Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an < ? > ["Ew. Wohlgeboren"; "Sie"-Anrede; Redakteur; Volksschriftsteller; Haupt einer Stadtgemeinde; Landtagsabgeordneter] in < ? > v. zw. 1839 u. 1852


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Ew. Wohlgeborn werden es ganz natürlich finden
wenn ein den für <auslebende> Erziehung fast die ganze
Zeit seines Lebens lebender wirkender Mann eben im Interesse der Volkserziehung und besonder[s] <in dem der ? ? > sich in Ihrer Person zugleich an den
VolksSchriftsteller, an den Redactör einer volk[s]thümlichen geistreichen Zeitschrift <u.> an
das Haupt einer Stadtgemeinde, an den kräftigen als Muthvoll
ausdauernden Landt[a]gsdeputirten, und in allen diesen zusammen
an den denkenden sorgsamen Familienvater wendet; denn es kann nicht
anders seyn in allen diesen Beziehungen
werden sind Ihnen die Erscheinungen u Eigenth. wird ist Ihnen der
Charakter der Zeit in seiner <ganzen> Stärk[e] <ganz> entgegen getreten darum Ihr
so kräftiges als ausdauerndes Entgegenwirken gegen denselben
- Spaltung - Trennungen - Entgeg[nung]en - Widerspruch <Partheiungen> bis ins Kleinste - Anfeind[ung]en - <all[s]eitiges> Krieg der allseitigen freyen Entfaltung - innerer
Krieg - Materialismus Despotie der äußern Menschen Selbstsucht; Arbeitscheu jene <einreißenden> Zeichen in allen Lebensverhältnissen das sind die Zeichen der Zeit[.]
Alles dieß äußerliche Despotie <Funke> u innerliche Leere <Zünder>,
das sind die Zeichen die Erscheinungen der Zeit die den denkenden u
christl. menschenfreundl. Mann
mit Sorge und Kummer mit trübem Blick in die
Zukunft erfüllen.
Dagegen erhell[t] sich aber gleichsam vom Instinkt
getrieben auf der andern Seite die <berührende> Sorge für
die Kinder zunächst der Armen
gleichsam ahnend, daß es eben die Kindheit sey
durch deren Pflege u Erziehung den Leiden der Menschheit
geschlossen entgegen gewirkt werden solle u müsse.
Und so ist es; doch diese Ahnung muß nach <einem> Mittel
u Zweck u Ziel zur klaren Einsicht erhoben werden.
Und in dieser Hinsicht ist es eben, warum ich
mir erlaube hier zu Ihnen zu kommen. Darf
ich darum bitten so lassen Sie uns allem zuvor
die Zeichen die Erscheinungen der Zeit noch einmal recht scharf ins Auge
fassen;
daß sie, sich gegenseitig anfeinden Trennungen
daß sie Streben nach Äußerlichkeit d.i. dem
Materialismus opfernd sind und alles das sind von [sc.: was]
aus all diesen beyden hervorgeht Selbstsucht, Arbeitscheu ganz ein äußeres und inneres Zerfallen aller Lebensverh.
dieß liegt wohl klar vor /
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Wann und wie ist da zu helfen und das was dagegen geschiehet scharf ins Auge [fassen.]
Wir müssen nun erkennen, daß man diese Krankheiten der Zeit
vielfach erkannt und daß man schon vielfach entgegen zu wirken
u sie zu heben gesucht hat; allein eben so müssen wir auch er[-]
kennen daß dieß im Großen Ganzen noch nicht zu dem so nöthigen
Ergebniß geführt hat; doch sehen wir zu einem treibt gleichsam der Instinkt
es ist dieß die frühe Kindheitheit Beachtung u Bewahrung
besonders der niedern Stände, indem man sich durch einen ge-
wissen Schein teuschen läßt
nicht zu leugnen ist daß eben hier eine
große Quelle aller jener Fehler der Zeit liegt, doch müssen wir
auch aufrichtig seyn sie liegt nicht in einer einzigen Classe nicht in einer
einzigen nicht weniger blos in der niedern armen Classe u Stande,
sondern sie liegt in der (Gesammtheit in der Gesammten) Erfassung
der gesammten Kindheit u Jugend Beachtung u Pflege denn wir
müssen tief erkennen, daß wir die Spuren u die Keime der
Leiden des spätern bürgerl. geselligen religiösen Wirken[s], gewerblichen
Lebens schon in der Kindheit aller Stände u Verhältnisse
finden, denn die Kindheit u Jugend ist es ja eben in der sich die
Erscheinungen die Guten wie die Schlechten, des spätern Lebens
so leicht abspiegeln[.] Also zur Kindheit u Jugend müssen wir
uns wenden[.] Hier bemerken wir nun erstl.
1) das [sc.: daß] das Menschenleben was wie alles beginnende u kündende
eben das wichtigste ist daß es im großen Ganzen nicht die
Achtung u Aufmerksamkeit erhält welche es fordert;
2) daß diese Aufmerksamkeit wieder besonders nur die
Niedern Stände trif[f]t ob gleich die Kinder der Mittel u höhern Stände
sie nicht minder, ja oft noch mehr fordern;
3) daß ferner diese Auf so nur auf die niedern u armen
von Classen beschränkte Aufmerksamkeit mehr blos
nur eine <negative> rein äußerl. bewahrende
ist
4) daß aber bey äußerer Bewahrung recht wohl eine innere
Veranlassung besonders eben durch Unthätigkeit des
geistigen Lebens statt finden kann und daß wir
diese leider nur zu oft in den sogen. Kinderbewahr[-]
anstalten erkennen müssen. Wollten wir aber die
Pflege des gesammten deutschen Lebens in ihrem Innersten
in ihrem Keime in ihrer Wurzel erfassen so ist dieß
einzig nur durch richtige Beachtung, Pflege u Behandlung
des gesammten deutschen Kindheit[-] u Jugendlebens mögl.
Der Lösung dieser Aufgabe ist nun seit vielen Jahren
meine ganze Kraft u mein Denken u Streben hingerichtet [Text bricht ab]