Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Minna Schellhorn in Weimar v. 31.5.1852 (Marienthal)


F. an Minna Schellhorn in Weimar v. 31.5.1852 (Marienthal)
(Brieforiginal nicht überliefert, Abschrift BlM F 1058/60, Bl 268-269, 1 B 8° 4 S.)

Marienthal am 2n Heil. Pfingstfest 1852.


Meine sehr geschätzte, liebe Minna!

Zuforderst Ihnen meinen herzlichen Dank
für Ihren lieben Brief und für die erfreuliche
Nachricht von dem guten Fortgang Ihres Un-
ternehmens. Es ist mir ein Beweis, daß ein
Werk, welches mit so vielseitigem Vertrauen,
wie das Ihrige begonnen, dadurch sichern
Grund und freudige Kraft des Wachsthums
hat; möge dieser Segen ferner auf ihm ruhn.
Auch von meinem Wirken muß ich ge-
stehen, daß sich das Vertrauen, mit welchem ich
es begonnen, nach Innen und Außen bewährt,
nach beiden Seiten hin steigt das Zutrauen
im Wachsthum, nach Außen die Zahl der Kin-
dergärten, nach Innen die erforderliche Theil /
[268R]
nahme. So lebt z.B. jetzt die Gattin des Herrn
Dr. Marquart mit ihren beiden eigenen und
einer Pflegetochter hier, um sich in ein freies
Kinderleben einzuführen. Nächstens werden
uns noch zwei Mütter, jede mit einem Töch-
terchen auf längere Zeit besuchen, so wie eben
eine Frau aus Heidelberg wegen der Theil-
nahme ihrer zwei Nichten bei mir anfragt,
so wie jüngst eine gleiche Anfrage von einer
jungen Erzieherin aus Riga in Livland an mich
gelangte. Theilen Sie diese Nachricht gelegent-
lich Herrn Hoffmann, Vater und Sohn, als ein
kleines Dankeszeichen für das jüngst wieder
der Sache gebrachte Opfer mit, denn der Fortgang,
der gute Fortgang der Sache, welcher wir Opfer
bringen, ist ja der schönste Dank für diese Op-
fer selbst. Darum bitte ich, theilen Sie die
vorstehende kleine Notiz den beiden edeln,
aufopfernden Männern, Hoffmann, Vater
und Sohn, mit, indem mir in diesem Au-
genblick das Leben noch nicht gestattet ihnen
selbst schriftlich meinen tiefgefühlten Dank
auszusprechen. /
[269]
Auch Sie, liebe Minna, sind jüngst gegen mein
Haus, gegen meine Frau und meine Schülerinnen
sehr freundlich gewesen; ich füge zu deren Dank
gern den meinigen; aber was würden Sie sagen,
wenn ich nun auch noch selbst mit einer Bitte
zu Ihnen komme. Am 9. Juni ist der Jahrestag
unserer Verheirathung, da möchte ich meiner
Frau gern eine Freude mit einem modernen
Kleide, am Besten wohl Woll-Mousseline, je-
doch mittleren Preises, machen. Nun wünscht
meine Frau eine Farbe, zu welcher sie blaue Kragen-
bänder, deren sie verschiedene besitzt – tragen kann,
sie mir dazu welche mit brauner Grundfarbe oder
Hauptton vorgeschlagen, könnte ich mir nun wohl durch Ihre
Güte mit einer der nächsten Post um einige Proben
entsprechender Zeuge ausbitten? – umgehend würde
ich Ihnen mit Übersendung des Betrags die ge-
troffene Wahl anzeigen und mir dagegen das Kleid
ausbitten. – Seien Sie mir ja nicht bös, liebe Min-
na, daß ich mit meiner Bitte so spät komme;
seit Wochen trage ich solche in mir, aber das Le-
ben wollte nicht gestatten, d.h. mir nicht Zeit /
[269R]
gewähren, solche Ihnen auszusprechen.
Als Festbesuch erfreuen wir uns noch der Fräu-
lein Marie Krämer aus Philippsthal.
Zu den obigen Nachrichten will ich noch
fügen; daß Fräulein Emma Habicht aus Schmal-
kalden einen Kindergarten in Freyberg,
im sächsischen Erzgebirge übernehmen wird.
Nun Ihnen und Ihrer werthen Frau Mut-
ter meine herzlichsten Grüße. Meine Frau
ist mit den Schülerinnen und Gästen auf ei-
nem Festspaziergang.
Mit den theilnehmendsten Gesinnungen
        Ihr
  väterlicher Freund

Friedrich Fröbel.