach
erfahren u es uns gegenseitig als bewährt ausgesprochen,
daß zum Trost u als Ersatz bei äusserer Trennung, das
Gefühl der inneren Einigung um so stärker ist u ich
freue mich Dir auch bei der getrennten Feier Deines
heutigen Lebensfestes dies als wiederkehrende Erfahrung
aussprechen zu können. Dir aber wünsche ich von [sc.: vom] Grund
meines Herzens Glück, daß Du einmal wieder
nach sieben Jahren so recht Gemüthsfrey u Geistes-
froh im schönen Kreise Deiner so achtbaren Familie
u ganz besonders an der Seite Deiner so guten, lieben
Mutter Deinen Geburtstag feiern kannst. Es
ist dieß ein Glück u. Geschenk, welches Dir vielleicht so
wohl nie wieder in Deinem Leben zu Theil wird; ich bitte Dich
deshalb aber auch Dich diesem beglückenden Gefühl
u erhebenden Bewußtsein Glied einer so werthen
Familie zu sein ganz hinzugeben, es wird Dich
im hohen Grade kräftigen u mit neuem Muthe wirst /
[163R]
Du in Deinen Dich hier wieder geschäftsvollen Kreis
zurück kehren. All Deinen Lieben sage unter herzlicher
Begrüßungen meinen schönsten Dank für all die Beweise
der Liebe, welche sie Dir am heutigen Tage aus
warmen Herzen geben werden u ich bitte Dich darin
auch zugleich die Beweise der meinigen zu empfangen.
Der Morgen u Tag wo ich dieß niederschreibe ist klar
u heiter, möge es auch der Morgen u Tag Deines Lebens-
festes sein. Unsere liebenden Töchter, welche
stets in Wort u Gedanken mit Dir leben, fügen
auch von ihrer Seite für Dich kleine Beweise ihrer
Liebe u Lebenstheilnahme bei. Ich freue mich dessen;
Du siehst u findest darin gewiß mit mir die
Früchte Deines eigenen liebevollen Wirkens unter
ihnen die Weckung u Pflege eines einträchtigen
Lebens. Nimm dafür am u zum heutigen Tage noch
meinen besonderen Dank, so wie für all das Liebe
u Gute, was Du mir in den [sc.: dem] nun bald vollendeten
Jahr inniger Lebenseinigung bereitet hast.
Die das Haus u die Lebensverhältnisse betreffenden
Nachrichten in meinem Briefe wirst Du empfangen haben
weitere Briefe sind nicht eingegangen. Dein Brief
wird mit vieler Freude empfangen werden.
Das Bewußtsein inniger Lebenseinigung mit den /
[164]
Abwesenden einige sich Dir mit den unmittelbaren Ausdruck
u Gefühl wahrer Familieneinigung u mache Dir so den
heutigen Tag nicht nur zu einem ächten Lebensfeste, sondern
auch zu dem schönsten Deines Lebens an welchem Du uns
nach Deiner Rück[k]ehr durch Deine Erzählung freundlichen
Antheil nehmen läßt, so daß wir ihn dann hier
nochmals wie ein Spiegelbild verklärt durchleben.
In Liebe Treue u Dank
Dein Friedrich
      Fröbel.