Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 15. März 1904, (Berlin, Briefkarte)


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15.3.04
Hochgeehrtes gnädiges Fräulein!
Die unerwartete Schwere des letzten ärztlichen Eingriffs hat mich mit lebhaftestem Bedauern erfüllt. Wie viel Geduld u. Selbstbeherrschung müssen Sie besitzen, um dem allen standzuhalten! Ich hätte es nicht gekonnt, aber ich will davon lernen, wie denn alle Größe ihren wahren Wert erst in solcher vorbildlichen Wirkung entfaltet. Vielleicht aber geht es mir wie allen Examenskandidaten: ich sage: morgen will ich mit aller Energie anfangen. Heute kann ich nicht einmal so viel Willenskraft finden, um Ihnen einen richtigen Brief zu schreiben, während Sie sich ganz anders opferten. Ich habe alle möglichen Arbeiten, z.T. für andere, zu erledigen; dazu eine Art Bidamag-buden (W.ö.div.), der
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| wieder Tage lang dauert. Sobald ich mich koncentrieren kann, erhalten Sie den längst fälligen Brief, für den sich bereits viel Material gesammelt hat. Hier aber folgen einige Proben des fertigen Exlibris; das braune, wie Sie wohl gesehen haben, war ganz u. gar unmöglich. Schwarz paßt zu jedem Untergrund. Sind Sie sonst mit der Ausführung zufrieden? Sie sollten es längst haben, aber es hat sich verzögert, weil ich - nicht zu kleben verstand! Es lebe die humanistische Bildung; ich möchte mich nur einmal ohne Kneifer in einem Walde befinden, was dann würde! Hermann bin ich auch einen Brief schuldig. Hoffentlich steht er Ihnen an freundlicher Geduld nicht nach. Ich wünsche Ihnen von Herzen eine völlige, definitive Genesung u. verbleibe einstw. <li. Rand> mit herzlichem Gruß auch an Hermann Ihr E.S.
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<Exlibris>
Das eigentliche Studium der Menschheit ist der Mensch.
Wahlverwandtsch. II,7.