Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 1903


Freundschaft
Manches Zeichen erlernt' ich in den Tönen der Seele zu lauschen,
Aber kein anderes schiene kündender mir als dies:
Wie man den Freund sich wählt, verrät das innerste Sehnen,
Was im Selbst nur geahnt, drängt in ihm nach Gestalt.
Mag im munteren Spiel der Knabe sich jedem gesellen,
Sucht sich der Jüngling den Freund, wo ihm Verwandtes erklingt:
Einmal zeigt sich der Tag, wo der Mann die beide entkräftet,
Wenn ihm ein Wollender weist Pflicht und Leben und Ziel. =======================
Philosophie
Mich erwärmt sie nicht die strahlende Sonne des Wissens:
Lieber verweilt' ich doch, wo mich des Lebens Glut
Aus unendlichen Tiefen die Welt der Geheimnisse zeugend,
Ewig wogend und reich, voll Offenbarung umfing.
Wem das Letzte zu fragen, die Lippe sich einmal geöffnet,
Steigt zu den Müttern hinab und es versiegt ihm das Wort.
Ahnend dient er der Kraft, die um ihn blühend gestaltet,
Noch dem verborgenen Quell lebt er - Philosophie.